Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Info-Tafel im Bad Vilbeler Burgpark: Wo bedeutende Steine die Epochen überdauern

Von Über Jahrhunderte hinweg erzählen Grenzsteine die Geschichte früherer Herrschaftsbereiche. Auch an der Wasserburg sind zehn davon zu finden. Jetzt hat der Geschichtsverein dort eine Info-Tafel aufgestellt.
Im Steingarten im Burgpark weisen Wolfgang Boos (von links), Werner Groß und Claus-Günther Kunzmann auf die neue Info-Tafel hin. Im Steingarten im Burgpark weisen Wolfgang Boos (von links), Werner Groß und Claus-Günther Kunzmann auf die neue Info-Tafel hin.
Bad Vilbel. 

Verwittert vom Zahn der Zeit und moosbedeckt stehen sie am Weg von der Nidda zur Burg – zehn historische Gebietsmarken. Für manche nur alte Steine, doch für Werner Groß, den Obmann für Grenzsteine in der Wetterau, sind sie „gelebte Territorialgeschichte“, betont er.

Von ihm kam auch der Impuls für die Info-Tafel, die der Bad Vilbeler Geschichtsverein jetzt dort aufgestellt hat. Dessen Vorsitzender Claus-Günther Kunzmann denkt an die Tafel, die vor kurzem bei den Grenzsteinen am Dortelweiler Friedhof aufgestellt wurde. Fünf alte Grenzsteine liegen auch im Massenheimer Museumsgarten, merkt der ehrenamtliche Lokalhistoriker Wolfgang Boos an.

Doch auch an der Burg lagern die Steine schon seit geraumer Zeit. Früher, so Kunzmann, befanden sie sich im Burghof. Als dieser vor 15 Jahren gepflastert wurde, wurden sie ausgelagert. Sie stammen aus allen Teilen des Stadtgebiets, das zu verschiedenen Herrschaftsgebieten gehörte. Eine Karte aus dem 18. Jahrhundert zeigt die Ortsteile und die östlichen Vororte Frankfurts als eigenständige Gemeinden.

Das Vilbeler Gebiet war bis 1803/1816 zwei Herren zugeordnet, aber mit gemeinsamer Verwaltung über die Nidda hinweg, ergänzt Groß und zeigt auf einen der Grenzsteine. Dort sieht man links das Mainzer Rad für das Kurfürstentum Mainz mit den Initialen „KM“, rechts daneben das Zeichen für das Kurfürstentum Hessen-Kassel.

Bis zu 400 Kilogramm

Auf der Rückseite prangt der Frankfurter Adler. So verweist der erste Stein der Ausstellung von der Nidda her gezählt auf die Grenze zwischen Vilbel und Nieder-Erlenbach. Gesetzt wurde er 1786.

Das war die Zeit, in der die Frankfurter zwischen 1778 und 1789 sämtliche Grenzen mit neuen Steinen markierten, schildert Groß. Die ältesten Grenzsteine seien im 15. Und 16. Jahrhundert gesetzt worden. Sie resultierten aus Streitereien über den Verlauf der Hoheitsgebiete, die bis vor dem Reichsgericht ausgetragen wurden.

Die Granitsteine wurden nicht einfach abgelegt, sie haben eine Höhe von 1,20 bis 1,60 Metern, nur der kleinere, unbehauene Teil ragt aus der Erde heraus. Der größte Stein im Lapidarium (Steingarten) wiegt 400 Kilo.

Das Prunkstück sei der Dreimärker, der letzte Stein in der Reihe, erläutert Groß. Das dreieckige Basaltstück markiert das Aufeinandertreffen dreier Gemarkungen, zeigt das Doppelwappen Kurmainz und Hessen-Kassel sowie zweimal den Frankfurter Adler und wurde 1789 an der Schnittstelle zwischen Vilbel sowie den Frankfurter Orten Nieder-Erlenbach und Dortelweil eingesetzt. Ein anderer Stein zeigt zwei im rechten Winkel verlaufende Linien, die sich in einem Kreis treffen. Die Striche zeigen die Grenze zwischen Gronau (Kurhessen) und Dortelweil.

Aber es finden sich auch andere historische Abkürzungen,. „SB“ steht für die Besitzungen der Adelsfamilie Schelm von Bergen anno 1720. „KP“ markiert die Grenze zum Königreich Preußen, das von 1866 bis 1918 direkt an der Grenze der Nidda zu Gronau begann.

Ein Frankfurter Dorf

„CC“ bezeichnet die Commende Cloppenheim, einst Besitztum des Deutschen Ordens. Und der Frankfurter Adler steht für die Geschichte Dortelweils, das bis 1810 eines der zehn Frankfurter Dörfer war.

Weil die steinernen Grenzwächter so massiv sind, wurden sie im Falle eines Herrschaftswechsels einfach umgeschrieben. Als Gronau 1866 vom Kurfürstentum Hessen-Kassel nach Preußen wechselte, schleifte man das „KH“ ab und gravierte darunter ein „KP“ ein.

Zur Startseite Mehr aus Wetterau/Main-Kinzig

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse