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Apartments und Büros: Kühne Pläne für die verwaiste Kaserne in Friedberg

Nach elf Jahren Dornröschenschlaf soll ein Teil der Ex-Kaserne ab 2018 lebendig werden: Am Südrand der Kreisstadt könnten bald Wissenschaftler forschen, Firmen neue Geschäftsmodelle erproben und Startup-Jungunternehmer wohnen und arbeiten.
Blick über die frühere technische Instandsetzungsabteilung (Motorpool) der Ray-Kaserne nach Süden: Hier möchte die Technische Hochschule Mittelhessen im nächsten Jahrzehnt ein Laborzentrum bauen. Blick über die frühere technische Instandsetzungsabteilung (Motorpool) der Ray-Kaserne nach Süden: Hier möchte die Technische Hochschule Mittelhessen im nächsten Jahrzehnt ein Laborzentrum bauen.
Friedberg. 

Gras wuchert zwischen alten Betonplatten. Birken bedrängen die Mauern der früheren Soldaten-Unterkünfte. Eine Halle scheint einsturzgefährdet zu sein, das Dach hängt stellenweise stark durch. Ödnis und Verfall spürt man dort, wo südlich der Philipp-Reis-Schule die frühere Ray-Kaserne in der Verlängerung der Friedensstraße die Jahre verdämmert.

Doch das soll ab 2018 vorbei sein. Mindestens zwei der insgesamt mehr als 70 Hektar will die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) zu einer Art Zukunftswerkstatt machen. Am Geld soll es nicht scheitern, sagte THM-Vizepräsident Olaf Berger bei einer Besichtigung mit Vertretern des Ausschusses für Stadtentwicklung.

Es geht zunächst um drei Kasernengebäude – stabile Häuser mit 60 Zentimeter dicken Außenmauern aus dem Jahr 1935. Sie begrenzen eine Freifläche, die sich nach Süden zum ehemaligen Motorpool der Kaserne öffnet. Diese Gebäude hat die Stadt Friedberg Ende 2015 vorsorglich zur Unterbringung von Flüchtlingen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gemietet, der das ganze Areal gehört.

8000 Euro pro Monat

Die Flüchtlinge blieben aus. Aber die Stadt hat eine moderne Gasheizung installiert, Sanitärräume erneuert, Wasser- und Stromleitungen gelegt. Das kostet momentan 8000 Euro im Monat. Zusammen investierte man bisher 1,6 Millionen, verriet der scheidende Bürgermeister Michael Keller (SPD) beim Rundgang.

Das kann nicht ewig so weitergehen. Intensiv, geradezu euphorisch warben der Uni-Vizepräsident und der Bürgermeister deshalb bei den Stadtverordneten für ihre Zukunftsvision. Die heißt Frantz, kurz für Friedberger Anwender- und Technologiezentrum.

Die Stadt kann und soll das zwei Hektar große Gelände demnach möglichst bald per vorgezogenem Erstzugriff von der in Koblenz sitzenden Bundesbehörde kaufen. Die bisherigen Investitionen würden dabei verrechnet. Die Bima sei grundsätzlich dazu bereit, so Keller.

Wenn die Stadtverordneten zustimmen, dann könnte Kellers Nachfolger Dirk Antkowiak (CDU) den Vertrag vielleicht schon 2018 abschließen. Für den viel größeren Rest des Kasernengeländes gibt es zwar schon ein Konzept zur Bebauung mit Wohnhäusern und Firmensitzen – doch die Umsetzung wird wohl noch länger dauern.

Hörsäle, Parkhaus, Labor

Das Frantz-Gelände hingegen wird laut THM-Vizepräsident zügig entwickelt. Das frühere Kantinengebäude will die Hochschule möglichst bald für Vorlesungen und Workshops nutzen. Akut brauche sie etwa 6000 Quadratmeter, sagten Olaf Berger und sein für Baumanagement und Projektsteuerung zuständiger Kollege Dirk Metzger.

Inzwischen habe die THM fast 6000 Studenten in Friedberg – Tendenz steigend. Auf dem Gelände soll auch ein Parkhaus entstehen, in den anderen Gebäuden könnten Labore einziehen. Für den Umbau allein des Kantinengebäudes kalkuliert Berger eine Investition von etwa zwölf Millionen Euro. Staatliche Stellen und der europäische Regionalentwicklungsfonds „Efre“ würden das Geld bereitstellen.

Die beiden ehemaligen Mannschaftsquartiere könnten zu Mikro-Apartments für Studenten umgebaut werden. Die brauche man jetzt schon dringend, sagte Metzger. Als Investoren kämen die Friedberger Wohnungsbaugesellschaft oder das Studentenwerk der THM infrage.

Besonders wichtig ist den Professoren und dem Bürgermeister der Start des Anwenderzentrums auf dem Gelände. Das sollen Räume sein, in denen Firmen neue technische Lösungen für ihre Produkte und Dienstleistungen ausprobieren können. Helfen würden ihnen dabei die Absolventen der Hochschule, die während ihres Studiums oder danach als Existenzgründer in der Ex-Kaserne ihre Startups betreiben sollen. „Dann wandern sie nicht ab“, hofft Berger.

Jetzt öffne sich für Friedberg ein historisches Zeitfenster, um Arbeitsplätze der Zukunft zu schaffen. In fast allen Branchen würden sich mit der Digitalisierung Geschäftsmodelle radikal verändern. Friedberg habe die Chance ganz vorne mitzuspielen: Wenn das Anwenderzentrum Wirklichkeit werde, wolle die Hochschule ab 2020 noch weitere Flächen südlich davon kaufen, um Labore zu bauen.

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