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Fußball: Was Taunus-Kicker vom Videobeweis halten

Eine Halbserie ist seit Einführung des Videobeweises in der Bundesliga vergangen. Wir haben in den Hochtaunus-Vereinen ein Meinungsbild zur Umsetzung eingeholt und gute Vorschläge aufgenommen: von mehr Transparenz bis zur Team-Challenge.
26. August, Eintracht Frankfurt gegen VfL Wolfsburg: Schiedsrichter Benjamin Cortus zeigt den Videobeweis an und nimmt dann den Elfmeter für Frankfurt wegen Abseits zurück. Foto: (Heiko Rhode) 26. August, Eintracht Frankfurt gegen VfL Wolfsburg: Schiedsrichter Benjamin Cortus zeigt den Videobeweis an und nimmt dann den Elfmeter für Frankfurt wegen Abseits zurück.
Bad Homburg. 

Schon immer sorgten Innovationen in allen Bereichen des Lebens dafür, dass sich zunächst klare Lager für und gegen die jeweilige Neuerung bildeten. So spaltet auch der zu Beginn der laufenden Bundesliga-Saison eingeführte Videobeweis die Fußballnation Deutschland. Die vielen Befürworter der Technologie plädieren vor allem für mehr Gerechtigkeit auf dem Rasen. Die Praxis weist aber mitunter eklatante Unzulänglichkeiten des Video Assistant Referees (VAR) auf, die den Standpunkt der Skeptiker weiter erhärten.

Die Fußballer, Trainer und Vereinsverantwortlichen im Hochtaunuskreis haben ebenfalls eine klare Meinung zum Thema Videobeweis. Die allermeisten sind dafür. Trotzdem sehen sie noch viel Verbesserungspotenzial, damit es zu einem harmonischeren Miteinander zwischen Fußball-Nostalgikern und Technik-Verfechtern kommt.

  Martin Schmidt (Trainer, Sportfreunde Friedrichsdorf): Der Coach der Sportfreunde ist „klar für den Videobeweis“ und hofft durch die konsequente Umsetzung auf „mehr Gerechtigkeit im Sport“. Kleine „Kinderkrankheiten“ gesteht der Kreisoberliga-Trainer der neuen Technik gleichzeitig noch zu: „Sicherlich ist der Videobeweis noch lange nicht vollends ausgereift und bietet großes Diskussionspotenzial. Aber es ist noch eine Testphase und in dieser sind Komplikationen normal.“ Die Verantwortung sieht er ganz klar bei den Verantwortlichen hinter den Kulissen und betont, dass „klarere Definitionen geschaffen werden müssten und keine Grauzonen bezüglich des Zuständigkeitsbereich des Videoschiedsrichters gewährt werden dürften“.

  Maurice Privat (Trainer, 1. FFV Oberursel): Der Coach der Oberurseler Fußballerinnen gesellt sich eindeutig auf die Seite seines Friedrichsdorfer Kollegen. „Ich befürworte das Instrument des Videobeweises im Grunde. Es dient meinem Verständnis zufolge der Vermeidung von Nachteilen und hieraus resultierenden Ungerechtigkeiten“, sagt Privat. Optimiert werden müsse in seinen Augen aber unter anderem der Zuständigkeitsbereich des Videoschiedsrichters. „So könnte zum Beispiel das Eingreifen auf Tore und Strafraumszenen begrenzt werden, um nicht bei jeder Spielszene eine nachträgliche Unterbrechung fürchten zu müssen. Auch würde es helfen, die auszuwertenden Bilder im Stadion zu zeigen, so dass der Entscheidungsprozess transparenter wird.“

Diese Aspekte sieht der Jurist indes als Justage, „die erst und nur in der praktischen Umsetzung zu entwickeln sein dürfte“ und appelliert darüber hinaus an die Geduld und Toleranz „eben auch im Hinblick auf die von den Gegnern des Videobeweises so oft als dazugehörend empfundenen Fehler und Fehlentscheidungen“.

Fünf Beispiele von strittigen Szenen

Die Sportredaktion der Taunus Zeitung hat eine kleine Auswahl von „Best und Worst Practices“ zusammengestellt, also Szenen, in denen der Videoassistent hilfreich oder fehl am Platz war oder nicht befragt wurde.

