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TV-Kritik: "Tabula Rasa": Perfekte Thriller-Unterhaltung!

Von Was hat Mie mit dem Verschwinden eines Mannes zu tun? Die Miniserie aus Belgien über eine Frau mit Amnesie schafft eine intensive Spannung, der man sich kaum entziehen kann.
Um neue Informationen besser speichern zu können, hält Annemie "Mie" D‘Haeze (Verle Beatens) alles in einem Notizbuch fest. Foto: ZDF/Sofie Silbermann Um neue Informationen besser speichern zu können, hält Annemie "Mie" D‘Haeze (Verle Beatens) alles in einem Notizbuch fest.

Als Filmland ist Belgien bisher kaum in Erscheinung getreten. Von dort erwartet man Comic-Legenden wie "Tim und Struppi", "Lucky Luke" oder "Rick Master" – nicht umsonst gilt Brüssel als die europäische Comic-Metropole. "Tabula Rasa" erinnert in der optischen Umsetzung allerdings eher an surrealistisch gefärbte Bildergeschichten wie „"horgal": Schon im Vorspann, der wie ein Zeichentrickfilm gestaltet ist, deutet sich an, dass hier keine herkömmliche Krimikost aufgetischt wird.

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Das einsame Haus, das Annemie "Mie" D‘Haeze (Verle Beatens) zu Beginn betritt, strahlt nicht eben Geborgenheit aus: Die kaputte Decke, von der schon der Putz bröckelt, könnte auch für Mies Geisteszustand stehen. Seit einem schweren leidet Mie an Amnesie. Sie kann sich erinnern, was vor dem Unfall passierte, aber über alles, was danach passierte, ist Mies Erinnerungsvermögen erheblich getrübt. Tabula rasa bezeichnet eine von Einträgen gelöschte Schreibtafel.

Was geht in dem alten Haus wirklich vor sich?

Mie selbst empfindet das, was in ihrem Kopf immer wieder passiert, als eine Art Sandsturm, der ihre Erinnerungen fortweht. Doch genau diese Erinnerungen benötigt Inspektor Wolkers (Gene Bervoets), um das rätselhafte Verschwinden von Thomas de Geest (Jeroen Perceval) aufzuklären: Mie ist die Letzte, die den verschwundenen Mann gesehen hat. Rückblicke zeigen ihr Leben mit ihrer Mutter Rita (Hilde Van Mieghem) und vor allem mit ihrem fürsorglichen Mann Benoit (Stijn Van Opstal).

Doch was ist in dieser Welt überhaupt noch real für Mie? Schon der Auftakt versteht es dabei meisterhaft, eine beklemmende Spannung aufzubauen. Viele kleine Details stören die häusliche Idylle und lassen das Haus immer wieder wie ein Gefängnis erscheinen, in dem hinter jeder Ecke etwas Erschreckendes lauert. Aber ist das real, leidet Mie unter Sinnestäuschungen oder spielt hier tatsächlich Übernatürliches mit hinein?

Die seltsame Sache mit der Uhr

"Tabula Rasa" schafft es dabei, den Zuschauer mit unwiderstehlichem Sog in Mies Gedankenwelt  hineinzuziehen und ihn dabei auch ständig zu verunsichern – etwa dadurch, dass Uhrzeiten sich mit einem Mal unheimlich verändern. Kamera und Musik sorgen zudem in dem stilvoll heruntergekommenen alten Haus immer wieder für jene wunderbar lauernde Atmosphäre, die allein schon das Einschalten lohnt.

Verle Beatens – die auch am Drehbuch mitarbeitete -  liefert als Mie eine faszinierende Studie in Sachen Verletzbarkeit. Wie "Tabula Rasa" hier Krimi,  Psychothriller und perfekt integrierte Elemente des Horrorfilms miteinander verbindet, lässt nur einen Schluss zu: Die Belgier können nicht nur bei Comics eindrucksvolle Standards setzen.

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