Entspannungsübungen für Hunde

Silvesterfeuerwerk, eine fremde Umgebung, ein Tierarztbesuch - all das kann bei Hunden Stress oder sogar Angst auslösen. Mit einfachen Entspannungsübungen ist manchen Tieren schon geholfen.
Kuscheln mit Herrchen: Längst nicht jeder Hund ist so entspannt - manchmal helfen aber schon ein paar einfache Übungen für daheim. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn/dpa Kuscheln mit Herrchen: Längst nicht jeder Hund ist so entspannt - manchmal helfen aber schon ein paar einfache Übungen für daheim. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn/dpa
Waldems. 

Die meisten Hundebesitzer kennen die Situation: Gehen sie mit ihrem Vierbeiner zum Tierarzt, sträubt sich der Hund schon am Eingang mit allen Vieren, und auf dem Behandlungstisch beginnt er zu zittern.

Manchen Tieren könnte da etwas Entspannung helfen. „Entspannungsübungen sind für jeden Hund sinnvoll”, sagt Tierärztin und Verhaltenstherapeutin Katrin Voigt von dem Berufsverband für Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV). Sie erklärt, dass bereits Welpen an Entspannungsüben herangeführt werden sollten, damit sie später problemlos alleine bleiben können.

„Jeder Hund ist mal aufgeregt, hat Stress oder Angst”, sagt Voigt. Bestes Beispiel sei der Tierarztbesuch: „Früher wurde immer gesagt, man solle seinen Hund ignorieren, wenn er Angst hat, sonst würde man seine Angst verstärken. Das ist so nicht ganz richtig und auch nicht haltbar.” Wichtig sei, dass Hundebesitzer lernen, wie sie ihrem Hund aus der Angst helfen können. „Hierfür sind Entspannungsübungen perfekt”, sagt Voigt.

Wichtig sei ein Entspannungstraining für Hunde, die in einer tiergestützten Therapie eingesetzt werden, ergänzt Hunde-Physiotherapeutin Karin Petra Freiling aus Oldenburg, die in Fortbildungskursen regelmäßig Entspannungsmethoden vermittelt. „Wenn diese Hunde zum Beispiel mit Kindern arbeiten, müssen sie immer Ruhe bewahren.”

Infolge stressiger Situationen verspannen sich die Muskeln - und auf Dauer kann das im ganzen Körper Schaden anrichten. Anzeichen für Stress seien beispielsweise häufiges Hecheln, angelegte Ohren oder eine angespannte Mimik, erläutert Tierpsychologin und Tierheilpraktikerin Patricia Lösche aus Schleswig-Holstein. „Nervöse Hunde reagieren oft auch aggressiver als sonst oder wirken unaufmerksam, wenn sie unter Adrenalin stehen.”  Manche Hunde würden wiederum erstarren und regungslos stehen bleiben, ergänzt Voigt. „Andere Vierbeiner flüchten und wollen schnell weg. Meist ist die Körperhaltung eher klein und geduckt.”

Ein gezieltes Entspannungstraining sei ein effizienter Weg, die Tiere zu beruhigen, meint Freiling. Wer regelmäßig Entspannungsübungen mit seinem Hund durchführe, baue außerdem Vertrauen zum Tier auf.

Das Ausstreichen der Ohren sei bereits eine besonders effektive Übung: „Über das Ohr verteilt befinden sich viele Akupunkturpunkte, die den gesamten Organismus widerspiegeln”, sagt Freiling. Hierbei stützt der Hundebesitzer mit einer Hand den Fang des Tieres und streicht mit der anderen Hand behutsam das Ohr von der Ohrmuschel bis zur Spitze - der Daumen liegt währenddessen auf der Außenseite des Ohres und der gekrümmte Zeigefinger auf der Innenseite. Die Übung kann an verschiedenen Stellen des Ohres wiederholt werden. „Wichtig ist, dass man hierbei der Ohrwuchsrichtung folgt und eher zur Seite und nach vorn ausstreicht statt nach hinten”, erklärt Freiling.

Sehr beruhigend sei auch eine Übung, bei der man mit gewölbter Hand von der Nasenspitze des Hundes über den Kopf, die Wirbelsäule bis hin zur Rute streicht. „Bei scheuen Hunden verwendet man die Rückseite der Hand”, sagt Freiling. Hundebesitzer sollten mit einer Hand das Tier stützen und mit der anderen Hand die sanften, längeren Berührungen ausführen, erklärt Freiling. „Dabei sollte man auf eine bewusste Atmung und ein lockeres Handgelenk achten - je entspannter der Mensch ist, umso mehr Ruhe kann er auf den Hund übertragen.”

Bei einer weiteren Übung, legen Halter ihre Hände in einem Abstand von etwa fünf Zentimetern auf den Hunderücken. „Dann schiebt man mit leichtem Druck beide Hände zusammen, hält die Haut an dieser Stelle, und führt anschließend die Hände langsam wieder zur Ausgangsposition”, schildert Freiling. Die Übung kann vom Nacken, über die Schulterblätter bis hin zum Rutenansatz durchgeführt werden.

Bestimmte physiotherapeutische Übungen wirkten nicht nur beruhigend, sagt Lösche, sie könnten auch zur Hunde-Fitness beitragen. Ebenso könne das Gehirn von einer verbesserten Durchblutung und geistiger Anregung profitieren. „Nebenbei fördert das Training sowohl die Beweglichkeit als auch Konzentration und Koordinationsvermögen des Hundes.”

(Von Nadine Carstens, dpa)
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