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Ballsportarten: Diese Sportler sind auf dem Weg nach ganz oben

Was den Umgang mit Kugeln und Bällen unterschiedlichster Größe angeht, bieten gleich mehrere heimische Teams hochklassigen Sport. Die Zuschauer honorieren dies – zum Teil sogar mit vierstelligen Besucherzahlen.
Camilla Grönberg ist eine der Senkrechtstarterinnen, die mit den Elangeni Falcons von der Tabellenspitze der 2. Bundesliga Süd grüßen. Foto: Heiko Rhode (Heiko Rhode) Camilla Grönberg ist eine der Senkrechtstarterinnen, die mit den Elangeni Falcons von der Tabellenspitze der 2. Bundesliga Süd grüßen.
Hochtaunus. 

Wer Sport auf allerhöchstem Niveau live erleben möchte, der hat im Hochtaunus das nächste Mal am Samstag, 13. Januar, nach dem Mittagessen die Chance dazu. Dann rollen von 14 Uhr an in der Oberstedtener Taunushalle wieder drei Kugeln: in Weiß, in Rot und in Gelb. Die Queue-Spezialisten des Billard-Clubs Oberursel treten in der Mehrkampf-Bundesliga gegen Krefeld an.

Das Team um Jens Haimerl ist der einzige Erstligist, den der Sportkreis derzeit zu bieten hat, und die Karambolage-Könner schicken sich an, sich für eine weitere Saison in der Beletage zu qualifizieren. Der Außenseiter konnte schon drei Mal punkten und liegt als Siebter unter neun Bundesligisten voll im Soll.

Keine Würfe mehr im Oberhaus: Eric Herman (Hornets). Bild-Zoom Foto: Marcel Lorenz
Keine Würfe mehr im Oberhaus: Eric Herman (Hornets).

Die trotz ihrer beachtlichen Fähigkeiten wenig beachteten Präzisionssportler aus der Brunnenstadt sind also so etwas wie die letzten Mohikaner im Hochtaunus. Dabei wird der „Wilde Westen“ des Sports hier so vielfältig wie nur in wenigen Landkreisen sonst abgebildet. Dementsprechend schafften es in den Vorjahren auch immer wieder Mannschaften aus den, von manchem abwertend als Randsportarten bezeichneten, Disziplinen, sich in den Mittelpunkt des Interesses zu spielen – und ganz nach oben.

Jedoch sind die Bundesliga-Kapitel sowohl in der Badminton-Abteilung der SG Anspach als auch bei den Baseballern der Bad Homburg Hornets erst einmal zu Ende erzählt. Und es sieht auch nicht wirklich nach einer Fortsetzung aus.

Die „Hornissen“ hat es nach acht Bundesliga-Jahren nicht nur sportlich erwischt, das Präsidium hatte sich auch aus wirtschaftlichen Gründen dazu entschieden, nicht mehr der zweigeteilten höchsten deutschen Spielklasse anzugehören. Mussten die Hornets seit jeher um die Gunst des Publikums kämpfen, ist der Abstieg vor allen Dingen schade für die vielen talentierten Jugendlichen. Sie werden in dem Bad Homburger Verein exzellent gefördert. Um einmal groß rauszukommen, müssen sich die jungen Pitcher und Batter jetzt anders orientieren, beispielsweise zum großen Konkurrenten Mainz Athletics, dem deutschen Meister von 2016.

Was Sport auf allerhöchstem Niveau anbelangt, schicken sich aber gleich mehrere Mannschaften im Hochtaunus an, den Billard-Cracks aus Oberursel nachzueifern. Die Elangeni Falcons können als Senkrechtstarter dieses regionalen Sportjahres bezeichnet werden. Die Basketballerinnen der Homburger TG erreichten in der Vorsaison erstmals das Playoff-Halbfinale der 2. Bundesliga Süd und grüßen nach der ersten Halbserie strahlend von der Tabellenspitze.

Will ihren TSGO-Mädels bald wieder helfen: Nadine Okrusch. Bild-Zoom Foto: Heiko Rhode (Heiko Rhode)
Will ihren TSGO-Mädels bald wieder helfen: Nadine Okrusch.

