Kuchen essen und Katzen kraulen: Zu Besuch im Katzencafé

Wer Katzen liebt, aber keine halten darf, kann in einem Katzencafé vorbeischauen. Dort gehen Besucher bei Kaffee und Kuchen mit den Vierbeinern auf Tuchfühlung.
Besucher des Berliner Katzenmusikcafés „Zur Mieze” können mit den dort lebenden Katzen spielen, zum Beispiel mit Katze Jewels. Foto:Franziska Gabbert/dpa-tmn Foto: dpa Besucher des Berliner Katzenmusikcafés „Zur Mieze” können mit den dort lebenden Katzen spielen, zum Beispiel mit Katze Jewels. Foto:Franziska Gabbert/dpa-tmn
Berlin. 

Auf einer Sitzbank am Fenster liegt die Katze Caroline und gähnt. Währenddessen klettert Kater Kenzo auf einem Flügel am anderen Ende des Cafés herum. Der graue Stubentiger Jewels lässt sich dagegen lieber das flauschige Fell kraulen und schnurrt zufrieden.

Dazwischen sitzen Gäste, genießen Kaffee und Kuchen und beobachten das bunte Treiben im Katzencafé „Zur Mieze” im Berliner Bezirk Charlottenburg. „Meine Gäste sagen oft: Das ist ja wie bei mir zu Hause im Wohnzimmer hier”, erzählt die Besitzerin des Cafés, Caroline Braune. Das ist auch die Atmosphäre, die sich die promovierte Biologin in ihrem Café wünscht. Zum Konzept von „ Zur Mieze ” gehört auch die Verbindung mit Musik. Einmal pro Woche spielt ein Pianist ein klassisches Konzert.

In mehreren deutschen Städten gibt es inzwischen ähnliche Cafés. Erst vor kurzem eröffnete in Hamburg der „ Katzentempel ”, dessen Betreiber auch in Nürnberg und München ähnliche Cafés hat. In Köln heißt ein Katzencafé „ Café Schnurrke ”, in Bielefeld „ Miezhaus ”.

Katzen sind mit 13,4 Millionen Tieren in Haushalten bundesweit das beliebteste Heimtier, sagt Kathrin Fichtel vom Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft. „Der Mythos Katze kreist um die Faszination ihrer Ambivalenz: Sie gilt zugleich als Schmusekater und kleiner Tiger”, so Fichtel.

Es sei von der Forschung belegt, dass Tiere ein Katalysator für die Interaktion zwischen Menschen sein können. Sie bieten nach Ansicht von Fichtel Gesprächsstoff, Aufheiterung und Abwechslung. Das Streicheln des weichen Fells der Katzen sorge für die Ausschüttung des „Kuschelhormons” Oxytocin und die Senkung des Stresshormons Cortisol.

Ähnliche Effekte beobachtet auch Braune häufig bei ihren Gästen. Wer mit schlechter Laune ins Café kommt, fühle sich oft besser, wenn er die Vierbeiner einige Zeit beobachtet.

Für Braune steht das Wohl ihrer Katzen aber an erster Stelle. Es sei klar, dass das Café das Zuhause der Tiere ist. Das müssten die Gäste akzeptieren, erklärt Braune. So wird beispielsweise ein Sessel nicht für einen Gast freigemacht, wenn es sich eine der Katzen dort gemütlich gemacht hat.

Grundsätzlich sollte man die Tiere nie bedrängen, macht auch Heidi Bernauer-Münz von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz deutlich. Sie mögen es nicht, wenn man sie hochnimmt. Besser ist es, sich als Besucher ruhig hinzusetzen und zu warten, ob eines der Tiere von sich aus den Kontakt sucht. Möchte die Katze aber auf Distanz gehen und sich zurückziehen, so muss man das akzeptierten. Auf die Verhaltensregeln im Café macht Braune inzwischen auch in den Tischkarten aufmerksam.

Bernauer-Münz betont, dass die Tiere die Möglichkeit haben sollten, sich auf verschiedene Ebenen zu begeben. Katzen beobachten das Geschehen gerne von oben. Auch die Katzen in Braunes Café laufen gerne oben herum.

Außerdem ist es vom Veterinäramt vorgeschrieben, dass in einem Katzencafé Rückzugsräume für die Tiere vorhanden sein müssen. Die Auflagen stellen auch sicher, dass es genug Platz gibt. Braunes Katzen haben außerdem die Möglichkeit, frische Luft zu schnappen, und es gibt einen Quarantäneraum für erkrankte Tiere. Der Küchenbereich ist durch eine Fensterfront vom Rest des Cafés abgeschlossen. So wird die Lebensmittelhygiene gewahrt.

Braune arbeitet mit dem Verein „Hand in Hand for Cats” zusammen, der sich für den Schutz von Katzen einsetzt. Die Tiere in ihrem Café sind ehemalige Straßenkatzen aus der Ukraine und kamen sehr jung bei Braune an. Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, dass die manchmal eigenwilligen Tiere rundum gesund sind und sich in Gruppen wohlfühlen.

Das Leben in einem Katzencafé ist nicht für jede Katze etwas. Die Tiere seien große Individualisten, erklärt Bernauer-Münz. Viele von ihnen leben weder mit Artgenossen noch mit fremden Menschen gerne auf engem Raum zusammen.

Diese Erfahrung hat auch Braune gemacht. Eine Katze, die sich im Café nicht mehr wohlfühlte, hat sie bei Freunden untergebracht. „Da fühlt die sich nun pudelwohl.” Eigene Katzen dürfen Gäste mit Blick auf die empfindliche Gruppendynamik daher auf keinen Fall mitbringen.

(Von David Schwarz, dpa)
Bilderstrecke Kuchen essen und Katzen kraulen: Zu Besuch im Katzencafé
Besucher des Berliner Katzenmusikcafés „Zur Mieze” können mit den dort lebenden Katzen spielen, zum Beispiel mit Katze Jewels. Foto:Franziska Gabbert/dpa-tmnDie Katzen sorgen im Katzenmusikcafé „Zur Mieze” dafür, dass eine gemütliche Atmosphäre entsteht und sich die Gäste wohlfühlen. Foto:Franziska Gabbert/dpa-tmnCaroline Braune gehört das Katzenmusikcafé in Berlin-Charlottenburg. Foto:Franziska Gabbert/dpa-tmn
Zur Startseite Mehr aus Haustiere

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse