Barmer: Hörschäden bei jungen Leuten nehmen zu

Hörschäden sind irreparabel. Gerade für junge Menschen ist das bitter. Am Welttag des Hörens startet die Barmer-Krankenkasse eine Initiative für mehr Prävention bei jungen Leuten.
Die Zahl junger Barmer-Versicherten, die eine Hörhilfe benötigen, hat von 2010 bis 2015 um fast ein Drittel zugenommen. Mögliche Ursache ist das Hören lauter Musik per Kopfhörer. Foto: Oliver Berg Die Zahl junger Barmer-Versicherten, die eine Hörhilfe benötigen, hat von 2010 bis 2015 um fast ein Drittel zugenommen. Mögliche Ursache ist das Hören lauter Musik per Kopfhörer. Foto: Oliver Berg
Berlin. 

Die Hörschäden in Deutschland nehmen nach Angaben der gesetzlichen Krankenkasse Barmer deutlich zu, gerade auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

„Zusätzlich zu dem ganzen städtischen Lärm wie Verkehr und Baustellen kommt der Lärm, den wir uns durch die digitale Welt zuführen”, sagte Barmer-Vorstandsmitglied Mani Rafii. „Viele junge Leute haben ihre Smartphone-Kopfhörer im Ohr und hören laute Musik. Hier hat die digitale Welt auch ihre Risiken.” Denn Hörschäden seien irreparabel.

Gerade junge Menschen seien kaum in der Lage, einen Hörschaden zu erkennen und ihn dann auch entsprechend anzugehen. Die Zahl junger Barmer-Versicherten zwischen 15 und 35 Jahren, die eine Hörhilfenversorgung benötigen, habe von 814 im Jahr 2010 auf 1065 in 2015 um fast ein Drittel zugenommen, erläuterte Rafii. Hier sei eine deutliche Tendenz zu erkennen. Daher stelle sich die Frage: „Wie schaffen wir es, gerade die jungen Leute in dieser digitalen Welt auf das Thema Prävention aufmerksam zu machen. Junge Leute fühlen sich ja unverwundbar.”

Zum Welttag des Hörens an diesem Freitag (3. März) startet die Krankenkasse zusammen mit dem Startup Mimi Hearing Technologies für drei Monate eine Initiative zur Früherkennung und Prävention von Hörschäden - und hat dabei vor allem junge Menschen im Blick. Mit den von Mimi (japanisch für Ohr) entwickelten Apps „Mimi Hörtest” und „MimiMusic” könnten Nutzer einen Hörtest machen und so die Musik aus dem Smartphone an das eigene Gehör anpassen. So könnten mit geringerer Lautstärke mehr Details gehört werden.

Die Kasse wolle so das Thema jugendlichen Lifestyle und Prävention zusammenbringen. Aber sie habe nicht vor, den Hörakustiker oder den HNO-Arzt zu ersetzen, sagte Rafii. Mit den Erfahrungen der ersten drei Monate wolle man dann ein Gesamtkonzept entwickeln.

Obwohl das Ohr ein sehr wichtiges Sinnesorgan sei, werde Hören vernachlässigt, sagt Manfred Groß von der Charité in Berlin. „Während für die meisten Menschen ein Sehtest Routine ist, kümmert sich niemand um sein Gehör.” Je früher man einen Hörverlust feststelle, umso besser seien die Chancen, weiteren Schäden vorbeugen zu können.

Die Hörtest-App gebe dem Nutzer Aufschluss über sein persönliches Hörvermögen. Mimi hat zum Welttag des Hörens einen weltweiten Hörindex 2017 erstellt. Die Studie bestätige, dass zwischen Hörverlust und Lärmbelästigung ein mehr oder weniger direkter Zusammenhang bestehe. Demnach wiesen Wiener am Alter gemessen den geringsten, die Bewohner Neu Delhis insgesamt den größten Hörverlust auf. In Zürich sei die Lärmbelastung am geringsten, im chinesischen Guangzhou am höchsten, so die Studie weiter.

Die lauteste deutsche Stadt ist nach diesem Index Frankfurt/Main vor Hannover und Berlin. Die deutsche Großstadt mit der geringsten Lärmbelästigung ist demnach München, dann Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart. Alle diese deutschen Städte liegen bei diesem Ranking lauter Metropolen in der hinteren Hälfte.

Für den Hörtest von Mimi geben Teilnehmer ihr Alter und ihr Geschlecht an und testen dann ihr Gehör. Der Hörindex beschreibt am jeweiligen Ort den durchschnittlichen Unterschied zwischen dem Alter der Teilnehmer und ihrem ermittelten Höralter beziehungsweise Grad an Hörverlust. Der Unterschied kann 10 bis 20 Jahre betragen.

(dpa)
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