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„Für mich gilt immer noch die Unschuldsvermutung“

Schwalbach. 

Herr E. ist nicht gut zu sprechen auf den Medienrummel. Er ist auch nicht richtig gut zu sprechen auf die Polizei und das LKA. E. kannte Manfred S. Er kannte ihn so gut, wie es nur wenige Menschen taten. Unsere Zeitung hat gestern Nachmittag mit E. telefoniert: Der Mann, der mit dem mutmaßlichen Serienmörder 40 Jahre befreundet war, redet frei heraus. E. zögert nicht, zaudert nicht, will seinen vollständigen Namen aber lieber nicht veröffentlicht sehen. Er sagt: „Ich bin ein fanatischer Demokrat. Ich glaube an den Rechtsstaat. Für mich gilt noch immer die Unschuldsvermutung.“

E. redet über gemeinsame Urlaube mit S., und er schildert die menschlichen Züge jenes Freundes, den die Polizei mit fast einem Dutzend Mordfällen in Verbindung bringt. „In Verbindung bringt“? Wenn Herr E. diese Formulierung im Radio hört, sträuben sich ihm die Haare. Er sagt: „Es gibt keine Beweise. Bisher fehlen Beweise, dass Manfred der Täter war.“

Herr S. und E. saßen einst vor S.’ Haus, Hofheimer Straße 5, im Garten und spielten unter dem großen Kirschbaum Boule. Sie reisten durch Frankreich, unternahmen dort Bootstouren auf hübschen Flüsschen und spielten jenes Spiel, das die Franzosen so lieben und das sie auch im Garten von S. spielten: Boule. E. unterbricht sich. Er wiederholt: „Solange die Polizei nicht sagen kann: ,Hier sind die Beweise’, solange gilt die Unschuldsvermutung.“ Kunstsinnig sei Manfred S. gewesen, erzählt der ehrenamtlich engagierte E., „ein hervorragender Maler, ein begnadeter Musiker“. Enge Freunde riefen ihn mit einem Spitznamen: „Brilou“. S. trug wohl mal eine Brille, und irgendwer dachte sich diese Bezeichnung aus. So ganz klar ist das nicht.

E., der von den Ermittlern vernommen wurde, sagt, er verstehe „die Bestrebungen der Polizei, auch alte Fälle aufzuklären“. Das sei ihre Aufgabe. Aber ihn, E., erfüllen „große Schmerzen“, wie S. in einigen Medien schon zum Serienmörder abgestempelt sei, ohne dass Beweise vorlägen. S., Sternzeichen Skorpion, hatte nach Angaben von E. ein kleines Unternehmen betrieben: Gartenarbeiten und Entrümpelung. Er hatte einen Partner, der ebenfalls an Speiseröhren-Krebs gestorben ist. Für den Minibetrieb war die Garage in der Nordstraße nützlich. Dort wurde nach S.’ Tod die zerstückelte Leiche einer Prostituierten gefunden. E. sagt: „Die Garage war immer offen.“ Konnte jeder problemlos rein? „Ja, die Polizei weiß das.“ E. erzählt weiter. S., sagt er, sei „ein sensibler, zuverlässiger und hilfsbereiter Mensch“ gewesen. Dass der Schwalbacher Hobbymusiker, der bei der „Overall Jazz Gang“ mitmachte, ein Serienkiller sein soll, will E. nicht in den Kopf. Er fügt hinzu: „Diskriminierung jeder Art war Manfred fremd. Wenn er noch leben würde, dann würde er heute bei der Flüchtlingsinitiative helfen.“ Er würde, so ist E. überzeugt, fahren, schleppen, machen, tun. E. bekräftigt: „Manfred war sozial eingestellt.“ ask

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