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Kino: Western-Thriller "Wind River" kommt auf die Leinwand

Von Der amerikanische Filmemacher Taylor Sheridan zeigt den Indianerstaat im Westen der USA tief verschneit als einen Ort, der die Menschen verhärtet.
Der Viehhüter und Jäger Cory (Jeremy Renner) kennt sich in den Bergen von Wyoming gut aus und hilft bei den Ermittlungen in einem rätselhaften Todesfall, bei dem ein Mädchen aus dem Indianerreservat sein Leben verloren hat. Foto: - (Wild Bunch Germany) Der Viehhüter und Jäger Cory (Jeremy Renner) kennt sich in den Bergen von Wyoming gut aus und hilft bei den Ermittlungen in einem rätselhaften Todesfall, bei dem ein Mädchen aus dem Indianerreservat sein Leben verloren hat.

Mit dem Drogenthriller „Sicario“ und dem Bankenkrisen-Western „Hell or High Water“ hat sich Taylor Sheridan als einer der interessantesten Drehbuchautoren des gegenwärtigen amerikanischen Kinos profiliert. Nun legt der aus Texas stammende Filmemacher mit „Wind River“ seine zweite eigene Regiearbeit nach einem selbstverfassten Skript vor, und wie in den Vorläuferwerken scheinen die Charaktere auch hier mit der Landschaft, die sie umgibt, untrennbar verbunden. Man kann durchaus von einer Amerika-Trilogie sprechen, von der Betrachtung eines Landes, das seine starken Gegensätze in seinen Menschen hinterlässt. Schon der Filmtitel „Wind River“ hat etwas Klimatisches.

Die staubige Prärie in Texas und New Mexico tauscht Sheridan in diesem Film gegen die Schneewüsten im nördlichen Wyoming ein, das so hoch liegt wie sonst nur noch Colorado und wo die Temperaturen so niedrig sind, dass bei zu großer körperlicher Anstrengung die Lungenbläschen kristallisieren und sich lebensgefährdend mit Blut füllen.

Stille der Ohnmacht

Die 18-jährige Natalie, die man zu Beginn des Filmes barfuß durch die eiskalte Nacht laufen sieht, ist daran gestorben. Mitten in den verschneiten Bergen findet der Jäger und Naturschützer Cory (Jeremy Renner) die Leiche der jungen Frau, die im nahe gelegenen Indianerreservat gelebt hat. Das FBI schickt die weitgehend unerfahrene Ermittlerin Jane Banner (Elizabeth Olson) aus der Glücksspielstadt Las Vegas hoch in den Norden, wo man nichts von der staatlichen Obrigkeit erwartet. „Schnee und Stille ist das Einzige, was uns geblieben ist“, sagt einer der Bewohner des Reservates, das an der Niederlassung einer Petroleumgesellschaft liegt, aber auch am Ende der Welt, wo die sozialen Strukturen längst zerfallen sind. Die Obduktion der Gerichtsmedizin zeigt, dass das Opfer vergewaltigt wurde und in die bittere Kälte davongerannt ist, bis der Tod es eingeholt hat.

Eis der Einsamkeit

Natalie war eine Freundin von Corys Tochter, die vor wenigen Jahren unter ähnlichen Umständen gestorben ist. Der versierte Spurenleser, der den Tod seines Kindes noch nicht verwunden hat, hilft der FBI-Agentin bei ihren Ermittlungen. Denn hier oben im Schnee gibt die Natur manchmal mehr preis als die Menschen. Jeremy Renner spielt diesen Eis-Cowboy mit einer erdigen Macho-Präsenz, die mit großer Sensibilität unterfüttert wird. Die Trauer um die eigene Tochter hat sich tief in das Wesen dieses Mannes eingeschrieben, und wenn er den Vater der Verstorbenen (Gil Birmingham) im Reservat aufsucht, wird die innere Verbundenheit der beiden mit wenigen Worten auf herzzerreißende Weise sichtbar.

Der kriminalistische Wer-war-es?-Plot ist hier über weite Strecken nur ein Vehikel, um die persönlichen Beziehungen und gesellschaftlichen Gegebenheiten in dieser spärlich besiedelten Gegend zu durchdringen, die von der Unerbittlichkeit der Natur so stark geprägt sind. Das erinnert an die Filme der Brüder Ethan und Joel Coen, die ihr Minnesota zum Schauplatz ihrer Werke erwählt haben („Fargo“), wo der Schnee bei Verbrechen auch die Rolle des Spurenverwischers übernimmt.

Mit großer visueller Kraft, dank Kameramann Ben Richardson, und schauspielerischer Präzision, bis hin zu dem indianischen Darsteller Graham Greene („Der mit dem Wolf tanzt“) als örtlichem Polizeichef erzählt „Wind River“ seine Geschichte. Sie entlädt sich in einem überraschend blutigen Finale. Aber abgesehen von diesem Showdown wird der Film von einer sensiblen Melancholie getragen, die beim Zuschauen genauso in die Knochen dringt wie die bitterkalte Schönheit der Landschaft. Was die Indianer über sich und den Winter sagen, wiederholt Cory noch einmal mit eigenen Worten: „Dieser Schnee und das Schweigen – das ist das Einzige, was man ihnen nicht weggenommen hat.“ Herausragend

In diesen Kinos

Frankfurt: Harmonie (D+OmU),
Metropolis (D+E)

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