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TV-Kritik: "Wer jetzt allein ist": Alwaras trauriger Abschied

Von In ihrem letzten "Tatort" muss sich Henny Sieland mit ihrer Kollegin Karin Gorniak auf ein gewagtes Spiel einlassen. Woran die Geschichte fast scheitert.
Die schwangere und alleingelassene Kommissarin Henni Sieland (Alwara Höfels), links) hat ihrer Kollegin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) offenbart, warum sie keine Polizistin mehr sein möchte. Foto: (MDR/HA Kommunikation) Die schwangere und alleingelassene Kommissarin Henni Sieland (Alwara Höfels), links) hat ihrer Kollegin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) offenbart, warum sie keine Polizistin mehr sein möchte.

Blanke Panik klingt durch, als sich Doro Meisner (Svenja Jung) aus der Disco auf den Parkplatz flüchtet. Sie telefoniert übers Handy mit ihrer Freundin – und findet erstmal ihr Auto nicht. Als sie sich schließlich doch erleichtert hinter das Steuer ihres Wagens klemmt, ist es zu spät: Ein vermummter Täter zerrt sie heraus und schnürt ihr brutal die Luft ab. Ein Täter, der in größter Wut gehandelt hat, wie die Polizei anschließend feststellt.

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Das Motiv des Mörders stellt sich für die Kommissarinnen Henny Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) ziemlich schnell heraus: Die junge Frau hatte im Netz unter dem Namen "Birdy" Kontakte zu älteren Männern gesucht. Und wie es aussieht, hatte sie den leichtgläubigen Männer außerdem gezielt Interesse vorgeheuchelt, ihnen anschließend Notlagen vorgespielt und sie damit zu Geldzahlungen veranlasst.

Welcher Vogelfänger ist der Mörder?

Nun hatten sich die Männer unter dem Gruppennamen Vogelfänger zusammengetan, um zumindest ihr Geld von Birdy wieder zurückzubekommen. Zehn Männer waren in der Discothek, auf deren Parkplatz Doro Meisner ermordet wurde. Nach eingehender Durchleuchtung bleiben als mögliche Täter zwei übrig, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Andreas Koch (Daniel Donskoy) und Petrick Wenzel (Aleksandar Jovanovic).

Sieland und Gorniak finden schnell heraus, dass nicht Doro die Betrügerin war, sondern dass der Betreiber des Partnersuchportals ihre Identität für eigene Zwecke missbrauchte. Doch wer von den beiden Übriggebliebenen kommt als Täter in Frage? Zum Entsetzen ihres Chefs Schnabel (Martin Brambach) lassen sich die Kommissarinnen auf ein gewagtes Spiel ein, den Täter zu finden: Sie werden selbst beim Dating aktiv.

Gewagter, aber guter Plot

Der neue Dresdner "Tatort" lehnt sich entfernt an den US-Thriller "Sea of Love" an. Das Drehbuch variiert dessen Handlungsmotive gar nicht mal ungeschickt: So konstruiert die Geschichte auch erscheinen mag, eine gewisse Schlüssigkeit und innere Logik kann man dem Plot nicht absprechen. Zudem erzählt der Krimi das alles mit viel Tempo. Und dass die Handlung dabei übersichtlich bleibt, ist nach den wirren Storys der vergangenen Wochen auch kein Nachteil.

Sogar der Humor funktioniert, wenn Schnabel auf Gorniaks renitenten Sohn aufpassen muss. Schnell kommt der "Tatort" zum Kern seiner Geschichte, der Begegnung der beiden Kommissarinnen mit der Welt männlicher Sehnsüchte. Und gerät dabei ins Schlingern, weil er Koch und Wenzel vor allem auf größtmögliche Gegensätzlichkeit gebürstet präsentiert: ein eleganter Yuppie mit Schlossvilla der eine, ein verdruckster Schüchti mit sterbenskranker Mutter der andere.

Donskoy bleibt ein reines Schema

Die Regie unternimmt nur wenig, diese beiden Männer aus ihrem Figurenklischee herauszulösen. Nur Jovanovic kann sich halbwegs freispielen, allerdings eher in den Szenen mit Wenzels Mutter als mit der Kommissarin. Donskoy bleibt sträflich unterfordert. Die durchgehend sehr dunkle Szenerie und einige Logiklöcher – warum überprüfte die Polizei nicht umgehend die Autos, als sich herausstellte, dass der Täter einen roten Sportwagen fuhr? – macht die Sache auch nicht besser.

Spannung will sich deswegen trotz der sehr guten und reichlich verwendeten Musik von Christian Meyer nicht wirklich einstellen. Eher kann man schon verstehen, warum Alwara Höfels das Handtuch geworfen hat. Ihr letzter "Tatort" ist kein totaler Rohrkrepierer, aber ein gekonntes Spiel mit den Versatzstücken des Krimi-Genres sieht trotzdem anders aus.

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