Wenige Firmen unterstützen bei der Pflege von Angehörigen

Es ist ein Spagat, den immer mehr Beschäftigte leisten müssen: Arbeiten gehen und einen Angehörigen pflegen. Gut, wenn die Firma diese Herausforderung etwa mit flexiblen Arbeitszeiten erleichtert. Doch einer Umfrage zufolge gibt es hier noch Luft nach oben.
Den Beruf und die Pflege eines Angehörigen zeitlich miteinander zu vereinbaren ist nicht einfach. Foto: Daniel Reinhardt Den Beruf und die Pflege eines Angehörigen zeitlich miteinander zu vereinbaren ist nicht einfach.
Berlin. 

Arbeiten und einen Angehörigen pflegen: Das ist für immer mehr Berufstätige anstrengender Alltag. Da kann es helfen, wenn Firmen Angebote machen, um Job und Pflege besser miteinander zu vereinbaren.

Das geht zum Beispiel über flexible Arbeitszeiten, oder die Möglichkeit zur Arbeit von Zuhause aus. In einer repräsentativen Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) gaben jedoch 59 Prozent der Firmen an, betriebsinterne Angebote zur Entlastung weder anzubieten noch zu planen. Befragt wurden Personalentscheider in Unternehmen ab einer Größe von 26 Mitarbeitern.

Dabei zeigte sich auch: Große Firmen sind bei diesem Thema besser aufgestellt. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern bieten nach eigenen Angaben Maßnahmen für pflegende Beschäftigte. Bei Firmen mit 50 bis 249 Mitarbeiten lag der Anteil bei 40 Prozent, bei kleineren Betrieben bei 23 Prozent.

Neun von zehn Firmen (90 Prozent), die betriebsinterne Angebote haben, bieten flexible Arbeitszeiten oder Arbeitszeitkonten an. In knapp zwei Drittel (63 Prozent) dieser Unternehmen haben pflegende Mitarbeiter die Option, in Home-Office zu arbeiten. Viele dieser Firmen offerieren eine zeitlich befristete Freistellung von der Arbeit (68 Prozent) oder individuelle Absprachen (78 Prozent).

Abgesehen von betriebsinternen Angeboten haben Beschäftigte, die einen Angehörigen pflegen, seit 2015 gesetzliche Rechtsansprüche auf unterstützende Maßnahmen, wie das ZQP in seiner Analyse erklärt.

Dazu zähle etwa die Möglichkeit, bis zu zehn Tage freizunehmen, um für nahe Angehörige die Pflege zu organisieren. Oder eine Freistellung bis zu sechs Monate zur Pflege Angehöriger sowie bis zu drei Monate, um Schwerkranke in der letzten Lebensphase zu begleiten. In 59 Prozent der Firmen hat laut der Umfrage noch kein Mitarbeiter so eine Möglichkeit wahrgenommen.

Nach Angaben des ZQP lag die geschätzte Zahl von pflegenden Erwerbstätigen kurz nach der Jahrtausendwende bei 1,9 Millionen. Bis 2012 hatte sie sich demnach auf 2,6 Millionen erhöht.

(dpa)
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