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Tv-Kritik: Borchert und die letzte Hoffnung: Der Volltreffer am Donnerstag

Von Der neue Fall um den gestrauchelten Rechtsanwalt auch durch seine Hauptdarstellerin kombiniert überraschend stimmig Drama- und Thriller-Elemente.
Der Zürich-Krimi: Viola Schneider (Lucie Heinze) drängt ihre Mutter Louise (Jenny Schily) zur Klage gegen die Ärzte. Foto: ARD Degeto/Graf Film/Roland Suso Richter Der Zürich-Krimi: Viola Schneider (Lucie Heinze) drängt ihre Mutter Louise (Jenny Schily) zur Klage gegen die Ärzte.

Thomas Borchert (Christian Kohlund) gehört zu jenen Krimi-Helden, die richtig aus dem Rahmen fallen: Kein Fahnder oder Detektiv, sondern ein Anwalt. Aber dieser Anwalt verhält sich oft wie ein Detektiv, agiert wie wie einst Matula oder aktuell Leo Oswald aus der ZDF-Reihe "Ein Fall für zwei". Investigative Fähigkeiten sind diesmal auch dringend gefragt, als er zusammen mit seiner Chefin Dominique Kuster (Ina Paule Klink) einen besonders kniffligen Fall übernimmt.

Es geht um den an MS verstorbenen Anton Schneider, dessen Tochter Viola (Lucie Heinze) den behandelnden Neurologen Dr. Hoffer (Nicki von Tempelhoff) wegen fehlerhafter Behandlung vor Gericht bringen will. Borchert fotografiert dunkle Flecken, die nicht zu Schneiders Krankheitsbild passen, an der Leiche. Eine spätere Obduktion deckt zudem auf, dass Schneider nicht an MS gestorben ist, sondern an einer tödlichen Dosis. Und dass er offenbar längere Zeit giftigen Stoffen ausgesetzt war.

Nach Sterbehilfe in die Kirche

Schneiders Geschichte beginnt mit seinem Selbstmord, zu dem er sich von seiner Frau Louise (Jenny Schily) den Giftbecher reichen lässt: Beihilfe zum Selbstmord ist nicht strafbar. Allerdings gerät Louise Schneider schnell in Verdacht, ihren Mann bewusst vergiftet zu haben. Der neueste Zürich-Krimi greift also das Thema Sterbehilfe auf und das im vollen Umfang: Selbst ein Besuch in der Kirche und ein Gespräch Louise Schneiders mit einem Priester fehlen nicht.

Sterbehilfe als Thema in einem Kriminalfilm? Im Schweizer Tatort-Beitrag "Freitod" hat das erstaunlich gut geklappt. Der neue Borchert-Krimi verbindet das Thema nun mit einem Pharma-Krimi und lässt die Anwältin Kuster gegen ihren eigenen Vater antreten. Und diese Verbindungen überzeugen, da das Drehbuch die Geschichte um die Pharmafirma nicht nur gut eingefädelt hat, sondern sich diese Handlungsstränge auch sehr stimmig verbinden, statt sich gegenseitig im Weg zu stehen.

Ein Regisseur, der sein Handwerk versteht

Sehr erfreulich auch bei dem normalerweise schleppend erzählten Donnerstagskrimi: Sobald die Pharma-Geschichte einsetzt, verdichtet sich die Krimihandlung merklich. Der Krimi bekommt eine verschwörerische Atmosphäre und ein Attentat auf Borchert gibt als Actionszene ohne viel Aufwand, aber mit viel Wirkung dem Geschehen noch ordentlich Pfeffer. Überhaupt hat Roland Suso Richter, der mit "Borchert und die letzte Hoffnung" seinen ersten Zürich-Krimi inszenierte, diese Geschichte mit viel Tempo in Szene gesetzt.

Hier können Sie den Zürich-Krimi in der ARD-Mediathek ansehen.

Auch die Besetzung zeigt sich gut gewählt: Besonders Jenny Schily, als Louise Schneider die eigentliche Hauptdarstellerin des Krimis und tragisch verstrickte Frau ohnehin immer eine gute Wahl, bringt durch ihr feines Spiel jene Spannung, die sich durch das Hin- und Hergerissen-Sein ihrer Figur ergibt, perfekt zum Ausdruck. Die Kombination aus Sterbehilfe-Drama und Pharma-Thriller macht sich deswegen bestens: So gut und stimmig war schon lange kein Donnerstagskrimi mehr.

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