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Bad Homburger Physiotherapeut Matthias Sauer: Seine Arbeit zahlt sich jetzt aus

Von Am Samstag wird Tim Pütz für Deutschland aufschlagen. Hinter dem 29-Jährigen liegt ein langer Leidensweg. Sein Physiotherapeut hat die Entwicklung bis zum Anruf des deutschen Teamchefs hautnah miterlebt.
Ein Bild vom Leidensweg: Im Januar 2016 arbeitet Tim Pütz (l.) in einer Bad Homburger Praxis mit Matthias Sauer an seinem Comeback. Foto: Heiko Rhode Ein Bild vom Leidensweg: Im Januar 2016 arbeitet Tim Pütz (l.) in einer Bad Homburger Praxis mit Matthias Sauer an seinem Comeback.
Bad Homburg.  Matthias Sauer hat Tim Pütz als höflichen Menschen kennengelernt. Deshalb wollte die Verhaltensweise des Usinger Tennisprofis an jenem Vormittag so gar nicht ins Bild passen. Anstatt pünktlich den Termin bei seinem Physiotherapeuten anzutreten, hing Pütz noch länger im Treppenhaus der Bad Homburger Praxis an seinem Mobiltelefon.

Weil auch Matthias Sauer ein höflicher Mensch ist, fragte er vorsichtig nach, weshalb Pütz denn diese Verspätung in Kauf genommen habe. „Mensch, Matthias“, schossen die Worte aus dem 29-Jährigen so heraus wie ein erster Aufschlag auf dem Court, „das war Michael Kohlmann.“ Der Kapitän des deutschen Davis-Cup-Teams habe ihn gebeten, sich für einen Einsatz im Relegationsspiel gegen Portugal bereit zu halten, fügte Pütz hastig hinzu. Das sei aber noch geheim und Sauer dürfe es auf keinen Fall jemandem erzählen.
Tim Pütz (l.), hier mit André Begemann, gilt als exzellenter Doppelspieler. Bild-Zoom Foto: CB (imago sportfotodienst)
Tim Pütz (l.), hier mit André Begemann, gilt als exzellenter Doppelspieler.

Inzwischen ist aus der ersten Anfrage vor rund zwei Monaten die ersehnte Realität geworden: Tim Pütz soll mit seinem angestammten Doppelpartner Jan-Lennard Struff in der wichtigen dritten von fünf Partien des Davis-Cup-Duells spielen – und am Samstag von 15.30 Uhr an im Abstiegskampf für Deutschland die Kohlen aus dem Feuer holen.

Das erfüllt nicht nur das Tennis-Ass, das in Frankfurt geboren und in Usingen aufgewachsen ist, mit Stolz, sondern auch seinen „Physio“. In der Praxis gegenüber dem Kurhaus hatte Pütz im Herbst 2015 bei null wieder angefangen. Eine Operation an der chronisch entzündeten Patellasehne machte den Neustart einer Karriere erforderlich, die Pütz bereits ins Hauptfeld der Grand-Slam-Turniere in Melbourne und Wimbledon und unter die besten 200 Spieler der Weltrangliste geführt hatte.
Geglückte Generalprobe in Genua

Die Generalprobe hat bestens geklappt: An der Seite von Jan-Lennard Struff sicherte sich der Usinger Tennis-Profi Tim Pütz den Turniersieg im Doppel bei den „Genova Open“.

clearing

„Tim hat sich in seiner langen Rehabilitationsphase natürlich viele Gedanken gemacht, auch über seine Karriere und sein Studium“, erzählt Sauer. Doch auch wenn er zunächst Stunden am Tag dem Muskelaufbau am operierten rechten Bein widmen musste, irgendwann wieder im Wasser begann, sich schneller zu bewegen und erst nach mehreren Monaten vorsichtig mit Sauer die ersten Tennisbälle schlug: An einem Tiefpunkt, nein, da sei Tim Pütz nie angelangt. Von Selbstzweifeln keine Spur.

Einstmals in einem Team

„Tim ist super professionell und sehr diszipliniert, nicht nur was die Reha hier, sondern auch die Übungen in Eigenregie betrifft“, erzählt Sauer. Gerne habe er ihn nach dem Comeback immer wieder darin bestärkt, an den Erfolg zu glauben, denn die notwendige Fitness sei eben nur die Voraussetzung dafür.

Über ihren Lieblingssport kennen sich die beiden schon lange. Als Jugendlicher spielte der inzwischen mehrfache deutsche Mannschaftsmeister einst wie Sauer beim TC Bergen-Enkheim. Als die OP anstand, hatte sich Pütz an seinen früheren Tenniskumpel erinnert und ihn angerufen. Was damals zu einer ähnlichen Überraschung bei Sauer führte, wie der erste „Call“ von Kohlmann bei Pütz.
 

Von der tatsächlichen Nominierung für das Spiel in Lissabon erfuhren kurioserweise sowohl Pütz als auch Sauer über Dritte. Der Tennisprofi aus den Medien, wie er im TZ-Interview unverblümt zugab, und sein „Physio“ über den letzten Patienten an jenem Dienstagabend. Er behandele ja jetzt einen Davis-Cup-Spieler, hörte Sauer diesen sagen. Freilich war die Wahrscheinlichkeit zu dem Zeitpunkt bereits sehr hoch, dass es bei Tim Pütz auf einen solchen Karrierehöhepunkt hinauslaufen würde.

Hoffen auf Boris

Für die Zukunft des deutschen Tennis ist der 41-jährige Bachelor auf Science in Physiotherapie übrigens ebenfalls guter Dinge. Mit Boris Becker habe der DTB nun einen Mann gewinnen können, der im Tennis eine absolute Respektperson sei. Die Worte des Weltstars fänden sicher Gehör. Beim lernfreudigen Tim Pütz sowieso.

Mit Freude verfolgte Matthias Sauer zuletzt die aufsteigende Leistungskurve des Frankfurters. Das stehe in engem Zusammenhang mit der Arbeit seines Coaches Carsten Müller und Konditionstrainers Dominik Labonté bei Eintracht Frankfurt. Labonte hat unter anderem auch schon mit Angelique Kerber zusammengearbeitet.

Neulich, als Pütz in Bad Homburg turnusmäßig checken ließ, ob die Oberschenkelmuskulatur in beiden Beinen gleichmäßig gut ausgeprägt ist, habe er sich mit Sauer darüber ausgetauscht, ob es wohl besser sei, bei einem Turnier in den Niederlanden zu starten oder in Genua zu spielen. Pütz entschied sich für die italienischen Sandplätze, weil er dort auch im Doppel mit Struff antreten konnte. Das deutsche Duo gewann, sicher auch motiviert durch Kohlmanns Nominierung (siehe kleiner Text).

Matthias Sauer hofft indes, dass der Teamchef die Telefonnummer von Tim Pütz noch öfters eingibt. Bei einem Davis-Cup-Spiel mit ihm wäre er ja schon gerne dabei. Am Samstag drückt der Physio seinem „Schützling“ aber aus der Ferne die Daumen. Auch wenn Tennis dem Mann viel bedeutet: Seine hochschwangere Frau geht vor.

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