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"SOS-Kinderdörfer" klagt an: Kinder leiden unter Hunger und Gewalt

Von Unbegleitete Kinder und Jugendliche stehen in der Hackordnung der Flüchtlingstrecks und den Massenunterkünften für Flüchtlinge ganz unten, wissen Experten und fordern die Bundesregierung zum Handeln auf.
Vier Flüchtlingskinder drängen sich hinter einem Gitter einer Flüchtlingsunterkunft in Wetzlar. Foto: Boris Roessler (dpa) Vier Flüchtlingskinder drängen sich hinter einem Gitter einer Flüchtlingsunterkunft in Wetzlar.
Frankfurt/München. 

„Der politische Wille fehlt der Bundesregierung.“ Der das feststellt heißt Louay Yassin und ist Sprecher der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit. Mit dieser provokanten Aussage spricht Yassin eine prekäre Situation an, denn seit Jahresbeginn suchten immer mehr Kinder und Familien in Europa Zuflucht, wie er feststellt. „Allein in Deutschland stieg die Zahl der unbegleiteten Flüchtlingskinder auf 30 000 dramatisch an. Im Vorjahr waren es lediglich 8000. Die kindgerechte Unterbringung, Versorgung und Betreuung von Flüchtlingskindern müssen in der nationalen und europäischen Flüchtlingspolitik absolute Priorität erhalten“, fordert Yassin im Namen seiner Hilfsorganisation.

Um dieser Forderung den notwendigen Nachdruck zu verleihen, haben die SOS-Kinderdörfer jetzt eine Online-Petition auf den Weg gebracht, die unter dem Motto „Flüchtlingskinder brauchen besseren Schutz“ steht und sich an den Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, Peter Altmaier, direkt richtet.

Die SOS-Kinderdörfer appellieren darin an die Bundesregierung, Flüchtlingskindern endlich den benötigten und besonderen Schutz zu gewährleisten.

Seelische Schäden

Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer weltweit, erklärt: „Wir beobachten, dass Flüchtlinge in den Transitländern der Balkanroute bei jeder Witterung ungeschützt im Freien ausharren müssen, weil es keine Unterbringungsmöglichkeiten gibt. Schließen Grenzen, ist das gerade jetzt im Winter für Kinder lebensbedrohlich.“

In dieser Situation müsse besonderes Augenmerk auf das Wohl der Kinder gelegt werden. Zudem müsse in den Herkunftsländern die Hilfe trotz des Krieges über die pure Sicherung des Überlebens hinausgehen, um Kinder vor körperlichen und seelischen Schäden zu schützen. „Oftmals haben Kinder in ihrem Herkunftsland und auf der Flucht Erfahrungen gemacht, mit denen sie nicht allein gelassen werden dürfen. Dafür brauchen sie Hilfe. Kinder müssen in Unterkünften untergebracht sein, die auch für sie geeignet sind. Sie brauchen Schutz vor Übergriffen, Privatsphäre und eine kindgerechte Umgebung“, erklärt Professor Johannes Münder, Vorstand von SOS-Kinderdorf. „Hier müssen Bund, Länder und Gemeinden dringend nachbessern, kinder- und familiengerechte Unterkünfte sowie psychologische und medizinische Betreuungsangebote bereitstellen“, so Münder weiter.

Das ist auch für Yassin ein ganz besonderes Anliegen und von enormer Wichtigkeit. „Auf den Flüchtlingstrecks leiden vor allem Kinder und Jugendliche unter Hunger und Gewalt. Da diese sich in den meisten Fällen nicht wehren können, stehen sie in solchen Trecks in der Hackordnung ganz unten“, weiß Yassin. Für absolut gefährlich hält es der SOS-Kinderdorf-Sprecher, wenn unbegleitete Kinder und Jugendliche in Deutschland in Massenunterkünften landen.

Schnelle Integration

„Hier sind sie ganz besonderen Gefahren ausgesetzt, die bis zum sexuellen Missbrauch reichen“, sagt Yassin und verweist dabei auf den Berliner Flüchtlingsjungen Mohamed, der von einem 32-jährigen Mann entführt, sexuell misshandelt und ermordet wurde.

Für Yassin ist weiter wichtig, dass die jungen Flüchtlinge, die in der Regel im Alter zwischen 14 und 17 Jahren seien, schnellstmöglich in die Gesellschaft integriert würden. Das beginne mit dem Erlernen der deutschen Sprache, der eine schulische und berufliche Ausbildung folgen müsse. Die SOS-Kinderdörfer, die jedem Kind ein glückliches Zuhause bieten wollen, haben derzeit 100 unbegleitete Kinder und Jugendliche aufgenommen, die als Flüchtlinge nach Europa gekommen sind. Weitere Informationen zur Online-Petition finden Interessierte auf der Internet-Seite www.sos-petition.de.

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