E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 16°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Beispiel Jordanien: Wie die Bundesregierung Flüchtlinge im Ausland unterstützt

Von Politiker sagen, man müsse die „Fluchtursachen“ bekämpfen, damit Flüchtlinge sich nicht mehr in Richtung Europa auf den Weg machten. Was tut die Bundesregierung konkret? Ein Beispiel.
In einer Berufsschule im jordanischden Irbid werden syrische Fluechtlinge als Klempnerinnen ausgebildet. Bilder > Foto: Thomas Imo/photothek.net In einer Berufsschule im jordanischden Irbid werden syrische Fluechtlinge als Klempnerinnen ausgebildet.
Frankfurt. 

Derzeit erreichten viel weniger Flüchtlinge Deutschland als noch vor einem Jahr. Die Krisenherde im Nahen Osten und in Nordafrika sind allerdings dieselben geblieben. Allein in Libyen sollen Hunderttausende Flüchtlinge auf eine Gelegenheit warten, die Überfahrt über das Mittelmeer zu wagen. „Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen“, heißt es dazu oft von Politikern in Berlin. Was aber tut die Bundesregierung konkret?

Uwe Kekeritz
Harsche Kritik an Entwicklungshilfepolitik

Auch für die Opposition im Bundestag ist Entwicklungshilfe wichtig. Aber Linke und Grüne haben grundsätzlich etwas am Kurs der Bundesregierung auszusetzen.

clearing

Schauen wir nach Jordanien. Der Bürgerkrieg im Nachbarland Syriens hat dort massive Auswirkungen. Pro Kopf hat Jordanien wesentlich mehr Flüchtlinge aufgenommen als Deutschland. Etwa 650 000 Syrer sind seit Ausbruch der Kämpfe über die Grenzen geflohen – bei einer Gesamtbevölkerung von nur etwa neun Millionen Menschen. „Ich finde, die jordanische Regierung geht gut mit der Situation um“, sagt Michaela Baur, Landesdirektorin der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Sie fügt hinzu: „Das Land ist ein Beispiel für eine menschliche Flüchtlingspolitik. Trotzdem gibt es riesige Herausforderungen.“

Frauen profitieren von der Klempner-Ausbildung

Jordanien besteht zu 80 Prozent aus Wüste. Der Wassermangel im Land ist ein riesiges Problem, und die vielen syrischen Flüchtlinge brauchen ebenfalls Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen.

clearing

Die GIZ ist die bundeseigene Entwicklungshilfegesellschaft (siehe Info-Kasten). Sie ist in Jordanien mit fast 190 Mitarbeitern aktiv. Schwerpunkt der Arbeit sind die Wasserversorgung, Beschäftigung und Bildung. „Wir setzen derzeit Projekte in Höhe von rund 140 Millionen Euro um“, sagt Direktorin Baur. Die GIZ engagiert sich zum Beispiel bei der Verbesserung des Schulalltags. Denn der Bedarf ist groß. Gerade werden 50 000 zusätzliche syrische Kinder eingeschult, sagt Baur.

Die GIZ finanzierte in zehn Grundschulen den Bau von Sanitäranlagen. „Diese waren in einem jammervollen Zustand“, sagt Baur. Es habe teilweise keine getrennten Toiletten für Jungen und Mädchen gegeben, weil Schulen nur für Jungen vorgesehen waren, nachmittags aber nun Mädchen unterrichtet werden. „Das führte dazu, dass Eltern zu ihren Töchtern sagten: ,Wenn du da keinen geschützten Raum hast, kannst du nicht zur Schule gehen.’“ Künftig wird das an diesen Schulen kein Problem mehr sein. Geld wurde auch in die bessere Nutzbarkeit des Schulhofes investiert, damit das Lernumfeld attraktiver wurde. Das Projekt soll nun ausgeweitet werden.

Info: Hilfsprojekte in über 130 Ländern

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist die Entwicklungshilfeorganisation der Bundesrepublik. Geschäftssitz ist Eschborn.

clearing

Beim Thema Beschäftigung hat die GIZ ein Programm gestartet, das „Geld für Arbeit“ („Cash for Work“) heißt. Flüchtlinge können ihr Einkommen verbessern und gleichzeitig wird etwas Sinnvolles getan. Sie trennen Müll und sammeln Stoffe für die Wiederverwertung. Aber auch sozial schwache Jordanier profitieren, damit kein Neid aufkommt. Bis zum Ende des Jahres sollen 6000 Jobs vermittelt sein. Michaela Baur sagt: „Wir haben ja in Deutschland Debatten, was Flüchtlinge angeblich alles bekommen, und so ist es auch in Jordanien. Wir achten in unserer Arbeit darauf, dass die ärmeren Bevölkerungsschichten teilhaben können.“ Von den Jordaniern werde das Programm gut angenommen, sie machten etwa die Hälfte der Arbeiter aus.

Müll als Problem

Der Abfall sei ein großes Problem in Jordanien, sagt Baur – und nennt damit eine weitere Herausforderung. Viele Deponien seien ökologisch problematisch, eine Wiederverwertung von Stoffen finde nicht statt. „Das wollen wir mit unserem ,Cash-for-Work’-Programm initiieren“, sagt sie. „Wir wollen den Einstieg in eine nachhaltige Abfallwirtschaft schaffen mit kleinen Recycling-Stationen auf kommunaler Ebene, die langfristig Arbeitsplätze schaffen.“

Ein „Geld für Arbeit“-Programm gibt es auch in der Türkei, das die meisten Syrien-Flüchtlinge beherbergt, und im Nordirak. Neben der Abfallentsorgung sollen Arbeiter Abwasserkanäle anlegen oder Bäume anpflanzen. Insgesamt sollen laut GIZ 30 000 solcher Jobs geschaffen werden. Das Ziel: Flüchtlinge unterstützen, aber auch die Gemeinden, die sie aufgenommen haben.

Zur Startseite Mehr aus Politik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen