Schützt Piepen vor Wildunfällen?

Die Zahl der Wildunfälle auf deutschen Straßen steigt und steigt. Sachsen-Anhalt testet jetzt akustische Wildwarner, um Zusammenstöße mit Reh und Wildschwein zu vermeiden. Ist das erfolgversprechend?
Können akustische Signale Wildtiere von der Straße abhalten? Verkehrsexperten wollen dies nun mit einem Pilotprojekt herausfinden. Foto: Jan Woitas Können akustische Signale Wildtiere von der Straße abhalten? Verkehrsexperten wollen dies nun mit einem Pilotprojekt herausfinden.
Zerbst. 

In der Dämmerung auf der Bundesstraße 184 in Sachsen-Anhalt: Ein Auto fährt an einem Lichtsensor vorbei, für mehrere Sekunden gibt ein Gerät am Straßenrand Pieptöne von sich. Wildtiere sollen so vom Überqueren der Straße abgehalten werden.

Sachsen-Anhalt testet in einem Pilotversuch akustische Wildwarner, um Unfälle mit Rehen und Wildschweinen zu vermeiden. Nach Angaben des Verkehrsministeriums in Magdeburg werden bei dem am Dienstag (9. oktober) startenden Projekt erstmals in Deutschland akustische und optische Warnsignale kombiniert.

Warnsystem an der Bundesstraße 184

Mit der neuen Methode soll erreicht werden, dass die Tiere beim Herannahen von Autos gar nicht erst auf die Straße huschen. Vier Strecken in der Altmark, bei Dessau und in der Börde wurden für den Test ausgewählt. Zunächst wird die Technik an der Bundesstraße 184 bei Zerbst installiert. Aufgestellt wird die Technik jeweils nur auf halber Streckenlänge - so soll später das Unfallgeschehen mit und ohne Warnsystem ausgewertet werden können.

Hintergrund des Projekts sind seit Jahren steigende Zahlen von Wildunfällen. Einer Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge gab es im vergangenen Jahr rund 275.000 Verkehrsunfälle mit Wildtieren auf deutschen Straßen - so viele wie nie seit Anfang der 90er Jahre. Das Statistische Bundesamt zählte 2017 mehr als 2500 Wildunfälle, bei denen Menschen verletzt wurden.

Erste Studien aus Österreich

Erste Studien zu akustischen Wildwarnern gibt es laut Landesverkehrsministerium bereits aus Österreich. Die Ergebnisse seien vielversprechend. Andere Versuche mit Reflektoren und optischen Reizen, um Tiere zu verscheuchen, hätten sich zuletzt hingegen als kaum wirksam erwiesen. An dem Pilotprojekt mit akustischen Warnern hat eine Arbeitsgruppe von Verkehrs-, Innen- und Umweltministerium lange getüftelt.

Experten sind jedoch skeptisch, ob die Methode wirkt. Erste Erkenntnisse deuteten an, dass akustische Warner nur kurzzeitig oder gar nicht funktionierten, sagt der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann. Zwar sei das Wild von den Pieptönen anfangs irritiert und frage sich, ob das gefährlich sei. „Wenn es aber eine Weile feststellt, dass von dem Piepen keine Gefahr ausgeht, blendet es das aus.” Es könne jedoch nicht schaden, solche neuen Methoden auszuprobieren. Noch gebe es keine umfassenden wissenschaftlichen Untersuchungen dazu.

An der Finanzierung des Pilotprojekts ist auch der ADAC beteiligt. „Es ist wichtig, dass das getestet wird und evaluiert wird, wie es wirkt”, sagt Christine Rettig vom ADAC-Verband für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die ständig steigende Zahl von Wildunfällen zeige, dass neue Methoden zur Unfallvermeidung nötig seien. „Nur reden und an eine vorsichtigere Fahrweise der Autofahrer appellieren reicht eben nicht aus.”

(Von Simon Ribnitzky, dpa)
Zur Startseite Mehr aus Auto & Verkehr

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen