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Acht Jahre Haft für Soldaten wegen Kindesmissbrauchs

Ermittler berichten, das junge Opfer sei beschimpft und gedemütigt worden, die Taten seien grausam und „kaum zu ertragen”: Wegen zweifacher Vergewaltigung des Jungen aus dem Raum Freiburg ist ein Bundeswehrsoldat jetzt verurteilt worden.
Der wegen Kindesmissbrauchs Angeklagte Knut S. in einem Saal des Freiburger Landgerichts. Foto: Patrick Seeger Der wegen Kindesmissbrauchs Angeklagte Knut S. in einem Saal des Freiburger Landgerichts.
Freiburg. 

Im deutschlandweit Aufsehen erregenden Fall eines vielfach missbrauchten Jungen im Raum Freiburg ist ein Bundeswehrsoldat zu acht Jahren Haft verurteilt worden.

Zudem ordnete das Landgericht Freiburg die Zahlung von 12 500 Euro Schmerzensgeld an. Dieses Geld gehe an das Opfer der Taten, ein heute neun Jahre alter Junge aus Staufen. Auf Sicherungsverwahrung, wie sie die Staatsanwaltschaft und die Vertreterin der Nebenklage gefordert hatten, verzichtete das Gericht. Es fehle die rechtliche Grundlage für diese Maßnahme, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin zur Begründung (Az.: 6 KLs 160 Js 33561/17).

Der Angeklagte, ein Deutscher, nahm das Urteil ohne äußerliche Regung auf. Der Soldat hatte in dem Prozess gestanden, den Jungen im vergangenen Jahr in Staufen zweimal vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben. Die Mutter des Jungen und der Stiefvater, alles Deutsche, seien dabei gewesen. Auch sie missbrauchten das Kind, wie das Gericht feststellte. Die Taten wurden gefilmt und die Filme an andere weitergeleitet. Eine dritte Vergewaltigung durch den Soldaten sei fest vereinbart gewesen, wie sich in dem Prozess herausstellte. Doch die Polizei entdeckte die Tatverdächtigen und nahm sie fest.

Es ist das zweite Urteil in dem Missbrauchsfall, der vor vier Monaten bekannt wurde. Weitere Prozesse folgen. Insgesamt gibt es acht Tatverdächtige, jeder ist einzeln angeklagt.

Der Junge war mehr als zwei Jahre lang in Internet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen worden. Seine Mutter (48) und ihr Lebensgefährte (39) sollen dafür verantwortlich sein. Der Prozess gegen sie beginnt am 11. Juni in Freiburg.

Im Prozess gegen den Soldaten hatte die Staatsanwältin zwölf Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung gefordert, der Verteidiger vier Jahre Haft ohne Sicherungsverwahrung. Die Anwältin der Nebenklage, die das Opfer vertritt, plädierte auf elf Jahre Gefängnis, Sicherungsverwahrung und 12 500 Euro Schmerzensgeld. Ermittler hatten berichtet, die Junge sei beschimpft und gedemütigt worden. Die Taten seien grausam und „kaum zu ertragen”.

Sicherungsverwahrung sei jedoch nicht möglich, da der Soldat nicht vorbestraft sei und es keine sehr hohe Rückfallgefahr gebe, sagte Richter Bürgelin. Der Mann, der nach Angaben eines psychiatrischen Gutachters pädophil ist, müsse aber in der Haft Angebote der Therapie nutzen. Eine vorzeitige Haftentlassung sei für ihn als Sexualstraftäter nahezu ausgeschlossen. „Er wird acht Jahre im Gefängnis bleiben.”

Verurteilt wurde der nicht vorbestrafte Deutsche wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Vergewaltigung, Zwangsprostitution und wegen des Besitzes von Kinderpornografie.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die am Prozess Beteiligten haben nach Angaben des Gerichts eine Woche Zeit, Revision einzulegen. Zur Frage, ob sie möglicherweise in Revision gehen, wollte sich am Mittwoch keiner der Beteiligten äußern.

Vor einem Monat hatte das Freiburger Landgericht einen 41-Jährigen deutschen Gelegenheitsarbeiter zu zehn Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Es war das erste Urteil in dem Fall.

Festgenommen wurde der Soldat im vergangenen Oktober in seiner Kaserne der deutsch-französischen Brigade in Illkirch-Graffenstaden bei Straßburg im Elsass. Er sitzt seither, wie alle Verdächtigen, in Untersuchungshaft. Nach Angaben des Heeres ist er vorläufig des Dienstes enthoben und darf keine Uniform mehr tragen. Sollte das Urteil des Freiburger Landgerichts rechtskräftig werden, droht dem Mann den Regeln der Bundeswehr zufolge die Entlassung.

(Von Jürgen Ruf, dpa)
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