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  Gregory Strohmann (Spielertrainer, SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach): Der Coach des souveränen Tabellenführers der Kreisliga A Hochtaunus sieht den Videobeweis als eine Art zeitgemäße Konsequenz. „Fußballregeln wurden im Laufe der Zeit immer den Entwicklungen angepasst, und daher stehe ich der technischen Unterstützung offen und positiv gegenüber“, erklärt Strohmann. Für ihn sind die Schiedsrichter, die durch den Videobeweis eigentlich zusätzliche Unterstützung erfahren sollen, immer noch „die ärmsten Säue auf dem Platz“, da sie als Sündenböcke für undurchsichtige Situationen herangezogen würden und fügt hinzu: „In dieser Lernphase wird es viele Präzedenzfälle geben, aus denen alle Beteiligten (Verband, Vereine und Schiedsrichter) die richtigen Schlüsse ziehen müssen. Auf lange Sicht wird eine hundertprozentige Sicherheit bei kniffligen Entscheidungen wahrscheinlich auch mit dem Videobeweis nicht erreicht. Doch zumindest werden gravierende Fehlentscheidungen deutlich reduziert und machen das Spiel insgesamt gerechter.“

  Daniel Maric (Spieler TuS Merzhausen): Auch Merzhausens Kapitän stellt sich klar auf die Seite des technischen Fortschritts im Fußball-Oberhaus: „Er (der Videobeweis) macht das Spiel gerechter. Da das Geschehen auf dem Platz immer schneller wird, muss man den Schiedsrichtern Hilfestellungen an die Hand geben.“ Der Spielführer des Gruppenligisten bekräftigt seine Meinung, indem er auf das große Potenzial verweist, die die Neuerung mit sich bringen würde. Maric ist sich sicher, dass „mit dem Videobeweis offensichtliche Fehlentscheidungen, die große Auswirkungen auf Vereine, Spieler und Fans haben können, umgehend korrigiert werden können“.

Doch auch der Merzhausener Spieler zeigt sich mit der Umsetzung unzufrieden und gibt klare Beispiele zur Optimierung. „Für mich macht der italienische Ansatz Sinn, bei dem der VAR im selben Stadion sitzt und dem Hauptschiedsrichter assistiert. Eine Videozentrale ohne Transparenz wie in Köln braucht es nicht“, behauptet Maric. Er plädiert darüber hinaus für mehr Transparenz gegenüber dem Publikum auf den Rängen. „Hat der Unparteiische eine Entscheidung getroffen, sollte vor allem den Zuschauern im Stadion diese kurz erklärt werden. Diese Praxis bestätigt sich vor allem in der amerikanischen Football-Liga NFL.“

  Metin Yildiz (Trainer, FSV Friedrichsdorf): Der Übungsleiter des Gruppenliga-Aufsteigers kann dem Videoassistenten zwar potenziell Gutes abgewinnen, hat gleichzeitig aber seine ganz persönliche Interpretation für eine reibungslose Umsetzung. „So wie es derzeit gehandhabt wird, ist es zu kompliziert und fehlerbehaftet. Trotzdem bin ich klar für den Videobeweis, der meiner Ansicht nach allerdings in Form einer Challenge umgesetzt werden sollte. Jedes Team sollte, ähnlich wie beim Tennis, pro Halbzeit einmal den Videobeweis anfordern dürfen. Der Schiedsrichter kann sich die Situation dann über den Bildschirm nochmals anschauen. Darüber hinaus sollte der Unparteiische selbst diese Challenge für Situationen nutzen dürfen, in denen er nicht hundertprozentig sicher ist. Der Videoassistent im Studio muss abgeschafft werden“, erklärt Yildiz.

  Andy Kumar (Spieler, FSV Steinbach): Ähnlich wie Yildiz sieht es der Abwehrrecke des B-Ligisten. Er hält eine Analogie zum indischen Nationalsport Cricket jedoch für sinnvoller. „Dort gibt es ebenfalls Unterstützung von einem sich am Bildschirm befindlichen Assistenten, den jedes Team drei Mal pro Match in Anspruch nehmen darf, wenn es sich in einer Situation ungerecht behandelt fühlt“, führt Kumar aus. Zwar sei er sich bewusst, „dass dies den Spielverlauf ebenfalls bremsen würde“, führt darüber hinaus aber an, dass „man die Unterbrechungen somit auf ein gewisses Maß eingrenzen könnte“.

  Hüseyin Güven (Sportlicher Leiter, TSV Vatanspor Bad Homburg): Eine klare Gegenstimme kommt indes vom Manager des Verbandsligisten. Güven, der Nostalgiker. „Ich bin klar gegen den Videobeweis“, sagt er. „Er verkompliziert unseren Lieblingssport unnötig und bringt mehr Konfusion als Aufklärung mit sich. Man sollte alles so belassen, wie es schon seit Jahrzehnten war“, sagt der TSV-Macher, der schmunzelnd ergänzt: „Die einzig positive Änderung, an die ich mich im Fußball erinnere, war die Einführung der Drei-Punkte-Regelung.“

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KOMMENTAR

"Der Videobeweis ist in Zeiten wie diesen alternativlos", sagt TZ-Sportchef Thorsten Remsperger.

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KOMMENTAR

"Der Videobeweis zerstört den Lieblingssport der Deutschen aber eher, als dass er ihm hilft. Von mehr Gerechtigkeit oder gar Attraktivität kann keine Rede sein", sagt TZ-Sportreporter Angelo Cali.

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