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TV-Kritik: "Vorstadtweiber": Gemeinheiten kurz vor Mitternacht

Von Die hinterhältigen Luxusfrauen aus dem Wiener Rotweingürtel starten in ihrer dritten Staffel erst nach den Tagesthemen. An Biss haben sie nicht eingebüßt.
Vorstadtweiber: Georg (Juergen Maurer, rechts) will sich den USB-Stick zurückholen, auf dem das Video zu sehen ist, das zeigt, wie Joachim einen Politfreund aus dem Fenster stößt. Wie weit wird er dafür gehen? Foto: (SWR-Presse/Bildkommunikation) Vorstadtweiber: Georg (Juergen Maurer, rechts) will sich den USB-Stick zurückholen, auf dem das Video zu sehen ist, das zeigt, wie Joachim einen Politfreund aus dem Fenster stößt. Wie weit wird er dafür gehen?

Sex, Erpressung, Mord, Luxus und Intrigen bis zum Abwinken: "Dallas" ist bis heute unvergessen, "Der Denver-Clan" kürzlich wieder auferstanden. Aber erst die "Vorstadtweiber" machen da so richtig Laune: Sind doch Maria Schneider (Gerti Drassl), Waltraud "Walli" von Steinberg (Maria Köstlinger), Nicoletta "Nico" Huber (Nina Proll) und Caroline "Caro" Melzer“ deutlich näher am Durchschnittszuschauer dran als einst Ewing & Co.

Wobei es da sicher auch eine kleine Huldigung gibt: In "Dallas" diente gelegentlich ein zeitgenössischer roter Mercedes SL als Fortbewegungsmittel, bei den Vorstadtweibern ist es ein gleichfarbiger Porsche Boxster. Ansonsten gibt sich die österreichische Kultserie nicht nur als Wiener Variante der legendären US-Vorbilder, sondern auch als giftige Satire. Was schon im Auftakt der neuen Staffel deutlich wird, als Waltraud von ihrer Beerdigung träumt.

Nicht fürs 20.15-Publikum geeignet

Auch Neueinsteiger finden sich schnell in der dritten Staffel zurecht, obwohl man die ersten 20 Folgen schon wegen ihres glänzenden Unterhaltungswerts alle gesehen haben sollte. Bei der Erstausstrahlung liefen die Folgen noch um 20.15, wo sie aber nicht den erhofften Zuspruch bei den Zuschauern fanden. Kein Wunder, gegen "Die Kanzlei" und vor allem die fröhlichen Nonnen aus "Um Himmels Willen" wirken die Vorstadtweiber wie ein doppelter Cognac mit Zigarre im Vergleich zur Pausenmilch auf dem Schulhof.

Wenn sich Bankier Hadrian "Hadi" Melzer mit dem gleichermaßen abgestürzten Joachim Schnitzler (Philipp Hochmair) beim Würstchengrillen im Garten amüsiert und Gattin Caro mal eben mit einem gutgebauten Kerl entspannt, nimmt man das kaum noch als Fehltritt, sondern als etwas Alltägliches wahr. So wie die Männer bei unsauberen Geschäften und Affären, holen sich die Frauen hier den Kick bei Affären und unsauberen Geschäften.

Ein Lied zum Ende der Ehe

Und doch weiß man nie, ob oder wann nicht eine der Luxusfrauen plötzlich ein Gefühl von Loyalität entdeckt: Bei Maria Schneider etwa ist es ihr Baby, das sie von dem farbigen Callboy Timo (Peter Marton) bekommen hat, was sie plötzlich ihr Gewissen entdecken lässt. Was Gags und Pointen angeht, lässt Uli Brée natürlich trotzdem nichts anbrennen, wobei es manchmal auch ziemlich surrealistisch zugeht.

Nur in "Vorstadtweiber" kann eine Frau in Form eines Lieds die Scheidung verlangen, ohne dass die Spannung darunter leidet. Dafür spielt Brée viel zu gerne mit den Motiven und unterläuft ständig die Erwartungen des Zuschauers. Beste Unterhaltung ist also auch zu später Stunde weiterhin garantiert. Leider mit einem Wermutstropfen: Adina Vetter als Sabine Herold ist nicht mehr dabei. Schade, sie hat so wunderbar in die Serie gepasst!

Hier können Sie die Vorstadtweiber in der Mediathek ansehen.

 

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