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Nacktheit zwischen Unschuld und Absicht

Unter dem Titel „The Naked and the Nude“ ist Aufschlussreiches über eine sehr direkte Kunstform zu einem sehr direkten Thema zu sehen.
Arnulf Rainers Acryldarstellung aus der Serie «Akte 2004-05». Abb.: Detterer Bilder > Arnulf Rainers Acryldarstellung aus der Serie «Akte 2004-05». Abb.: Detterer

Kurator dieser Ausstellung, die alte (auch Frankfurter) Bekannte mit neu Kennenzulernenden vereint, ist der ehemalige Chef des Frankfurter Kunstvereins, Peter Weiermair. Beide Gebiete, der Akt und die Zeichnung, sind seit Jahren seine Spezialität, und auch die Galeristin Martina Detterer hat schon viele Jahre das Feld der Zeichnung beackert. Nun also diese Ausstellung, die einen Facettenreichtum zum Thema zutage fördert, der auch der feinen Unterscheidung zwischen „Naked“ und „Nude“ Rechnung trägt: gemeint ist nämlich die unverhohlene, unbefangene Nacktheit gegenüber der kunstvollen Nacktheit, die durchaus ihre Absichten haben kann.

Arnulf Rainer, wahrscheinlich der Star der Ausstellung, versteckt in seinen beiden Bildüberarbeitungen den Unterschied in der Fotogrundlage vom leibhaftigen und vom künstlerischen Akt. Die zarte Übermalung indes wirkt in beiden Fällen wie ein sanfter kaschierender Hauch von Vorhang. Völlig unbefangene, ja unbefleckte Nacktheit ist in einer kleinen Zeichnung der Frankfurter Belgierin Nicole van den Plas zu finden. Eine kleine anmutige Frau, offenbar zum Baden bereit, steht versonnen in einer Lichtaura, während andere Badende schemenhaft in abgedunkeltem Hintergrund verschwinden. Das ist so fein gezeichnet, als habe sich van den Plas an den Lichtwirkungen in Rembrandt-Radierungen geschult.

 

Verklärung des Körpers

 

Erinnerungen an ältere (vielleicht nicht einmal gesuchte) Vorbilder finden sich in dieser Ausstellung öfter: so auch, in feinstem Bleistift, bei Michael Zieglers Zeichnung „Verklärung des Leibes“. Das erinnert in den klar umrissenen „höfischen“ Figuren bis hin in die bescheidenen dekorierenden Pflänzchen an Darstellungen des Mittelalters, bleibt freilich rätselhaft im Sujet. Ist es christlich? Einer wie der Südtiroler Gotthard Bonell zeichnet mit starker Feder Gestalten wie düsteres Urgestein, gewaltig muskulös wie bei Michelangelo. Eine vorzügliche Zeichnerin ist die in Wien lebende Bulgarin Sevda Chkoutova in ihrem unmittelbar nah und spontan wirkenden Frauenakt mit Säugling. Graphitstift und blauer Kugelschreiber werden virtuos modellierend eingesetzt. Ulrike Lienbacher, deren makellos unbeirrter Tuschstrich an den früheren Manfred Stumpf erinnert (der ist mit zwei freieren Blättern dabei), bringt eine behutsam absurde Variante ins Zeichenspiel.

 

Betrachtung als Voyeur

 

Ein Luigi Ontani spinnt so etwas bunt und exaltiert und schrill und ein bisschen obszön aus (Mercurio). Eher ins Märchenhafte spielt Gabriele Muschels Aktbegegnung mit der wundersam sich zuneigenden Blume. Drastisch hingegen arbeitet Cornelius Völker mit seinen beiden „Klo“-Hockern, treffsicher mit Pinsel und Bleistift aus der Voyeur-Position (von oben) festgehalten. Zweiundzwanzig eigensinnige Künstler haben sich zu dieser Ausstellung mit ihren Arbeiten eingefunden. Das garantiert anregende Vielfalt.

Galerie Martina Detterer, Hanauer Landstraße 20-22, Frankfurt. Bis 6. Juli, dienstags bis freitags 13-18.30 Uhr, samstags 11-14Uhr. Telefon (069) 491613. Internet www.detterer.de

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