E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 28°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

TV-Kritik: "River": Was diese Serie von "Fürchte dich" unterscheidet

Von Der letzte Frankfurter "Tatort" war ein handfester Gruselkrimi. Die BBC-Serie um den verschrobenen Ermittler John River zeigt einen anderen Umgang mit dem Übernatürlichen.
John River (Stellan Skarsgård) gerät unter Druck, als er mit allen Mittel den Tod seiner Kollegin aufklären will. Bild: BBC/Kudos/Nick Briggs Foto: (ARTE France) John River (Stellan Skarsgård) gerät unter Druck, als er mit allen Mittel den Tod seiner Kollegin aufklären will. Bild: BBC/Kudos/Nick Briggs

Wer hätte gedacht, dass die Mercedes S-Klasse der frühen 90er noch mal im Fernsehen als Serienauto Verwendung findet? Zu dem Londoner Fahnder John River (Stellan Skarsgård) jedenfalls passt die 140-Limousine aus Stuttgart jedenfalls perfekt: Mann wie Auto neigen etwas zur Fülle, zeigen aber dadurch auch Präsenz, ohne dabei aufzufallen. Und vermitteln gerade durch ihre Schwerfälligkeit ein solides und vertrauenserweckendes Gefühl.

Sendung verpasst? Hier geht es zur Mediathek!

Schön gegensätzlich dazu: Rivers Kollegin Jackie "Stevie" Stevenson: eine muntere Frau, die gerne viel redet, lacht und begeistert mitsingt, als der Disco-Klassiker "I love to love" von Tina Charles im Radio läuft. Die Lebenslustige und der Eigenbrötler, ein Ermittlerpaar, das man schnell ins Herz schließt. Nur dass Stevie längst tot ist: Sie wurde ermordet und River hat ihren Tod nicht verkraftet. Nun führt er ständig noch Gespräche mit ihr.

Schwedischer Top-Schauspieler in der Titelrolle

Aber River ist dergleichen gewohnt, führt er doch ständig Gespräche mit Toten aus seinen Fällen. Was den Auftakt ohne Vorinformation ein wenig verwirrend gestalten könnte. Sich aber allein schon wegen Stellan Skarsgård lohnt: Der aus Hollywood-Hits wie "Jagd auf Roter Oktober" und "Good Will Hunting" bekannte schwedische Schauspieler meistert seine Rolle mit Bravour. Dabei verlangt John River einen schauspielerischen Balanceakt.

Denn wohl noch nie zuvor verfügte eine Krimi-Serie über einen Helden, der sich so bieder und im gleichen Zug so abgründig zeigt wie John River. Ob er die Toten herbeifantasiert – ein solcher Umgang mit dem Verlust von Nahestehenden dürfte so ungewöhnlich nicht sein – oder ob ihre Geister real sind, macht der Auftakt im Handlungsverlauf schrittweise deutlich .

Wenn Geister zum Alltag gehören

Eine Antwort auf die Frage deutet sich aber an, als ihn der Geist eines Mädchens aus einem aktuellen Fall daran erinnert, Stevies Katze zu füttern. Aus dieser Grundidee könnte man handfeste Gruselkrimis drehen. Der Frankfurter "Tatort"-Beitrag "Fürchte dich" zeigte trotz aller dramaturgischen Mängel überzeugend, dass sowas durchaus funktionieren kann. Aber "River"  zeigt anders als "Fürchte dich" zeigt nicht den Einbruch des Paranormalen in den Alltag, sondern Diesseits und Jenseits aus der Perspektive von John River in friedlicher Koexistenz.

Aber manchmal auch in einer Art von brüchigem Waffenstillstand. Denn Geister sind in ihrer Art nicht anders, als sie zu Lebzeiten waren. Dass dabei die tote Kollegin gegenüber dem von Stellan Skarsgård bewusst unterspielt angelegten John River einen besonders lebendigen Eindruck hinterlässt, zeigt einen ganz speziellen Humor in dieser BBC-Serie.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse