Preisanstieg bei Apfelsaft erwartet

Die Zeit des billigen Apfelsaftes neigt sich dem Ende. Die niedrige Apfelernte 2017 wird nach Experteneinschätzung noch vor Jahresende zu spürbaren Preissteigerungen an den Supermarktregalen führen.
Wegen Ausfällen bei der Apfelernte müssen Verbraucher mit höheren Preisen für Apfelsaft rechnen. Foto: Patrick Pleul/dpa Wegen Ausfällen bei der Apfelernte müssen Verbraucher mit höheren Preisen für Apfelsaft rechnen.
Düsseldorf. 

Angesichts der schlechten Apfelernte erwarten Handelsexperten spürbar steigende Apfelsaftpreise noch in diesem Jahr. Auch Getränke, die Apfelsaft enthalten, könnten teurer werden.

„Wir müssen in Kürze damit rechnen, dass sich Apfelsaft spürbar verteuert. Das betrifft dann natürlich auch naturtrüben Saft, Apfelfruchtsaftgetränke und Apfelschorlen”, sagte Handelsexperte Matthias Queck von LZ Retailytics. Preisänderungen seien Anfang November oder Dezember wahrscheinlich.

Bei Discountern und Supermärkten koste Apfelsaft in der untersten Preislage derzeit 59 Cent pro Liter. „Das ist eher im unteren Bereich dessen, was wir in den vergangenen zehn Jahren gesehen haben”, sagte Queck. Nach seinen Daten lag hier der Tiefpunkt bei 49 Cent je Liter im Zeitraum Oktober 2009 bis November 2010. Mitte 2008 sei Apfelsaft mit 79 Cent je Liter am teuersten gewesen. Apfel-Direktsaft koste in der untersten Preislage gegenwärtig 85 Cent je Liter.

Auch andere Handelsexperten halten steigende Preisen bei Apfelsaft für wahrscheinlich. „Wir gehen davon aus, dass die Ernteausfälle Auswirkungen auf die Preise haben werden”, sagte Monika Buckl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg.

„Dass die Apfelernte bescheiden ausfällt, ist bekannt”, sagte Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Die Frostschäden hingen dabei stark vom Gelände und den Sorten ab. Es sei nicht überall gleich kalt gewesen, und die Apfelsorten blühten zu unterschiedlichen Zeitpunkten. So gebe es Bauern, die volle Ernte hätten und Bauern, die in diesem Jahr lediglich 5 Prozent der üblichen Apfelernte einfahren konnten.

„Eigentlich hat es nicht zu spät gefroren, sondern zu früh geblüht”, verdeutlicht Kammersprecher Rüb. Schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt im März sei es sehr warm gewesen, was die Blüte der Apfelbäume getrieben habe. Es gebe aber auch noch einen anderen Effekt: Nach einer reichen Ernte im Vorjahr sei die Ernte des Folgejahres nicht so groß und umgekehrt. „Das ist bei Äpfeln besonders ausgeprägt.”

Thomas Els von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) sieht anziehende Rohstoffpreise bei der Apfelsaftherstellung. Er vermutet, dass das einen Effekt auf die Endverbraucherpreise haben wird. „Fakt ist, es fällt schwer, sich von dieser Entwicklung komplett zu lösen.”

„Die Äpfel kosten fast das Dreifache für die Verarbeitung, was sie das letzte Jahr gekostet haben”, sagte Geschäftsführer Klaus Heitlinger vom Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie. Hieraus resultierten ebenfalls gestiegene Preise in der Branche für Konzentrat und Direktsaft. Das bedeute jedoch nicht, dass der Apfelsaft jetzt für die Verbraucher drei Mal so teuer werde.

Die Verarbeitung, die Verpackung und der Transport seien Faktoren, bei denen es keine solche Steigerung gebe. Dennoch seien bei allen apfelbasierten Produkten „signifikante” Preisanstiege wahrscheinlich.

Die Fruchtsaft-Industrie werde wegen der kleineren Apfelernte in Deutschland sicher stärker auf Konzentrate aus Polen zurückgreifen, wo die ohnehin große Anbaufläche ausgeweitet worden sei. Auch in Frankreich sei die Ernte nicht so schlecht wie in Deutschland gewesen, wo Frost im April viele Apfelblüten geschädigt habe.

„Bio-Apfelsaft wird voraussichtlich nicht in der gewünschten Menge das ganze Jahr zur Verfügung stehen”, sagte Heitlinger. Die dafür erforderlichen Äpfel seien richtig knapp. Nach aktuellem Stand könnten die fehlenden Mengen nicht durch Importe ausgeglichen werden.

In Deutschland werden pro Kopf und Jahr 7,5 Liter Apfelsaft den Verbandsdaten zufolge getrunken. Hinzu kommen noch 6 bis 7 Liter Apfelschorlen pro Kopf und Jahr. Bei Fruchtsäften insgesamt seien es 33 Liter: „Wir sind der Weltmeister im Pro-Kopf-Verbrauch”, meinte Heitlinger. Auch bei anderen Obstsäften, beispielsweise bei Kirsche, habe sich die Rohware verteuert, wenngleich nicht in dem Ausmaß.

(Von Volker Danisch, dpa)
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