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„Jeder Tornado kann lebensgefährlich sein”

Viersen. 

Am Niederrhein wütet am Mittwochabend ein Tornado, der viele Dächer abdeckt und zahlreiche Bäume umreißt. Nach wenigen Minuten ist alles vorbei. Aber woher kommt das seltene Wetterphänomen, das man sonst vor allem aus den USA kennt? Der Wirbelsturm bei Viersen lässt viele Menschen ratlos zurück. Fragen und Antworten zum Thema:

Wie entsteht ein Tornado?

Tiefstehende Schauer- und Gewitterwolken sind Grundvoraussetzung, sagt Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Wenn der Wind vom Boden bis zur Wolke zudem Richtung und Geschwindigkeit ändert, beginnen die Luftmassen, sich zu drehen. Damit sich der sogenannte Wolkenrüssel bildet, muss die aufsteigende Luft sehr feucht sein. „Die aus dem Wolkenrüssel freigesetzte Energie führt dazu, dass die Luft sich immer schneller dreht”, sagt Friedrich. „Diese ganzen Zutaten waren gestern in Viersen vorhanden.”

Ist die Wahrscheinlichkeit dafür in NRW besonders hoch?

Hierzulande gibt es anders als in den USA kein typisches Tornado-Gebiet: Wirbelstürme könnten in Deutschland überall auftreten, sagt Friedrich. Dass am Dienstag ein Tornado ausgerechnet über Viersen fegte, war nach Angaben des Experten Zufall.

Werden Tornados in Deutschland häufiger?

Wirbelstürme sind in Deutschland ein eher seltenes Ereignis. In den vergangenen 20 bis 30 Jahren seien jährlich etwa 20 bis 60 Tornados mithilfe von Augenzeugenberichten erfasst worden, sagt Meteorologe Friedrich. „Die Dunkelziffer ist allerdings sehr viel höher.” Es werden aber immer öfter Tornados bekannt, weil die Stürme heute etwa einfach mit Smartphones gefilmt werden könnten. Wegen der Erwärmung der Atmosphäre würden die Tornados eher stärker, aber nicht häufiger.

Könnte ein Tornado auch über Großstädte wie Köln oder Berlin fegen?

„Ein Tornado kann sich auch über Städten bilden - entscheidend ist weniger, was am Boden passiert, sondern in den Luftschichten”, sagt Friedrich. „Wir haben in Deutschland bisher einfach Glück gehabt.”

Ab wann gilt ein Tornado als gefährlich?

Wirbelstürme werden mithilfe der Fujita-Skala klassifiziert. Die bisher beobachteten Stufen reichen von F0 - maximal 116 km/h - bis F5 mit mehr als 500 Kilometer pro Stunde. Auch die niedrigste Stufe liege bereits weit über normalen Unwetterwarnungen, sagt Friedrich. „Jeder Tornado kann lebensgefährlich sein.” Dem Sturm in Viersen, der zahlreiche Dächer abgedeckt hatte, sei zunächst die zweite Stufe F1 (117 bis 180 km/h) zugeschrieben worden. Der Durchmesser des Wolkenrüssels lag laut Friedrich zwischen 100 und 200 Metern.

Kann ein Tornado vorausgesehen werden?

Weil sie kleinräumig auftreten und nur kurz dauern, sind Tornados sehr schwer vorherzusagen. Erst, wenn der Tornado bereits wütet und entdeckt wurde, können Städte oder Landkreise gewarnt werden.

(Von Antonia Hofmann, dpa)
Artikel vom 17.05.2018, 17:22 Uhr (letzte Änderung 17.05.2018, 17:24 Uhr)

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