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Warnung vor weiterer Negativ-Tendenz: Jeder vierte Jugendliche in Hessen ist von Armut bedroht

Vielen Jugendlichen in Deutschland steht die Welt offen: Sie haben Abitur, ihre Eltern unterstützen sie, viele gehen ins Ausland. Doch andere Minderjährige sind abgehängt.
Symbolbild Foto: Britta Pedersen/Archiv Symbolbild
Berlin. 

Mehr als jeder vierte Minderjährige in Deutschland ist laut der Kinder- und Jugendhilfe sozial ausgegrenzt oder von Armut bedroht. „Startchancen in das Leben werden nach wie vor vererbt“, sagt die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, Karin Böllert. Insgesamt 3,7 Millionen Kinder und Jugendliche gehörten zu den Verlierern ihrer Generation – das sind 28 Prozent. Allein 19 Prozent aller jungen Menschen seien von Armut bedroht. Jeder Zehnte wachse in einem Elternhaus auf, in dem weder Vater noch Mutter erwerbstätig seien. 11 Prozent wüchsen in Familien auf, in denen weder Vater noch Mutter eine abgeschlossene Berufsausbildung hätten.

Wie sieht es konkret in Hessen aus? Hier gibt es regional große Unterschiede. Schaut man sich die hessischen Städte und Landkreise genauer an, dann fällt auf: Kinderarmut ist vor allem ein Problem in großen Städten. Einsamer Spitzenreiter mit 34,5 Prozent ist die Stadt Offenbach. Die weiteren Plätze belegen die Städte Wiesbaden (24 %), Kassel (23,9 %), Frankfurt (22,1 %) und Darmstadt (20,7 %). Die geringste Quote wurde im Hochtaunuskreis gemessen (8,2 %), gefolgt vom Landkreis Fulda, dem Vogelsbergkreis sowie den Kreisen Rheingau-Taunus und Main-Taunus (alle unter 9 %).

Kluft in Frankfurt

Annett Werner, Abteilungsleiterin Kindertagesstätten, vom Caritasverband Frankfurt, schildert, dass eine ähnliche Kluft zwischen den hessischen Regionen auch innerhalb einer Stadt wie Frankfurt existiert: „Die Schere zwischen den Stadtgebieten geht arg auseinander“, erzählt sie. Anders als in Stadtteilen wie Riedberg oder Nordend müsse die Stadt etwa im Gallus, in Nied, in Höchst oder in anderen westlichen Stadtteilen häufig die Gebühren für die Kita-Kosten übernehmen, obwohl die Eltern beide arbeiten. „Das Einkommen der Familien reicht also häufig nicht aus, um die Kita-Beiträge zu bezahlen“, sagt Werner.

Kinderarmut bedeutet hierzulande vor allem, Kind armer Eltern zu sein. Laut Bertelsmann-Stiftung lebten 2015 in Hessen 144 405 Kinder und Jugendliche in Familien, die Leistungen nach SGB II (Hartz IV) beziehen. In der letzten Erhebung aus dem Jahr 2011 waren es hessenweit noch 134 251 Menschen unter 18 Jahren – ein Zuwachs von 7,5 Prozent. Durchschnittlich leben 14,4 Prozent der hessischen Kinder und Jugendlichen vom Staat.

Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband stehe Hessen im Vergleich zu anderen Ländern relativ günstig da. Dies sei jedoch nur der vergleichsweise guten Situation im Rhein-Main-Gebiet und in Südhessen zu verdanken. Alarmierend sei, dass die Armut gerade in den Regionen besonders stark gestiegen ist, in denen sie ohnehin schon sehr hoch war: Mittel- und Nordhessen würden immer mehr abgehängt.

„Es ist ein Skandal, dass trotz guter Wirtschaftslage auch in Hessen die Kinderarmut weiter wächst“, sagt Barbara Helfrich, Sprecherin des Paritätischen. „Für betroffene Kinder ist es extrem schwierig, dem jemals zu entkommen. Armut ist oft erblich. Denn materielle Armut geht einher mit fehlenden Bildungs- und Teilhabechancen.“ Annett Werner vom Caritasverband ergänzt: „Wenn Kinder in Frankfurt nur einen Hauptschulabschluss haben, haben sie kaum eine Möglichkeit, hier einen Ausbildungsplatz zu bekommen.“

Alleinerziehende gefährdet

Für wen ist das Armutsrisiko am größten? Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband für Kinder in alleinerziehenden Familien – knapp die Hälfte aller Kinder, die von Hartz IV leben, betrifft dies (45,7 %). Entgegen vieler Vermutungen ist der Zuzug von Flüchtlingen nicht die Ursache für den starken Anstieg. Die Statistik berücksichtigt nämlich nur solche Kinder und Jugendliche, deren Familien Hartz IV beziehen. Zwar seien darunter auch Flüchtlingskinder, deren Eltern arbeitslos sind. Aber die vielen Asylbewerber, deren Verfahren noch nicht abgeschlossen seien, sind nicht erfasst. Sie erhalten Leistungen nach dem „Asylbewerberleistungsgesetz“ – und tauchen nicht in dieser Statistik auf. tak/ds/dpa

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