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Gleichberechtigung: Kommentar: Weltfrauentag ist nicht nur am 8. März

Von Eine Industrienation wie Deutschland kann es sich nicht leisten, die Hälfte ihrer Einwohner zu zwingen, sich zwischen beruflichem oder privatem Erfolg zu entscheiden. Ein Kommentar von Mirco Overländer.
Damen am Weltfrauentag Blumen zu überreichen, ist nicht nur Privat-Ritual. Auch einige Parteien und Verbände verschenken am 8. März Nelken oder Rosen. Damen am Weltfrauentag Blumen zu überreichen, ist nicht nur Privat-Ritual. Auch einige Parteien und Verbände verschenken am 8. März Nelken oder Rosen.

„Natürlich müssen Frauen weniger als Männer verdienen. Weil sie schwächer, kleiner und weniger intelligent sind.“ Diese herabwürdigenden Sätze stammen nicht aus grauer Vorzeit, sondern wurden erst vor wenigen Tagen vom polnischen EU-Abgeordneten Janusz Korwin-Mikke, während einer Plenardebatte in Brüssel geäußert.

Freilich mögen Männer mit jener erschreckend antiquierten und diskriminierenden Geisteshaltung eines Korwin-Mikke – zumindest in Europa und Deutschland – längst in der Minderheit sein. Doch dass Frauen auch in der Realität jene (selbstverständlichen) Rechte genießen, die ihnen gesetzlich zustehen, lässt sich noch nicht einmal in Deutschland behaupten.

Mirco Overländer Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Mirco Overländer

Laut Daten des Statistischen Bundesamts verdienen Frauen im Schnitt für dieselbe Tätigkeit noch immer sieben Prozent weniger als Männer. Dafür verbringen sie durchschnittlich 4,13 Stunden pro Tag mit unbezahlter Hausarbeit, Pflege und Kinderbetreuung, während Männer lediglich auf 2,46 Stunden kommen. Diese Zahlen stammen vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Und laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung waren Ende 2016 nur gut acht Prozent aller Vorstandsposten der 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen von Frauen besetzt.

Dass in Deutschland mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Mütter in Teilzeit arbeiten, ist eine direkte Folge der Benachteiligungen, mit denen Frauen im Berufsalltag noch immer konfrontiert werden. Denn spätestens, wenn es an die Familienplanung geht, müssen sich Frauen in Deutschland viel zu oft zwischen Kindern und Karriere entscheiden. Denn solange ein konservatives Weltbild dominiert, das Karrierefrauen als Rabenmütter diffamiert, wird sich dieser Missstand nicht beheben lassen.

Und solange Personalchefs eine mögliche Schwangerschaft als Karrierehindernis einstufen, wird es nichts mit dem Durchmarsch in die Chefetage. Die Konsequenz: In Deutschland tragen Frauen lediglich zu 22,4 Prozent zum durchschnittlichen Familieneinkommen bei, in Dänemark liegt dieser Anteil laut OECD bei 42 Prozent.

Die tatsächliche und umfassende Gleichstellung der Frau ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sich nicht nur in Geld widerspiegelt und auch nicht mit akademischen Gender-Debatten und wohlklingenden Reden zum Weltfrauentag bewerkstelligen lässt. Denn gerade eine Industrienation wie Deutschland kann es sich nicht leisten, die Hälfte ihrer Einwohner zu zwingen, sich zwischen beruflichem oder privatem Erfolg zu entscheiden.

mirco.overlaender@fnp.de

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