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TV-Kritik: "Freies Land": "Tatort"-Volltreffer aus München

Von Die Geschichte um Reichsbürger-Rednecks im ländlichen Bayern mischt Spannung und Atmosphäre mit bemerkenswert ironischem Humor.
Die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslaw Nemec) stehen vor dem verschlossenen Eingang zum „Freiland“-Gelände. Foto: (BR/Bildarchiv) Die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslaw Nemec) stehen vor dem verschlossenen Eingang zum „Freiland“-Gelände.

Ja, ein wenig ähneln sich schon die Bilder und Motive, wenn man diesen "Tatort" mit "Sonnenwende" vor drei Wochen vergleicht: Die ländliche Szenerie, das Abgründige in der scheinbar noch intakten Welt abseits der üblichen Krimi-Szenerie einer Großstadt zeichnet beide Filme aus: In "Sonnenwende" tummeln sich die Neonazis, hier die Reichsbürger bzw. Freiländer. Dennoch ist "Freies Land" alles andere als ein fader Aufguss, im Gegenteil.

Es ist ein toter Mann, der die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslaw Nemec) in ein verschlafenes Nest an der tschechischen Grenze führt: Florian Berg wurde von seiner Mutter Johanna (Doris Buchrucker) mit aufgeschnittenen Pulsadern in der Badewanne gefunden. Sieht nach einem Selbstmord aus, nur dass das Messer fehlt. Aber welcher Mörder, der die Polizei in die Irre führen wollte, würde dieses Detail übersehen?

In diesem Ort sind Polizisten bestenfalls geduldet

Florian Berg war Mitglied bei den mittlerweile wohlbekannten Freiländern/Reichsbürgern: einer Gruppe, welche die Bundesrepublik Deutschland bekanntermaßen als GmbH betrachtet. Und staatlicher Gewalt deswegen höchst feindselig gegenüberstehen. Was Leitmayr und Nemec auch überdeutlich zu spüren bekommen, als sie in dem Ort eintreffen. So wirklich will sich mit den Freiländern keiner anlegen.

Schon gar nicht der gemütliche Dorfpolizist Mooser (Sigi Zimmerschied), der sich von seinen Münchner Kollegen nur ungern beim Schweinsbraten stören lässt. Was damit zu tun hat, dass die Polizei sich gegenüber Freiländern defensiv verhalten soll. Und damit, dass einst viele Leute aus dem Ort wegzogen, als ein großer Arbeitgeber dichtmachte. Und eine Gegenbewegung einsetzte, als die Freiländer angeführt von Ludwig Schneider (Andreas Döhler) ihr Quartier dort aufschlugen.

Leone lässt grüßen

Das Spiel mit verschiedenen Grautönen, mit dem Drehbuchautor Holger Joos schon "Das verkaufte Lächeln" – ebenfalls mit Leitmayr und Batic - zu einem Treffer machte, funktioniert auch hier bemerkenswert gut. Dazu kommt ein lakonischer Humor, der mit dem Ernst der Thematik höchst trefflich kontrastiert. Nicht nur durch die Dialoge: Regisseur Andreas Kleinert und Johann Feindt hinter der Kamera haben aus der ländlichen Gegend mit einsamem Dorf ungemein reizvolle Bilder und Geräusche herausgekitzelt.

Die Szenerie zusammen mit der Filmmusik Daniel Kaisers – die Sergio Leone ebenso gekonnt zitiert wie Titel der US-Band Cinderella ("Bad Seamstress Blues") gibt der Szenerie etwas von einem Italo-Western. Als Beigabe passt "Whole lotta love" von Led Zeppelin hervorragend. Kleinert zitiert das Genre besonders witzig und liebevoll in dem Moment, als sich Leitmayr Auge in Auge mit einer Kuh gegenüber sieht.

Gegen Ende klingen zudem Motive des letzten Abendmals an. Aber das kommt so unangestrengt, wie auch der Rest des Films freibleibt von jeder Belehrungsabsicht: In vielen Momenten setzt "Freies Land" wie auch Leitmayr auf Deeskalation, auf ruhige Überzeugung statt auf erhobenen Zeigefinger. Für einen "Tatort" mit so schwieriger Thematik ist das nicht der schlechteste, wenn nicht sogar der mit Abstand beste Ansatz.

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