Der Blick von oben auf die Stadt: Das Studienfach Urbanistik

Sie heißen Urban Design, Urbanistik oder Stadtforschung - Studiengänge rund um die Entwicklung des städtischen Raums gibt es an immer mehr Hochschulen in Deutschland. Doch was macht man da eigentlich? Und welche Berufschancen ergeben sich daraus?
Wie sieht die Stadt von morgen aus? Mit dieser Frage beschäftigen sich Studenten der Urbanistik - und nehmen dabei verschiedene Perspektiven ein. Bilder > Foto: Kniel Synnatzschke/Westend61/dpa-tmn Wie sieht die Stadt von morgen aus? Mit dieser Frage beschäftigen sich Studenten der Urbanistik - und nehmen dabei verschiedene Perspektiven ein.

München - Moloch. Metropole. Betonwüste. Schmelztiegel. Für die großen Städte der Welt gibt es viele Namen, positiv wie negativ. Das Thema Stadt bewegt die Gemüter - und ist immer öfter auch Inhalt von Studiengängen. Einer davon: der Master Sustainable Urbanism an der Technischen Universität München.

„Unter dem Begriff Urbanistik werden Studiengänge angeboten, die sich mit der Erforschung der Stadt auseinandersetzen”, erklärt Prof. Mark Michaeli, Studiendekan der Fakultät für Architektur an der TU. „Aber nicht nur im planerischen oder rechtlichen Sinne, sondern immer von einem architektonisch-räumlichen Verständnis aus.”

Die große Frage dabei ist immer: Wie sieht die Stadt von morgen aus? „In den letzten Jahren haben sich einige inhaltliche Fragestellungen massiv verändert”, sagt Michaeli. „Heute sieht man Stadt nicht mehr nur als räumliche, funktionelle Institution, sondern die Leute müssen sich auch wohlfühlen.”

Zudem habe eine starke Spezialisierung dazu geführt, dass nur noch wenige Menschen den ganzen Komplex „Stadt” überblicken. Hier kommen die zukünftigen Urbanisten ins Spiel: „Es braucht diese Leute, die einen weiten, interdisziplinären Blicken haben”, sagt Michaeli.

Zu diesen Leuten gehört auch Hisar Ersöz, der an der Technischen Universität Berlin den Masterstudiengang Urban Design belegt. „Die Herausforderung besteht einerseits darin, die Unsicherheiten aushalten zu können, mit denen man im Umgang mit dem extrem komplexen Thema Stadt konfrontiert ist”, erzählt er. „Man hat häufig das Gefühl, es gäbe noch mehr zu berücksichtigen, was gar nicht berücksichtig werden kann.” Die andere Herausforderung sei, eine gemeinsame Sprache zu finden und nicht aneinander vorbei zu reden.

Ob Texte, Zeichnungen, Modelle oder Präsentation: Je nach Fragestellung erarbeiten die studentischen Teams unterschiedliche Lösungen für stadtpolitische Fragen. Auch Planspiele stehen auf dem Stundenplan, bei denen sie die verschiedenen Sichtweisen stadtpolitischer Akteure einnehmen.

„Ein Auffangbecken für Enttäuschte”, zitiert er eine Kommilitonin, die den Studiengang so beschrieb. Sie meinte damit all die Studierenden, denen in den einzelnen Disziplinen Architektur oder Raumplanung immer das „etwas mehr” fehlte.

Und die Studiengänge sind beliebt, an der Bauhaus-Universität Weimar etwa: 40 Studierende werden dort jährlich im Bachelorstudiengang Urbanistik aufgenommen. „Die Bewerberzahlen sind weit höher als die Anzahl unserer Studienplätze”, sagt Caroline Kauert, Studienberaterin für Urbanistik. Bei der Auswahl spielt die Abiturnote aber kaum eine Rolle - eher die Liebe zum Thema.

Überprüft wird diese Liebe in Weimar mit einem Test: In einem themenbezogenen Projekt absolvieren die Bewerber eine Aufgabe innerhalb der Stadt und lernen dabei die Herausforderungen der Urbanistik kennen. „Dabei stellen wir fest, wer geeignet ist, in diesem Studiengang zu studieren”, erklärt Kauert das Verfahren.

Wer die Zulassung erhält, darf sich auf ein Projektstudium vorbereiten: Neben Vorlesungen und Seminaren steht auch viel praktische Arbeit auf dem Plan - aus Gebieten wie Stadtplanung und Städtebau, aber auch aus der Denkmalpflege oder der Soziologie.

Auch ein Auslandsaufenthalt ist obligatorischer Bestandteil des Studiengangs. Nach acht Semestern können die frischgebackenen Urbanisten dann in den unterschiedlichsten Berufsfeldern tätig werden, sagt Kauert: „Man kann in der öffentlichen Verwaltung arbeiten, in privaten Planungsbüros, in der Politikberatung, aber auch in der Wissenschaft und in der Entwicklungshilfe.”

(Von Anke Dankers, dpa)
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