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TV-Kritik: Tatort "Tollwut": Besser nicht nach Logik fragen!

Von Die Schlüssigkeit im neuen „Tatort“ aus Dortmund zeigt sich, milde ausgedrückt, als gewöhnungsbedürftig. Trotzdem hat es der Regisseur verblüffend gut hinbekommen.
Nach mehreren Todesfällen droht die Stimmung in dem Gefängnis überzukochen. Foto: WDR/Thomas Kost Nach mehreren Todesfällen droht die Stimmung in dem Gefängnis überzukochen.

Wie es um die Schlüssigkeit dieser Geschichte bestellt ist, verdeutlichen einige Szenen besonders anschaulich. In der 110. Minute will Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) nach dem Gefängnisarzt  Dr. Jonas Zander sehen, der sich eine Tollwutinfektion zugezogen hat. Wochen zuvor geriet Zander in eine Auseinandersetzung unter Häftlingen und wurde dabei von einem Messer verletzt, das mit dem Tollwut-Erreger Rabiesvirus präpariert war.

Sie kommt ins Zimmer des Arztes, der sich von Krämpfen geschüttelt auf einer Liege windet. Aber sie ruft nicht um Hilfe, sondern unterhält sich bereits drei Minuten später schon wieder ganz entspannt mit dem Todgeweihten. Was aber auch zu der Vorgeschichte passt: Arbeitet doch Jonas Zander trotz seiner Infektion nicht nur immer noch im Gefängnis – Dalays Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) geht auch mit ihm ins Bett für einen "Mitleidsfick".

Haben Sie den Tatort verpasst? Hier geht es zu "Tollwut" in der ARD-Mediathek.

Eine Begegnung im Knast

Das Problem in diesem "Tatort"  ist aber nicht nur Dr. Jonas Zander: Der Rest der Geschichte passt ähnlich gut zusammen. Denn für Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) und sein Team geht es nicht nur darum, herauszufinden, wie der Tollwuterreger in das Gefängnis gelangen konnte. Er begegnet in dem Gefängnis auch dem Sadisten Markus Graf (Florian Bartholomäi), den er für den Tod seiner Frau und seiner Tochter verantwortlich macht.

Markus Graf? Den kennt man doch noch aus…richtig, "Auf ewig dein" hieß der vierte Fall für die Dorrtmunder, in dem Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) und sein Team Markus Graf zur Strecke brachten. "Auf ewig dein" steht auch auf einem Brief, den Graf an Faber schickt und in dem er ironisch im Stil einer Kinderzeichnung sich über den Unfalltod von Fabers Frau und Tochter lustig macht: ein Mann, der es liebt, zu provozieren.

Ein mühsam erzählter Plot

Erinnert stark an Dr. Hannibal Lecter, und Florian Bartholomäis durchweg überbetont ironischer Tonfall passt da perfekt. Die Szenen, in denen sich Faber und Graf in der Zelle begegnen, gehören deswegen eindeutig zu den stärksten Momenten dieses "Tatort"-Krimis. Dumm nur, dass es da noch einen weiteren Verdächtigen gibt, der mit der Tollwut-Infektion etwas zu tun gehabt haben könnte: eine albanischen Gangster.

Und noch schlechter, dass das Drehbuch diesen Handlungsstrang geradezu verzweifelt mit der Graf-Geschichte verbinden wollte. Als dann auch noch ein verdeckter Ermittler mit ins Spiel kommt, dürfte so mancher Zuschauer gar nichts mehr verstehen. Aber erstaunlich dabei: Trotz aller Logiklöcher zeigt sich "Tollwut" nicht als Totalausfall, im Gegenteil. Und das ist im Wesentlichen ein Verdienst von Regisseur Dror Zahavi.

Regie besser als das Drehbuch

Zahavi hat diesem Krimi nicht nur einen perfekt inszenierten Anfang verpasst, in dem sogar ein simpler Wischmopp plötzlich etwas Bedrohliches bekommt. Er hat es auch geschafft, in Verbindung mit Gero Steffens Kamera und dank der Unterlegung vieler Szenen mit einem unterschwellig düsteren Klangteppich eine wunderbar bedrohliche Stimmung zu kreieren. Schön zu beobachten etwa, als Faber Grafs Brief öffnet.

In den Gefängnisszenen läuft Zahavi dann aber noch richtig zu großer Form auf. Was er aus dem holprigen Skript immer wieder herausholt, adelt ihn zu einem handwerklich herausragenden Spannungsregisseur. Dass die Geschichte Graf am Ende noch einen schaurigen Abgang verschafft, macht sich ebenfalls ziemlich gut. Trotz der zusammengeschusterten Handlung gelang Zahavi darum einer der stärkeren Fälle aus Dortmund.

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