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Exportnation Deutschland: Kommentar: Zu optimistisch

Von Wohin man blickt, drohen der Exportnation Deutschland und ihrer Konjunktur Risiken, Risiken, Risiken. Und dennoch haben die „Wirtschaftsweisen“ ihre Schätzung gestern angehoben und sehen sogar optimistischer in die Zukunft als noch im Herbst. Ein Kommentar von Thomas Baumgartner.
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Drohender Protektionismus in den USA, ein möglicher ungeordneter EU-Austritt Großbritanniens, eventuelle Wahlerfolge von Eurogegnern und Rechtspopulisten in Frankreich oder Italien, die ungelöste Schieflage Griechenlands und die ungewisse Trendwende bei der EZB-Geldpolitik: Wohin man blickt, drohen der Exportnation Deutschland und ihrer Konjunktur Risiken, Risiken, Risiken. Und dennoch haben die „Wirtschaftsweisen“ ihre Schätzung gestern angehoben und sehen sogar optimistischer in die Zukunft als noch im Herbst.

Thomas Baumgartner Bild-Zoom Foto: (FNP)
Thomas Baumgartner

Die Erklärung ist so einleuchtend wie unbefriedigend: Die Auswirkungen beispielsweise von Donald Trumps Politik seien unsicher und daher nicht konkret zu beziffern. Oder sie würden erst auf mittlere Sicht eintreten. Und daher sind sie nicht in die Prognose eingearbeitet – O-Ton: „Für die Prognose wird angenommen, dass keines dieser Risiken eintritt.“

Freilich droht das Gutachten des Sachverständigenrats die Konjunkturentwicklung auf diese Weise systematisch zu optimistisch einzuschätzen. Natürlich ist den führenden deutschen Ökonomen diese Gefahr bewusst – das wird der Kritik von Politik und Öffentlichkeit aber nicht die Spitze nehmen, falls eben doch eines dieser Risiken eintreten sollte.

Isoliert mit seiner Kritik am deutschen Exportüberschuss ist der (eher linke) Würzburger Wissenschaftler Peter Bofinger – allerdings nur im Sachverständigenrat. Seine Verbindungen in die Politik sind dagegen besser und sein Einfluss auf Entscheidungen etwa im Bundeswirtschaftsministerium größer als bei vielen anderen „Wirtschaftsweisen“; und auch in Talkshows wirbt er eloquent für seine Positionen. Dem – oft als gering kritisierten – Einfluss des Gremiums auf politische Maßnahmen würde es sicherlich gut tun, wenn die Forscher zumindest in wichtigen Kernfragen einen Konsens erzielen und sich auf klare, einstimmige Empfehlungen an die Bundesregierung festlegen könnten.

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