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TV-Kritik: "Clüver und der leise Tod": Abschied von Atzorn

Robert Atzorn und sein Kommissar Clüver gehen in Rente. Clüvers letzter Fall reißt nicht vom Hocker, enthält aber eine Geschichte, die den Krimi noch sehenswert macht.
Zum Schluss gibt es eine Abschiedsparty für Theo Clüver und seinen Darsteller Robert Atzorn. Foto: Gordon Timpen Zum Schluss gibt es eine Abschiedsparty für Theo Clüver und seinen Darsteller Robert Atzorn.

Nein, ein würdiger Abschied von Robert Atzorn und Kommissar Clüver war das nicht. Gerade weil man weiß, dass Atzorn sich unwiderruflich ins Privatleben zurückziehen will, hätte man sich den Abschied doch ein wenig aufregender vorgestellt. Nämlich auf gar keinen Fall mit Enkeln und Töchtern bei einer Party ganz am Schluss, wo Clüver sogar noch am Schlagzeug sitzt. Das wirkt so läppisch und einfallslos.

Passen dazu kommt etwa in der 70. Minute eine Abschiedsrede Clüvers, in der er darüber nachsinniert, was er in seinem Beruf erlebt hat und warum jetzt eine neue Phase in seinem Leben anbrechen soll. "Ich habe Hippies beim Kiffen verhaftet, Ulrike Meinhof beim Randalieren, den Schickimickies das Kokain beschlagnahmt…". Die Rede steht in ihrer Beliebigkeit für den ganzen Krimi, der damit beginnt, dass die junge Maklerin Susanna Wagner (Mina Tander) einem wohlhabenden Ehepaar eine auf Sylt zum Verkauf stehende Luxusvilla zeigt.

Ein Handlungsstrang, der interessiert

Währenddessen spielen die Kinder des Paares im Garten und der Sohn entdeckt dabei eine Leiche. Der Tote ist der Verkäufer der Villa. Und für Susanna Wagner ist die Situation katastrophal: Sie wollte sich mit der Maklerprovision einen Neustart ermöglichen. Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk) interessiert sich besonders für Susanna Wagner, glücklicherweise. Denn die sich langsam daraus entwickelnde Romanze zwischen ihm und Susanna verleiht der Geschichte nicht nur einen roten Faden, sondern auch eine gewisse Wirkung, weswegen sich das Ansehen lohnt.

Beziehungen zwischen Polizisten und Verdächtigen sind nichts Neues. Das Drehbuch hat diesen Handlungsstrang aber in einigen Szenen mit bemerkenswertem Feingefühl gestaltet. Mina Tander und Oliver Wnuk laufen dabei sogar zu großer Form auf: Die latente Depressivität Susannas - für die es die Burnout-Selbsthilfegruppe gar nicht gebraucht hätte - der daraus erwachende Beschützerinstinkt Feldmanns und dazu einige zärtliche Gesten geben der Geschichte zumindest phasenweise eine gewisse Tiefe.

Humor durch nackte Männer

Was man vom Rest des Films leider nicht behaupten kann. Der Fall bringt eine pädophile Vergangenheit des Toten ans Licht, die mit dem Rest der Geschichte nur schwer zusammenpasst. Einen Schuss Humor bekommt der Fall zwar noch, wenn die Fahnder  am FKK-Strand zwei Nudisten über ein von dem Toten unterstütztes Schulprojekt befragen. Aber allein schon daran, dass sich am Ende herausstellt, dass der Tote trotz seiner Gesundheit einem normalen Herztod zum Opfer gefallen ist, merkt man, dass die Geschichte ziemlich lustlos zusammenkonstruiert wurde.

Immerhin lässt sich Atzorn beim Ermitteln keine Langeweile anmerken und spielt noch einmal sein Charisma und seine schauspielerische Erfahrung aus: Mit knarrender Stimme und einer einnehmenden Mischung aus Autorität und Sensibilität sorgt er dafür, dass es sein Nachfolger Peter Heinrich Brix als Hauptkommissar Carl Sievers nicht allzu leicht haben wird. Wär aber schön, wenn Brix als Sievers gleich mit einer besseren Geschichte anfangen könnte.

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