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Wing Chun Kung Fu: Erst Klapse mit dem Rohrstock, dann lobendes Schulterklopfen

Wer bei einem der Besten seiner Zunft in die Lehre geht, der kann meist selbst weit kommen. Der Neu-Anspacher Kampfsportler Marc Debus ist ein gutes Beispiel.
Größen des Kampfsports: der Anspacher Marc Debus und Lo Man Kam. Größen des Kampfsports: der Anspacher Marc Debus und Lo Man Kam.
Neu-Anspach. 

Es mag vielleicht wie ein Klischee klingen, doch Ende November zeigte sich bei der Weltmeisterschaft im Wing Chun Kung Fu einmal mehr: Die Asiaten verstehen sich auf Kampfkunst. Fast sämtliche Medaillen gingen in Foshan (China) an Teilnehmer aus dem asiatischen Raum.

Allerdings: In der Kategorie der traditionellen Handformen gab’s die große Ausnahme. Platz drei entfiel an einen Deutschen – an einen Neu-Anspacher: Marc Debus, Leiter des Kampfsportvereins Hochtaunus. „Damit habe ich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht gerechnet“, gesteht er ein. Aufgrund der unglaublichen Teilnehmerzahl der WM habe er im Vorfeld keinen einzigen Gedanken ans Treppchen verschwendet: Alleine in seinen Kategorien traten 800 Athleten aus 33 Nationen an. Bereits in den Vorrunden waren mehr als 3000 (!) Athleten ausgeschieden. Am Ende wurde Marc Debus dann zum besten Nicht-Asiaten des Events gekrönt.

Bruce Lee angelernt

Was in höchstem Maße erstaunlich anmutet, ist aber gar keine so große Überraschung. Debus versteht sein (Kampfkunst)-Handwerk, ging er doch einst bei einem der Weltbesten in die Lehre: Lo Man Kam. Der in Hongkong gebürtige, heute 84-Jährige war wiederum Schüler und Neffe des legendären Yip Man, der unter anderem auch Weltstar Bruce Lee unterrichtet hatte.

Als Debus in den 1990ern nach einer sportlichen Betätigung suchte, wurde er beim Wing Chun Kung Fu fündig. Schnell aber kam ihm eine ernüchternde Erkenntnis: In Deutschland gab es keine Lehrer, die ihm die Kampfkunst vollumfänglich hätten näher bringen konnten. „Ich habe dann lange Zeit Infos eingeholt, zu wem ich gehen könnte“, erinnert er sich, „immer hieß es, die Asiaten würden dich nicht nehmen. Und wenn, dann nur für viel Geld.“ Debus ließ sich nicht entmutigen und knüpfte den Kontakt nach ganz oben – zu Lo Man Kam. Da dieser 1996 ohnehin eine Europa-Reise geplant hatte, schaute er in Deutschland vorbei. Bezahlen musste Debus nur ein Flugticket und wurde nach einem ersten Beschnuppern als Schüler aufgenommen.

Wing Chun Kung Fu, oder: Wenn der Star Angst vor seinem ...

Formen und Gattungen der Kampfkunst gibt es viele, doch das Wing Chun Kung Fu zählt zu den bekanntesten. Dabei ist diese Form noch relativ jung: Erste schriftliche Aufzeichnungen datieren aus

clearing

Beim ersten Gegenbesuch in China folgte zunächst eine erneute Ernüchterung für den Lehrling aus Deutschland. „Anfangs ging es nur um die Formen“, berichtet Debus, „die ersten Tage habe ich praktisch nur dagestanden.“ Anweisungen oder Tipps vom Meister gab’s nicht. Dafür hin und wieder einen Klaps mit dem Rohrstock, wenn die Ausführung der Form nicht gewissenhaft vorgenommen wurde. Die strengen Lehrmethoden schreckten Debus nicht ab. Fast jedes Jahr kehrte er in der Folgezeit für mehrere Wochen zu Lo Man Kam zurück. 2007 wurde er von diesem mit zwei anderen Europäern sogar in die Familie aufgenommen.

Training bei 46 Grad

Diese Aufnahme in den inneren Kreis und das damit verbundene Recht, im Haus des Meisters zu leben, war eine große Ehre. „Wir waren die ersten Europäer, denen das gestattet wurde“, erklärt Debus, „wir waren stündlich in allen Nachrichtensendungen.“ Zum extremen Medienrummel kamen extreme äußere Bedingungen hinzu. Trainiert wurde auf dem Dach des Meisters, bei Temperaturen von bis zu 46 Grad. „Bei meinem ersten Besuch damals habe ich in nur zwei Wochen sechs Kilo abgenommen“, erinert sich Debus. Als er nun vor wenigen Wochen die Bronzemedaille errang, war selbstredend auch Lo Man Kam vor Ort. „Er war ganz happy“, so Debus, „zumindest für asiatische Verhältnisse.“ Ein Schulterklopfen vom Meister kommt fast schon einem Ritterschlag gleich.

Längst ist Marc Debus selbst zum Meister aufgestiegen. In seiner Kampfkunstschule mit Standorten in Neu-Anspach und Frankfurt unterrichtet er aktuell knapp 80 Schüler. Zudem vermittelt einer seiner ehemaligen Schützlinge in Eschborn weiteren 40 Kampfkünstlern alles über das Wing Chun Kung Fu.

Wer Interesse hat, erhält weitere Infos unter Telefon 01 77-248 5276 oder per E-Mail an marcdebus@lomankam.de. Keine Angst: Den Rohrstock muss unter Lehrer Marc Debus niemand fürchten.

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