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TV-Kritik: "Der Richter": Der Krimi hätte toll sein können

Von Heino Ferch als Richter, der nach der Entführung seiner Tochter unter Druck gerät: Woran diese vielversprechende Geschichte scheiterte.
Luise Glahn (Elisa Schlott, l.) will nicht die Hilfe ihres Vaters Richter Glahn (Heino Ferch,r.) annehmen. Foto: Christoph Holsten Luise Glahn (Elisa Schlott, l.) will nicht die Hilfe ihres Vaters Richter Glahn (Heino Ferch,r.) annehmen.

Schon ein richtig harter Hund, dieser Dr. Joachim Glahn: Um einen Mordfall nachzustellen, zieht er sich schon mal einen orthopädischen Spezialstiefel an und schleift seinen Richterkollegen Gernot Wollenkamp (Sebastian Urzendowski) zu einem Pumpensumpf, an dem ein Mord geschehen sein soll. Für den Mord soll Holger Wieland (Wolfram Koch) verantwortlich sein, der deswegen vor Gericht steht. Sein Verteidiger Werner Kanz (Francis Fulton-Smith) hat seine liebe Not mit Wieland.

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Glahn fragt sich, warum der eitle und erfolgreiche Kanz eine vergleichsweise kleine Nummer wie Wieland verteidigt. Dabei brodelt es bei ihm zuhause auch selbst gewaltig. Er betrügt seine Frau mit der Gerichtsmedizinerin Michaela Biel (Victoria Sordo), seine Mutter Gisela (Marie Anne Flegel) ist ein alkoholabhängiges Wrack und seine Tochter Luise (Elisa Schlott), eine Jurastudentin, schnuppert nicht nur gelegentlich gerne mal am Koks.

Zu dünne Geschichte

Dann wird die Tochter entführt, um Glahn zu erpressen: Wieland hat dabei seine Finger im Spiel. Bis es dazu kommt und die Geschichte endlich in Schwung kommt, vergeht aber ziemlich viel Zeit. Für einen richtigen Thriller fehlt es dem Film an Dichte und Tempo, obwohl es bald einen weiteren Toten gibt. Auffallend oft hat Regisseur Markus Imboden speziell im Mittelteil Aufnahmen eingeschoben, die vor allem Stimmungen vermitteln: Das sind klare Anzeichen für eine zu dünne Handlung.

Was der Zuschauer aber auch schon daran merkt, dass die Geschichte Glahn und seinen privaten Lebensumständen viel Zeit eingeräumt hat. Es wird schnell zu viel, was da mit Ehebruch und der dauerbetrunkenen Mutter passiert. Das Drehbuch verbindet diese Handlungselemente außerdem auch nur unzureichend, sondern lässt die Fäden der Geschichte im Wesentlichen nebeneinander herlaufen.

Hauptproblem: das unausgereifte Drehbuch

"Der Richter" versäumt weitgehend seine Möglichkeiten, aus den prinzipiell durchaus vielversprechenden gegenläufigen Abhängigkeiten seiner Figuren vor allem zwischen Wieland und Dirk Lüders (André Jung) ein spannendes Psychospiel zu entwickeln.  Gemessen an dem temporeichen Auftakt verläuft das Anschließende bald ziemlich zäh. Dazu kommen einige ungereimte Momente, die das Drehbuch leicht hätte vermeiden können.

Aus dem Plot wäre deutlich mehr herauszuholen gewesen. Wobei der ZDF-Montagsfilm immerhin mit einer eindrucksvollen Besetzung glänzt: Neben Heino Ferch, der mit seiner Präsenz und einigen sarkastischen Dialogen einige müde Stellen in der Handlung ausbügeln kann. bleibt „Tatort“-Star Wolfram Koch in seiner Rolle aber zu blass.

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