Neue Sicherheitstechnik für Biker

Wie arbeitet ein Schräglagen-ABS, und was ist künftig noch bei der Sicherheit von Motorrädern zu erwarten? Über miteinander sprechende Maschinen und Gasstöße, die das Bike notfalls auf der Straße halten, spricht Fevzi Yildirim von Bosch.
Versuchsstadium: Bosch arbeitet derzeit an einem Sicherheitssystem, das ein Motorrad bei akuter Gefahr mit einem starken Gasstoß auf der Straße halten soll. Bilder > Foto: Bosch Versuchsstadium: Bosch arbeitet derzeit an einem Sicherheitssystem, das ein Motorrad bei akuter Gefahr mit einem starken Gasstoß auf der Straße halten soll.
Stuttgart. 

Ein Antiblockiersystem (ABS) ist für alle neu zugelassenen Motorräder über 125 ccm Pflicht. Kurven können aber auch für Motorradfahrer mit ABS problematisch sein, weil ein normales System nicht einschätzen kann, wie viel Bremskraft in einer Kurve noch zuträglich ist.

Dagegen wirkt seit längerer Zeit ein sogenanntes Schräglagen-ABS, etwa die Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC von Bosch, die seit mehreren Jahren in Modellen von Ducati und KTM arbeitet. Sie berücksichtigt die Schräglage des Motorrads, sowohl beim Bremsen als auch beim Beschleunigen, erklärt Fevzi Yildirim, Europa-Chef der Motorrad-Technikentwicklung von Bosch. „Vereinfacht gesagt ist ein Schräglagensensor eingebaut, der 100 Mal in der Sekunde die Beschleunigung und Winkelgeschwindigkeit des Fahrzeugs misst.”

Gegen das Wegrutschen in der Kurve

Das System passe die elektronischen Regeleingriffe beim Bremsen und Beschleunigen blitzschnell der momentanen Fahrsituation an. „Dadurch wird zum Beispiel auch das unkontrollierte, rasche Aufstellen eines Motorrads beim Bremsen in Kurven verhindert. In diesen Situationen ereignen sich die meisten Motorradunfälle”, sagte der Luft- und Raumfahrttechnik-Ingenieur anlässlich der Motorradmesse Intermot in Köln (3. bis 7. Oktober).

Die Motorrad-Stabilitätskontrolle verhindert das Blockieren der Räder und damit auch das Wegrutschen in der Kurve. Aber auch durchdrehende Räder in Kurven können durch die Traktionskontrolle vermieden werden. Bei sehr großen Reibwertunterschieden in Kurven, wie zum Beispiel Ölflecken, kann das System an seine Grenzen stoßen.

Entwicklung radarbasierter Systeme

Deshalb arbeitet Bosch auch an einem System zur Rutschverhinderung, welches das Bike wieder aufrichtet. Mit dem Rückstoßprinzip kann das Motorrad bei akuter Gefahr mit einem Gasstoß auf die Straße gepresst werden. „Wie eine magische Hand hält die Funktion das Motorrad in der Spur und verhindert das Sturzrisiko damit erheblich. Aktuell ist das aber erstmal ein Forschungsprojekt”, sagt Yildirim.

Die Motorrad-Stabilitätskontrolle ist ein reaktives System, das erst bei Gefahr regelt. „Ab 2020 wollen wir mit radarbasierten Systemen helfen, kritische Situationen beim Motorradfahren gar nicht erst entstehen zu lassen”, sagt Yildirim und nennt dabei adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung (ACC), Kollisions- oder Totwinkelwarner. Also Dinge, die es im Auto bereits gibt. „Wir bringen dem Motorrad das Sehen und Fühlen bei.”

Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation

An einem digitalen Schutzschild arbeitet Bosch ebenfalls. Die Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation ermöglicht es, dass Fahrzeuge im Umkreis von mehreren hundert Metern bis zu zehn Mal pro Sekunde Informationen zu Fahrzeugtyp, Geschwindigkeit, Position und Fahrtrichtung austauschen. „Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation werden wir vermutlich jenseits von 2020 auf den Straßen sehen”, sagt Yildirim. Gerade für Motorräder ist digitale Sichtbarkeit mit Hilfe des Datenaustauschs sehr wichtig, da Fahrer häufig im Straßenverkehr übersehen werden.

Beim System Connected Horizon sollen dynamische Daten etwa über Staus, Unfälle, Straßenzustände dem Biker beim vorausschauenden Fahren helfen. Eine bereits serienreife Connectivity-Funktion ist der E-Call für Motorräder. Dabei registrieren Sensoren schwere Unfälle und rufen über eine Mobilfunkverbindung Hilfe.

(Von Peter Löschinger, dpa)
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