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Frankfurter „Komödie“: Zur Paartherapie auf die weiße Couch

Von Unter der Regie des Schweizers Jürg Schlachter halten die Darsteller Renan Demirkan, Tanja Schumann und Giovanni Arvaneh manchem Pärchen im Publikum den Spiegel vor.
Renan Demirkan, Tanja Schumann und Giovanni Arvaneh (von links) in „Alles über Liebe“. Renan Demirkan, Tanja Schumann und Giovanni Arvaneh (von links) in „Alles über Liebe“.

Mancher im Publikum könnte meinen, er schaue sich selbst zu. Denn die Probleme, die Anna und Carlos Lima (Tanja Schumann, Giovanni Arvaneh) vor ihrer Paartherapeutin (Renan Demirkan) ausbreiten, die sind wohl keinem fremd. Dennoch ist dieser zweistündige Abend in der „Komödie“ durchaus vergnüglich. Vielleicht gerade deshalb, weil zumindest die Humorvollen unter den Zuschauern unbeschwert über sich selbst lachen können. Und die Singles darüber, dass sie mit all dem Ehekram glücklicherweise nichts zu tun haben.

„Alles über Liebe“ hat der in Aachen geborene Autor Stephan Eckel sein Dreipersonenstück genannt, das gerade unter der Regie des Schweizers Jürg Schlachter in Frankfurt Station macht. Das Bühnenbild zeigt eine ganz in Weiß gehaltene Therapiepraxis, die mit Sitzcouch, Designerstuhl, Teppich und niedrigen Tischen mehr an ein elegantes Wohnzimmer erinnert. Mark Späth, dafür verantwortlich, hat die helle Farbgebung auch in der weiten Kleidung der Besitzerin fortgesetzt, die sich mit dem fließenden Stoff ihres Oberteils immer wieder auf die gleiche Art Luft zufächelt. Ein Zeichen dafür, dass mit dieser Dame auch nicht alles stimmt.

Mann bringt das Geld ein

Das soll sich später noch deutlich zeigen, wird aber auch von Beginn an durch diverse Empfindlichkeiten unterstrichen, etwa die übertriebene Angst vor Wasserflecken auf der Einrichtung oder der recht eigene Umgang mit einer elektrischen Bernsteinlampe, deren allein der Psychologin vorbehaltenes An- und Ausknipsen Beginn und Ende der Gesprächsrunden kennzeichnet. Die Verwunderung über derartige Verhaltensweisen schweißt die zerstrittenen Ehepartner für kurze Augenblicke zusammen. Doch ansonsten will vor allem Anna nichts Positives mit ihrem Gatten teilen.

Mit zwei Kindern und einem Teilzeitjob ist sie nicht gerade glücklich, erlebt ihren Alltag als Dauerschneiderin von aufwendigen Kostümen, die bei den Aufführungen im Kindergarten dann nicht zur Geltung kommen, und als Chauffeurin zwischen all den eigentümlichen Kursen, an denen die Kleinen in ihrer Freizeit heutzutage so teilnehmen müssen. Kommt einem bekannt vor, oder?

Der Mann – dessen Name sich die geschiedene Therapeutin im Übrigen so gar nicht merken kann – bringt das Geld nach Hause, schert sich aber ansonsten nicht sonderlich um das Familienleben. Miteinander geredet wird nicht. Dafür sind dann die Beratungsstunden da, und in diesen wird deutlich, dass die beiden doch noch einiges gemeinsam haben. Denn bei ihren turbulenten Erzählungen aus der Vergangenheit plaudern sie zwar erst parallel nebeneinander her, finden sich dann aber immer wieder in synchronen Formulierungen zusammen.

Diese harmonischen Ausrutscher aus der geballten Ansammlung an Vorwürfen und Selbstentlarvungen heraus gehören zu den netten Besonderheiten, die verhindern, dass das Stück ganz dem Klamauk verfällt. Mit feinfühliger Hand schafft Regisseur Schlachter mit seinen Darstellern genügend ernste, ja im Nachhinein vielleicht sogar nachdenklich stimmende Momente, um aus dem Alltagskram eine gelungene und nur Carlos zwischenzeitlich mal ermüdende Mischung zu machen.

Ein Hauch Selbstironie

Tanja Schumann lässt gehörig die sprachlichen Fetzen fliegen, Giovanni Arvaneh gibt anfangs den überzeugend Ahnungslosen, der aber nach und nach die eigenen Schwächen eingestehen muss. Und Renan Demirkan als spleenige Edeltraut Mayer-Wölk umspielt stets und auch noch beim langen Applaus am Ende ein wohltuender Hauch von Selbstironie.

Trotz der Stereotypen – ein Abend auf der Couch dürfte bei vielen Paaren längst nicht mehr so unterhaltend sein. Aber vielleicht sollten sie sich trotzdem mal wieder zusammensetzen. Und versuchen, über sich selbst zu lachen.

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