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Azubi des Monats: Nachwuchs-Maler Firooz Esmaieli: Der Musterschüler aus Afghanistan

Von Deutschkurs, Praktika, Ausbildung – und nach dem ersten Lehrjahr bereits die ersten Auszeichnungen: Der Weg von Flüchtling Firooz Esmaieli (22) ist eine Erfolgsgeschichte. Der Schlüssel: eine gehörige Portion Ehrgeiz und der Abbau von hemmender Bürokratie.
Freuen sich gemeinsam über Firooz’ Erfolgsweg: Die engagierte Helferin Hedwig Brobeil und Maler-Azubi Firooz Esmaieli. Freuen sich gemeinsam über Firooz’ Erfolgsweg: Die engagierte Helferin Hedwig Brobeil und Maler-Azubi Firooz Esmaieli.
Karben. 

Komplizierte Spachteltechniken, feine Vergoldung. Kurzum: Techniken, für die in der Ausbildung zum Maler und Lackierer oft die Zeit fehlt, die das Handwerk aber abrunden. Das lernen 13 Musterschüler im „Montagsmaler“-Kurs. Sie alle eint besonderes Engagement, besonders gute Noten und – die meisten von ihnen – ihre fortgeschrittene Ausbildungsdauer: Denn allesamt sind im dritten Lehrjahr, einige sogar im Meisterkurs. Nur Firooz Esmaieli sticht heraus: Der 22-Jährige hat gerade mal das erste Ausbildungsjahr hinter sich, hat sich den Platz im Weiterbildungskurs jedoch schon mit Bravour verdient.

Vorbild für andere

Mit der Aktion „Lehrling des Monats“ macht der hessische Malerverband auf den qualifizierten Nachwuchs in der Branche aufmerksam, um für die Chancen einer handwerklichen Ausbildung zu werben.

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„Sein Meister lobt ihn in den höchsten Tönen“, weiß die ehrenamtliche Deutschlehrerin und Unterstützerin Hedwig Brobeil. „Und auch seine Kollegen arbeiten allesamt sehr gerne mit ihm zusammen.“ Auch deswegen wurde Firooz jüngst als „Azubi des Monats“ geehrt: Mit der Aktion würdigt die hessische Malerinnung besondere Persönlichkeiten, erklärt Landesinnungsmeister Klaus Leithäuser. Bei der Ehrung der ersten zwölf Titelträger – darunter auch Firooz – in der geschichtsträchtigen Villa Metzler in Frankfurt war er ebenso dabei wie Brobeil.

Auf seinem Weg hat die Karbenerin Firooz eng begleitet: Aus seiner Heimat Afghanistan kam er vor gut zwei Jahren nach Deutschland, die beiden haben sich im Deutschkurs kennengelernt. Nach neun Monaten hat Firooz die Sprache beherrscht und am Projekt „Orientieren-Qualifizieren-Integrieren“ des Berufsbildungswerks (BBW) Südhessen teilgenommen (diese Zeitung berichtete). Dabei ist es explizites Ziel, junge Geflüchtete auf das Berufsleben vorzubereiten. „Ich konnte in dieser Zeit in verschiedene Berufe reinschauen, habe zum Beispiel auch mal die Schreinerei ausprobiert“, erzählt Firooz. Nach den Praktika hat er gemerkt: Er möchte Maler und Lackierer werden.

Hilfe vom Kreis

Berufserfahrung hat er in Afghanistan bereits gesammelt, nicht jedoch in diesem Bereich. „Ich habe lange als Verkäufer und auch mal als Fliesenleger gearbeitet“, erzählt er. Nach dem ersten Ausbildungsjahr bei der Frankfurter Firma Mensinger weiß er, dass er die richtige Wahl getroffen hat.

Damit er auf seinem Erfolgsweg weitergehen kann, sind er und seine Ansprechpartnerin in den vergangenen Wochen hinterher gewesen, den passenden Rahmen zu sichern. Denn bis zuletzt hat Firooz in einer der Karbener Gemeinschaftsunterkünfte gelebt. Für den Schritt in die eigene Wohnung fehlte ein Schlüsseldokument, die sogenannte Auszugsgenehmigung.

Diese erhält nur, wer entweder genug verdient – was bei einem Ausbildungsgehalt aber nicht gegeben ist – oder wer das Asylverfahren erfolgreich durchlaufen hat. Dieses ist bei Firooz jedoch noch nicht abgeschlossen, die Auszugsgenehmigung war daher eine Einzelfallentscheidung. „Wir sind so glücklich, dass der Wetteraukreis letztlich die Genehmigung erteilt hat. Ein ganz großes Lob!“, freut sich Brobeil.

Der Schritt in die eigene Wohnung in Friedberg – die Vermieterin hat glücklicherweise so lange auf ihren neuen Mieter gewartet, bis die Auszugsgenehmigung vorlag – ist für Firooz bedeutend. „Ich verlasse oft schon morgens um 5 Uhr das Haus, um auf die Arbeit zu fahren. Ich muss also früh schlafen gehen“, erklärt er. In der Gemeinschaftsunterkunft sei das nicht immer einfach. Auch brauche er die Ruhe, um zu lernen: Zweimal die Woche geht er weiterhin zum Deutschkurs.

Ziel: Meister werden

Weil sie sieht, wie wichtig diese individuelle Unterstützung ist, will Brobeil hier Mitstreiter finden. „Gerade aus Afghanistan und Pakistan kommen hoch motivierte Menschen“, weiß sie. Die einzige Möglichkeit zu bleiben, führe oft über eine Ausbildung – doch damit gehe oft komplexe Bürokratie einher. Um individuelle Unterstützung mit Blick aufs Berufsleben zu gründen, erwägt sie aktuell die Gründung eines Vereins oder einer Stiftung.

Dass sich das Engagement lohnt, beweist Firooz als Karbens neuer Muster-Azubi: Er weiß jetzt schon, wie es für ihn weitergehen wird. Als nächstes Ziel hat er sich den Führerschein gesetzt. Dann bekommt er von seinem Arbeitgeber ein Azubi-Auto gestellt und kann von Friedberg aus nach Frankfurt pendeln. Doch auch für die Zeit nach der Ausbildung hat er bereits die nächste Etappe im Blick: Dann will Firooz unbedingt die Meisterschule besuchen.

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