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Schulserie: 100 Prozent reichen – Lehrer sollten den Perfektionsanspruch runterschrauben

Elf Wochen Ferien im Jahr, nachmittags „frei“ – wenn Lehrer sagen, sie seien gestresst, ernten sie oft Häme und Spott. Doch genau diese fehlende, gesellschaftliche Anerkennung ist Teil des Problems. Und trägt dazu bei, dass die Burnout-Quote bei Lehrern besonders hoch ist.
Frankfurt/Wiesbaden. 

Wie viele Lehrer am Ende kapitulieren, weil ihre Seele die Reißleine zieht – genaue Zahlen gibt es dazu nicht. Experten gehen aber davon aus, dass bei 3 bis 5  Prozent der Lehrkräfte ein Burnout vorliegen könnte. „Wir wissen, dass Lehrkräfte besonders belastet und burnout-gefährdet sind“, sagt Sonja Stork (51), beim Staatlichen Schulamt in Wiesbaden zuständig für das Thema „Schule und Gesundheit“. Studien zufolge sind psychische und psychosomatische Beschwerden die Ursache für zwei von fünf gesundheitsbedingten Frühpensionierungen bei Lehrern.

Schulserie: Schule besser machen Bild-Zoom Foto: Ralph Stegmaier
Schulserie: Schule besser machen

Die Gründe sind laut Stork vielfältig: Das fängt an mit dem „hohen Berufsethos“ vieler Lehrer. „Die meisten geben deutlich mehr als 100  Prozent“, weiß die Expertin, die neben ihrer Tätigkeit beim Schulamt an einer Integrierten Gesamtschule in Wiesbaden unterrichtet. Auch „die Kränkungserfahrungen, die mangelnde Wertschätzung“ machten Lehrer auf Dauer krank.

Doch es sind auch die vielen täglichen Herausforderungen, die Lehrer belasten. Das zeigt sich, wenn das Staatliche Schulamt Lehrer zu ihrer Zufriedenheit im Job befragt. Hier spielen Themen eine Rolle wie Inklusion, der Umgang mit heterogenen Lerngruppen, aber auch die schlechte Ausstattung der Schulen, etwa bezogen auf den Schallschutz.

Lärm ist die Hauptbelastung

„Die Hauptbelastung in der Schule ist der Faktor Lärm“, weiß auch der Frankfurter Diplom-Psychologe Andreas Kahlow, der Stressmanagement-Kurse für Lehrer anbietet. Hinzu komme noch manch andere Belastung: Die Disziplinlosigkeit der Schüler, die viele Verwaltungsarbeit, die Größe der Klassen, um nur ein paar zu nennen. Und dann sind da noch die hohen Erwartungen – der Lehrer an sich selbst, aber auch der Eltern an die Lehrer.

Das ist auch deshalb problematisch, weil sie die Gesundheit der Lehrkräfte nachweislich auf den Lernerfolg der Schüler auswirkt. „Insbesondere bei ,ausgebrannten‘ Lehrkräften ist die Qualität des Unterrichts vermindert“, erläutert der Arbeits- und Sozialmediziner Prof. Dr. Klaus Scheuch in einem Aufsatz zur Lehrergesundheit.

Schulserie: Schule besser machen
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Seit dem Jahr 2002 hat das hessische Kultusministerium die „Lehrergesundheit“ zum Thema gemacht. Seitdem gibt es Geld, mal mehr, mal weniger, damit sich die Staatlichen Schulämter besser um das körperliche und seelische Wohlbefinden ihrer Pädagogen kümmern können. Wer möchte, kann einen Stressbewältigungskurs absolvieren, für Schulleiter gibt es Schulungen, damit sie „psychische Gefährdungen“ besser erkennen.

Doch mit Kursen allein ist es nicht getan. Auch die Arbeitsbedingungen müssten sich ändern, betont Stork. „Die sind schwierig, es fehlt an allen Ecken und Enden.“ Nicht nur an Infrastruktur, sondern auch an pädagogischen Konzepten: „Wir müssen uns auf die neue Generation der Schüler einstellen. Die Bandbreite ist größer geworden. Wir unterrichten mit den Systemen von vorgestern die Schüler von heute.“

Schulleitungen müssen sich kümmern

Eine Schlüsselrolle beim Thema Lehrergesundheit kommt laut Stork der Schulleitung zu: Wie geht ein Schulleiter mit seinem Kollegium um? Weiß er, wie es seinen Leuten geht? Gewährt er Freiräume für eigene Ideen? „Eine Schulleitung muss dem Kollegium vertrauen“, betont Stork. Und sie muss darauf achten, die Belastung fair zu verteilen. Das gelte vor allem bezogen auf die jungen Kollegen. „Sie kommen frisch und motiviert aus der Ausbildung und kriegen dann häufig die schwierigsten Klassen“, kritisiert Stork.

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Letztlich komme es aber auch auf den einzelnen an und darauf, wie achtsam er mit sich selbst umgeht. „Ruhig mal den Perfektionsanspruch ein wenig runterschrauben. 100  Prozent reichen, es müssen nicht 150  Prozent sein“, rät Stork.

Kahlow hat noch weitere Tipps: Ein gutes soziales Netzwerk spielt laut dem Psychologen bei der Stressbewältigung eine entscheidende Rolle – beruflich wie privat. Extrem wichtig sei es für Lehrer zudem, Berufliches und Privates zu „entgrenzen“. Zwar müssten sie einen Teil ihrer Arbeit zu Hause erledigen, dafür sollten sie sich aber unbedingt feste Zeiten einrichten. „Und diese auch einhalten.“

 

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