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Simone Lange: Attacke aus dem hohen Norden

Ende der Personaldebatte? Weit gefehlt. Mit dem Auftauchen von Simone Lange als Gegenkandidatin geht die Debatte um den Vorsitz der SPD weiter.
Simone Lange (SPD), Oberbürgermeisterin von Flensburg, will für den Parteivorsitz der SPD kandidieren. Dabei bekäme sie es vermutlich mit Andrea Nahles zu tun. Foto: Christian Charisius (dpa) Simone Lange (SPD), Oberbürgermeisterin von Flensburg, will für den Parteivorsitz der SPD kandidieren. Dabei bekäme sie es vermutlich mit Andrea Nahles zu tun.
Flensburg. 

Die Kampfansage kommt aus dem hohen Norden. Buchstäblich über Nacht ist Andrea Nahles, die gestern eilends und einvernehmlich vom Parteivorstand zur Kandidatin für den Parteivorsitz ernannt wurde, aus Flensburg eine Kontrahentin entgegengetreten. Simone Lange (41), Oberbürgermeisterin von Flensburg, tritt als Gegenkandidatin um den Chefposten in der SPD an.

Lange selbst hat sich für den Parteivorsitz ins Spiel gebracht, mit einem offenen Brief an den Vorstand. Damit ist es endgültig vorbei mit der Forderung nach dem Ende der Personaldebatte, wiederholt und geradezu beschwörend erhoben von den Vorstandsmitgliedern Malu Dreyer, Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel und Ralf Stegner. Noch zu Beginn der Woche hatte sich Malu Dreyer, Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz, für einen schnellen personellen Übergang an der Parteispitze ausgesprochen, um gerade jetzt, vor dem Start der Regionalkonferenzen am kommenden Samstag, wo der Vorstand um die Zustimmung der Mitglieder zum Koalitionsvertrag werben will, Ruhe in die aufgewühlte und zerrissene Partei zu bekommen.

Kein Neuanfang

Simone Lange sieht diese Notwendigkeit gar nicht. „Wir sind handlungsfähig, denn wenn Martin Schulz sein Amt nicht mehr ausübt, dann hat die Partei immer noch seine sechs gewählten Stellvertreter. Deshalb sollten wir uns Zeit lassen und später basisdemokratisch entscheiden, wer neuer SPD-Chef oder neue SPD-Chefin wird. SPD-Familienministerin Katarina Barley unterstützt den Vorschlag einer Urwahl des Parteichefs, worüber ich mich sehr freue“, sagte sie gestern der „Zeit“.

Simone Lange stellt sich selbst vor allem deshalb als Gegenkandidatin zu Andrea Nahles auf, weil sie das Verfahren der Ernennung einer Vorsitzenden falsch findet. „Eine Einzel-Kandidatur, die von Funktionsträgerinnen und -trägern beschlossen und ohne große Diskussion durchgewunken wird, kann kein Zeichen für einen Aufschwung oder einen Neuanfang sein“, schreibt sie in ihrem Brief. Sie fürchtet, ein solches Vorgehen werde nur das Ohnmachtsgefühl vieler bestätigen. Denn in der Partei gärt es. Nach den Kapriolen von Martin Schulz, zu denen auch die Personalie Nahles als kommissarische Parteivorsitzende gehört, regt sich zunehmend Widerstand auch gegen das Ausdealen von Topjobs hinter den Kulissen.

Simone Lange gibt diesem Widerstand ihre Stimme und ihr Gesicht. Sie will der SPD-Basis wieder Gehör und Mitsprache verschaffen. Sie fordert die Wahl des oder der Vorsitzenden in einer Urwahl, auch wenn das nicht vorgesehen und rechtlich nicht möglich ist.

Per Mitgliederentscheid

Die Flensburger Oberbürgermeisterin zeigt sich da eher unbekümmert: „Eine Mitgliederbefragung ist schon jetzt möglich. 1993 wurde auch Rudolf Scharping per Mitgliederentscheid zum Kanzlerkandidaten gekürt und später formal vom Bundesparteitag gewählt. Warum sollten wir diesen Weg nicht noch einmal gehen? Die Partei ist durch die Diskussion um die große Koalition in zwei Lager gespalten. Vielleicht kann eine Basiswahl der Vorsitzenden helfen, die SPD zu einen und den Mitgliedern das Gefühl zu geben, dass sie entscheiden dürfen“, sagte sie der „Zeit“. Und sie geht noch einen Schritt weiter. Simone Lange fordert die Trennung von Amt und Mandat für den Parteivorsitz.

Simone Lange war gestern die Frau des Tages in der medialen Beachtung. Dass sie bis dato selbst in Schleswig-Holstein nicht weithin bekannt war, mag daran liegen, dass sie nicht zu dem Parteipersonal gehört, das seit eh und je im Norden unterwegs ist. Politisch ist die in Thüringen geborene Mutter zweier Kinder und gelernte Kriminalbeamtin eine Durchstarterin. 2003 trat sie in die SPD ein – „nicht wegen, sondern trotz Gerhard Schröder“, wie sie oft zitiert wird. Bei der Landtagswahl 2012 schaffte sie direkt den Sprung in den Landtag, wurde polizeipolitische Sprecherin der SPD-Fraktion sowie Sprecherin für Gleichstellungspolitik. Sie setzte sich für die Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten ein.

Ein Durchmarsch gelang ihr 2016 bei der Oberbürgermeisterwahl in Flensburg. Mit der Unterstützung von CDU und Grünen setzte sie sich mit 51,4 Prozent im ersten Wahlgang gegen drei Gegenkandidaten durch. Im Januar 2017 wurde sie als Oberbürgermeisterin vereidigt. Simone Lange wird geschätzt wegen ihrer freundlichen Art und ihrer Bürgernähe.

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