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Zika-Virus: Ansteckung nur auf Reisen

Die Asiatische Tigermücke, die das Zika-Virus verbreiten soll, kommt auch in Hessen vor. Doch sie müsste erst in Deutschland eine infizierte Person stechen, damit sie das Virus auf eine andere übertragen könnte, betonen Experten. Dennoch rät ein Mückenfachmann zur Bekämpfung der Tiere.
Eine Mitarbeiterin des britischen Pharma-Unternehmens Oxitec, Karla Tepedino, zeigt einen Behälter mit genmanipulierten Mücken. Die Veränderung der DNA soll dazu beitragen, die Mückenpopulation zu verringern und die Übertragung von Viren einzudämmen. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Eine Mitarbeiterin des britischen Pharma-Unternehmens Oxitec, Karla Tepedino, zeigt einen Behälter mit genmanipulierten Mücken. Die Veränderung der DNA soll dazu beitragen, die Mückenpopulation zu verringern und die Übertragung von Viren einzudämmen.
Frankfurt. 

Der Zika-Virus verbreitet sich derzeit in Südamerika, besonders betroffen ist Brasilien. Mediziner vermuten, dass eine Infektion bei Schwangeren dazu führen kann, dass ihre Babys mit Schädelfehlbildungen auf die Welt kommen. Die Babys sind häufig geistig behindert, manche sterben vor der Geburt. Als Überträger des Zika-Virus gilt die Gelbfiebermücke. Aber Experten halten es auch für möglich, dass die Asiatische Tigermücke das Virus verbreitet. Und diese Mücke kommt auch in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet vor. Wie groß ist also die Gefahr, sich hierzulande mit Zika zu infizieren?

Gesundheitsexperten halten diese Gefahr für gering. Der Parasitologe Professor Sven Klimpel von der Goethe-Universität in Frankfurt sagte dieser Zeitung: „Das Virus ist vorhanden – es gab aktuell bereits Fälle in Europa und auch in Deutschland – und der potenzielle Überträger, die Tigermücke, ist auch da. Aber die Gefahr ist relativ gering. Wenn überhaupt, wird es nur lokal begrenzte Ausbrüche geben.“

Info: Virus beim Sex übertragen

In den USA ist erstmals eine Zika-Infektion durch ungeschützten Sex nachgewiesen worden. Der Patient habe sich beim Geschlechtsverkehr bei jemandem angesteckt, der aus Lateinamerika zurückgekehrt

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Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, Professor René Gottschalk, wies darauf hin, dass die Asiatische Tigermücke zwar auch bei uns vorkomme, „aber nicht in nennenswerten Populationen“. Er erwarte nicht mehr „als ein paar eingeschleppte Fälle“ in Deutschland.

Professor Christian Drosten von der Gesellschaft für Virologie hält die Übertragungs-Gefahr ebenfalls für „verschwindend gering“. Bislang fehle der fundierte Nachweis, dass die Mücke das Virus wirklich übertragen könne. Zwar sei es bekannt, dass die Tigermücke andere eingeschleppte Viren übertragen könne. Aber bisher sei es noch nie dazu gekommen, sagte der Experte von der Universität Bonn. In Deutschland kommt die Tigermücke im Süden des Landes vor.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärte, dass eine Tigermücke zuerst eine infizierte Person stechen müsste, die das Virus aus den betroffenen Ländern mitbringt. Erst danach könne das Virus theoretisch auf eine andere Person übertragen werden. Bislang sind in Deutschland etwa ein Dutzend Fälle bekannt, bei denen sich Menschen mit Zika infiziert hatten. Alle betroffenen Personen hatten sich auf einer Reise angesteckt. Die Übertragung beim Sex, die gestern erstmals nachgewiesen wurde, ist äußerst selten.

Die Düsseldorfer Uniklinik berichtete gestern von einem weiteren Zika-Fall. Ein Mann habe sich bei einem Aufenthalt in Venezuela angesteckt und sei mit typischen Symptomen in die Klinik gekommen. Er hatte Fieber, Ausschlag und eine Bindehautentzündung. Die Infektion sei nach einigen Tagen vollständig abgeklungen.

Südeuropa eher gefährdet

„In Südeuropa halte ich die Gefahr für größer, aber auch nicht für groß“, sagte Professor Drosten. In den gemäßigten Breiten gebe es kein Zika-Virus. Selbst wenn sich das Virus für kurze Zeit und begrenzt in Südeuropa verbreiten sollte, sei es unwahrscheinlich, dass es sich dort richtig ansiedele und im nächsten Jahr wieder auftauche. Dann hätte man auch schon andere Viren dort beobachten müssen, etwa das Dengue-Virus. „Da ist es nur zu kleinen, lokal begrenzten Übertragungen gekommen. Aber das ist dann nicht über den Winter weitergegangen“, sagte der Forscher.

Der Mückenfachmann Norbert Becker rät allerdings, die Asiatische Tigermücke in Deutschland stärker zu bekämpfen. Diese und die Gelbfiebermücke seien „die besten Virenüberträger weltweit“, sagte Becker, wissenschaftliche Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage in Speyer. Nach seinen Angaben wurde die Gelbfiebermücke in den Niederlanden entdeckt – vermutlich eingeschleppt. Auch die Asiatische Tigermücke kam wohl im Gepäck von Reisenden oder eingepackt in Warentransporten nach Deutschland.

(sew,stef,rtr,dpa)
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