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Zwei Millionen Streuner: Die K-Frage: Sollen die Kommunen eine Katzensteuer einführen

Wer einen Hund hält, muss dafür Steuern zahlen. Wer eine Katze hält, muss das nicht. Das kann man ungerecht finden oder völlig richtig, vor allem kann man heftig darüber streiten. Fest steht: Deutschland hat mancherorts ein Katzenproblem.
Dieser herrenlose Kater muss sich allein in Köln auf der Straße herumschlagen. Foto: Marius Becker (dpa) Dieser herrenlose Kater muss sich allein in Köln auf der Straße herumschlagen.
Berlin. 

„Typ Hund“ oder „Typ Katze“? Die Haustier-Vorliebe sagt angeblich viel über den Charakter eines Menschen aus – und kann zu handfestem Streit führen. Stinken nasse Hunde, sind Katzen bösartige Egoisten? Ist es nicht unfair, dass nur Hundebesitzer Steuern zahlen, wenn auch Katzen öffentliche Sandkästen als Klo nutzen? Eine Katzensteuer muss her! Oder?

Fast 13 Millionen Katzen halten die Deutschen, im Vergleich zu „nur“ 7,9 Millionen Hunden. Kein Wunder, dass das Thema Katzensteuer Wellen schlägt. Aber der Reihe nach.

Will die Politik jetzt die Katzensteuer einführen? Nein. Losgetreten hat die Debatte eine Äußerung des Bundessprechers der Grünen Jugend, Moritz Heuberger, der auf Anfrage der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ die Steuer nicht ablehnte, sondern sagte, man brauche dafür erst mal mehr Informationen. Die Partei stellte sofort klar: Berichte, man fordere eine Katzensteuer, seien „Quatsch“.

Zwei Millionen Streuner

Richtig ist aber: Deutschland hat mancherorts ein Katzenproblem. „In einzelnen Regionen Deutschlands haben sich Kolonien aus herrenlosen, wildlebenden Katzen entwickelt, weil Tiere ausgesetzt wurden oder entlaufen sind“, sagt eine Sprecherin von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU). „Die Katzen erfahren ohne menschliche Obhut und Versorgung häufig Schmerzen, Leiden oder Schäden in teilweise erheblichem Ausmaß.“

Aber nicht nur die Katzen selbst, auch ihre Beutetiere brauchen Schutz. „Der Speiseplan sieht immer ähnlich aus“, sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. Ein viertel Vögel, 70 Prozent kleinere Säugetiere wie Mäuse, Ratten oder junge Hasen und fünf Prozent Reptilien und Insekten. Wenn man von zwei Millionen herrenlosen Katzen in Deutschland ausgehe, dann fielen diesen pro Jahr 14 Millionen Vögel zum Opfer. Nicht nur kranke und schwache, sondern auch gesunde und vor allem junge Vögel.

Eine Katzensteuer fordern die Jäger aber nicht. Das sei vielleicht eine Möglichkeit, aber Sache der Politik. Sie sprechen sich für eine flächendeckende Pflicht für Katzenhalter aus, ihre freilaufenden Haustiere registrieren und kastrieren zu lassen. Vorbild sei Paderborn, wo man so eine Regelung früh eingeführt habe. „Angesichts von zweieinhalb Millionen besitzerlosen, unterernährten Katzen, die die Artenvielfalt gefährden, fordern wir, dass Katzenbesitzer mehr Verantwortung übernehmen“, sagte Verbandspräsident Hartwig Fischer der „Bild“-Zeitung vom Montag.

Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnete Fischer die Umsetzung des Paderborner Modells. Die Stadt Paderborn hatte 2008 die Kastrations- und Meldepflicht für alle Katzen verordnet. „Wenn das nicht hilft, ist die Politik gefordert, weitere Maßnahmen zu treffen, zu denen auch eine Katzensteuer gehören könnte“, sagte Fischer.

Von den etwa 13 Millionen Katzen in Deutschland leben nach Angaben des Deutschen Tierschutzbunds rund zwei Millionen Katzen auf der Straße, in Parks oder stillgelegten Industriegebäuden.

Angesichts der wachsenden Zahl von Katzen in den Tierheimen und auf der Straße fordert auch der Tierschutzbund schon seit längerem eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten, weil diese durch unkontrollierte Fortpflanzung erheblich zum Erhalt der Straßenkatzenpopulation beitrügen. Nötig sei ein „Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsgebot für Freigängerkatzen“.

Das sehen andere Tierschützer ganz genau so. Etwa die Tierärztin Sophie Arnold von der Akademie für Tierschutz. Die Einführung einer Katzensteuer könne dazu führen, dass Tiere ausgesetzt werden, sagt sie.

Außerdem seien Steuern für Tierhalter generell nur sinnvoll, wenn das Geld auch wieder für den Tierschutz ausgegeben würde – aber Steuereinnahmen sind nicht zweckgebunden, auch die Hundesteuer nicht.

Für Kastrationspflicht

Der Tierschutzbund begrüßt, dass inzwischen mehr als 430 Kommunen von ihrem Recht Gebrauch machen, das Kastrieren vorzuschreiben. Er spricht sich für eine deutschlandweite Regelung aus. „Das ist der Weg, den wir empfehlen, den auch die Tierärzte empfehlen“, sagte Heinz Kowalski vom Naturschutzbund Deutschland der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Eine der Hundesteuer vergleichbare Katzensteuer, über die seit dem Wochenende vor allem in sozialen Netzwerken diskutiert wird, sei dagegen politisch und gesellschaftlich „überhaupt nicht durchsetzbar“.

Katzen seien nun mal Raubtiere und jagten vor allem junge Vögel, sagte Nabu-Vogelexperte Kowalski. Vorbildlich sei auch für den Nabu das „Paderborner Modell“: In der Stadt in Nordrhein-Westfalen müssen Katzen, die draußen unterwegs sind, ab dem fünften Lebensmonat kastriert werden. Dem Tierschutzbund zufolge haben bereits mehr als 430 Gemeinden in Deutschland ähnliche Regeln eingeführt.

Will denn überhaupt irgendwer die Katzensteuer, für deren Einführung übrigens nicht der der Bund, sondern die Bundesländer und Kommunen zuständig wären? Der Rheinische Landwirtschafts-Verband etwa ist dafür: Die Steuer würde „langfristig bewirken, dass Bürger sich bewusster für eine Katze entscheiden und sie nicht einfach wieder aussetzen“.

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