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Zeitumstellung: Forscher warnen vor ewiger Sommerzeit

Noch stellen alle EU-Bürger die Zeit im März eine Stunde vor, und im Oktober eine Stunde zurück. Damit könnte schon bald Schluss sein. Die EU-Kommission drückt aufs Tempo.
Die Zeitumstellung abschaffen - das wollen auch viele Wissenschaftler. Sie halten das Hin und Her für Unsinn. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Die Zeitumstellung abschaffen - das wollen auch viele Wissenschaftler. Sie halten das Hin und Her für Unsinn.
Straßburg. 

EU-Bürger sollen nach dem Willen der EU-Kommission schon im kommenden Jahr das letzte Mal die Zeit umstellen müssen. „Die Zeitumstellung gehört abgeschafft”, sagte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Mittwoch in Straßburg.

Seine Behörde legte an diesem Mittwoch einen Gesetzesvorschlag vor, nach dem im März 2019 zum letzten Mal verpflichtend alle EU-Staaten an der Uhr drehen müssten. „Die Zeit drängt”, sagte Juncker in seiner Rede zur Lage der Union im Straßburger EU-Parlament.

Ob Sommer- oder Winterzeit entscheidet jedes Land selbst

Voraussetzung für diesen Zeitplan ist, dass das Europaparlament und die EU-Staaten dem Vorschlag der EU-Kommission bis spätestens März 2019 zustimmen. Die Länder könnten dann selbst entscheiden, ob sie dauerhaft in der Sommer- oder in der Winterzeit bleiben wollen.

Juncker rief am Mittwoch dazu auf, diese Entscheidung so zu treffen, dass für den europäischen Binnenmarkt keine Probleme entstehen. Die EU-Kommission werde deshalb Gespräche zwischen den einzelnen Ländern fördern. „Es ist wünschenswert, dass die Mitgliedstaaten in abgestimmter Weise die Entscheidungen über die Standardzeit treffen, die jeder von ihnen ab 2019 anwenden wird”, teilte die Behörde mit.

4,6 Millionen haben abgestimmt

Junckers Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Mitte August war eine EU-weite Online-Umfrage ausgelaufen, bei der sich 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung aussprachen. Die meisten sind für eine dauerhafte Sommerzeit. Insgesamt gingen 4,6 Millionen Antworten bei der EU-Kommission ein - ein Rekord, aber immer noch weniger als ein Prozent der EU-Bürger. Allein drei Millionen Teilnehmer kamen aus Deutschland.

Wenn künftig in Deutschland die ewige Sommerzeit gelten sollte, ginge beispielsweise am 1. Januar 2019 die Sonne in Frankfurt morgens erst um 9.24 Uhr auf, aber auch erst gegen 17.30 Uhr unter. Wenn eine dauerhafte Winterzeit eingeführt werden würde, hätte das umgekehrt Folgen für die langen Sommerabende: Am 1. Juli 2019 würde die Sonne in Frankfurt statt um 21.37 Uhr nun schon um 20.37 Uhr untergehen. Dafür würde sie bereits um 4.20 Uhr aufgehen.

Drei Zeitzonen in der EU

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Deutschland und 16 weiteren Staaten herrscht dieselbe Zeit. Acht Länder - unter ihnen Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland und Zypern - sind eine Stunde voraus. Drei Staaten sind eine Stunde zurück, nämlich Irland, Portugal und Großbritannien.

Nach den Plänen der EU-Kommission sollten Europaparlament und EU-Staaten dem Vorschlag nun zügig zustimmen. Jedes Land solle der Brüsseler Behörde bis April 2019 mitteilten, ob es dauerhaft in der Sommer- oder in der Winterzeit bleiben möchte. Jene Staaten, die die ewige Sommerzeit einführen, müssten die Zeit am 31. März 2019 das letzte Mal eine Stunde vorstellen.

Aus dem Europaparlament kam in den vergangenen Wochen bereits deutliche Unterstützung für den Vorstoß. Unter den EU-Staaten ist die Stimmung nicht ganz so deutlich. Einige Länder haben sich jedoch schon positioniert. Litauen, Estland und Lettland sprachen sich etwa ebenso für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus wie Finnland. Infolge der Online-Abstimmung drückte auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Wohlwollen für die Abschaffung der Zeitumstellung aus.

Sommerzeit seit 1980

In Deutschland gibt es die Sommerzeit seit 1980. Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück. Eigentlich soll das Tageslicht besser genutzt und dadurch Energie gespart werden. Der tatsächliche Nutzen ist umstritten. Viele Menschen klagen zudem über gesundheitliche Probleme.

(Von Michel Winde, dpa)

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