„Oben mitspielen“, lautete die Zielsetzung des Managements freilich schon. Doch wenn tatsächlich die Meisterschaft gelänge und damit das Aufstiegsrecht erworben würde, müsste die Erfolgsstory im Feri-Sportpark komplett neu gedacht werden. Der Verein beschäftigt zwar für kleines Geld vier professionelle Spielerinnen aus dem Ausland, doch würde sich der zeitliche und finanzielle Aufwand in der Bundesliga nochmals deutlich erhöhen. Für Jay Brown, mit dem Team in acht Jahren zwei Mal aufgestiegen, aber auch Inhaber eines Sportfachgeschäftes, wäre das Pensum zum Beispiel kaum zu leisten, und nicht nur für ihn.

Auf Vollprofitum bereits umgestellt hat indes der TTC OE Bad Homburg, jedoch scheitert der schon nahezu erstligareif geführte Tischtennisclub aus Ober-Erlenbach bis dato an den finanziellen Voraussetzungen, die in der Bundesliga doppelt so hoch wären.

Es kann deswegen auch sein, dass die heimischen Sport-Fans sich bis zum nächsten Bundesliga-Aufstieg noch ein wenig gedulden müssen. Genau genommen drei Jahre, wenn die Footballer der Bad Homburger Sentinels so weitermachen wie bisher. Nach einer Saison ohne jegliche Pflichtspiel-Niederlage ist das Team um Quarterback und Präsident Tim Miscovich nun in der viertklassigen Oberliga angelangt. Erklärtes Ziel ist für den Zuschauerkrösus der Sportvereine im Hochtaunus (1000 Besucher im Durchschnitt) freilich die Bundesliga. Dafür müsste der junge, aber schon ziemlich bekannte Verein, der sich deshalb in der Off-Season vor neuen Spielern kaum retten kann, auch in seiner Struktur weiter wachsen.

An ihren Grenzen angelangt ist dagegen die Basketball-Abteilung des MTV Kronberg, die unter anderem ihr U-19-Team auf höchster Leistungsebene ins Rennen schickt. Die Männermannschaft besteht derweil aus reinen Amateuren und liefert sich dennoch mit einigen Konkurrenzen der viertklassigen 1. Regionalliga, die Profis beschäftigen, packende Duelle. Dank einer hervorragenden Quote von der Drei-Punkte-Linie ist der Ligaverbleib für die Schützlinge von Miljenko Crnjac absolut drin.

Die Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach schielen in einer neuen Frauenspielgemeinschaft mit vier Main-Taunus-Vereinen wieder nach oben, nachdem sich bereits nach vier Spieltagen Manager Gerhard Döll für den geschassten Trainer Slobodan Jankovic selbst auf die Bank gesetzt hatte. Mittlerweile hat Holger Hölzinger übernommen und mit den „Pirates“ vor Weihnachten Tabellenführer HSG Gedern/Nidda die erste Niederlage beigebracht. Die FSG überwintert in der 3. Liga Ost auf Rang sechs.

Gut möglich, dass es in der nächsten Saison dort erneut zu einem Taunus-Derby kommt. Die TSG Oberursel hat ihre acht Oberligaspiele nach dem Abstieg ungeschlagen überstanden, wird jedoch noch an den längerfristigen Ausfällen ihrer Leistungsträgerinnen Nadine Okrusch und Julia Buße zu knabbern haben.

Vom Verletzungspech verschont blieben indes weitestgehend die Orscheler Männer – und so spielen sie mit ihrer jungen Mannschaft, in denen eigene Talente zu Führungsspielern heranreifen, in der Landesliga Mitte eine gute Rolle. Vor allen Dingen in ihren Heimspielen überzeugen die Jungs von Trainer Kazimir Balentovic mit Tempohandball. Auch ein solches Szenario kann den Fan hoch erfreuen. Es muss nicht immer Bundesliga sein.

Thorsten Remsperger

hat vor mehr als 20 Jahren seine journalistische Laufbahn als Sportreporter begonnen und ist diesem so positiv behafteten Ressort immer verbunden geblieben. Beim Schreiben des Rückblicks war er wieder einmal begeistert von der sportlichen Vielfalt, die die Vereine im Hochtaunus zu bieten haben – gleichzeitig aber auch genervt, dass 2017 seit langer Zeit das erste Jahr war, in dem er selbst keinen Sport getrieben hat. Das muss sich dringend ändern.

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