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Gegen Fluglärm: Anwohner versammeln sich zum 250. Mal zur "Montags-Demo"

Weit mehr als 1000 Teilnehmer haben gestern am Frankfurter Flughafen erneut gegen Fluglärm und Umweltverschmutzungen protestiert. Die Demonstranten fühlen sich von der schwarz-grünen Landesregierung und vom Flughafenbetreiber übergangen.
Jeden Montag dasselbe Bild: Vom Fluglärm entnervte Bürger auf der wöchentlich wiederkehrenden Demonstration im Terminal 1.
Frankfurt. 

Brunhilde Lehle ist sauer. „Der Sommer ist eigentlich die Jahreszeit, in der man gerne mit einem guten Buch im Garten sitzt“, sagt sie. „Aber das geht nicht.“ Stattdessen hält Lehle tagsüber Türen und Fenster geschlossen, „zu Hause einmummeln“ nennt sie das. Der Grund sind die Flugzeuge, die auf ihrem Weg zum Frankfurter Flughafen tagtäglich über Lehles Haus hinwegfliegen. Die Mühlheimerin fühlt sich von dem Lärm dermaßen belästigt, dass sie bereits gesundheitliche Beschwerden an sich feststellt. „Ich bin ständig gereizt, fast schon aggressiv“, erzählt sie. „Das liegt schlicht und ergreifend am Schlafmangel.“

Das Problem Feinstaub

Der resultiert laut Lehle aus dem Fluglärm. Frühmorgens, manchmal schon vor 5 Uhr, steuert der erste Flieger den Flughafen an und weckt Lehle aus dem Schlaf. Neben dem Schlafentzug beschäftigt Lehle jedoch ein weiteres Gesundheitsrisiko: Die Umweltbelastungen, die der Flugverkehr über ihrem Kopf verursacht. „Keinen interessiert der Feinstaub, der auf uns herunterrieselt. Wir machen uns Gedanken über Dieselautos, aber über die Flugzeuge redet kaum einer“, empört sie sich. Deshalb steht sie an diesem Montagabend hier, in der Abflughalle 1 B am Frankfurter Flughafen, und bläst in ihre Trillerpfeife. Lehle will aufrütteln, auf die Lärm- und Umweltbelastungen durch den Flugverkehr aufmerksam machen.

Die 200. Montagsdemonstration gegen Fluglärm
Interview "Die Nachtflugregelungen gehen nicht weit genug"

Einst hat sich Frank-Peter Kaufmann gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens ausgesprochen. Heute ist der 70-Jährige flughafenpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag und sitzt seit 2013 im Aufsichtsrat von Fraport. Gespräch: Klaus Späne.

clearing

Allein ist Brunhilde Lehle dabei nicht. Mehr als 1000 Menschen sind gekommen, die meisten von ihnen aus Kommunen in unmittelbarer Umgebung des Flughafens: Maintal, Raunheim, Flörsheim. Seit sechseinhalb Jahren treffen sie sich hier, am gestrigen Montag ist es das 250. Mal gewesen. Die meisten von ihnen fühlen sich von der Politik alleingelassen.

Thomas Scheffler aus Flörsheim etwa. „Die Grünen und ihr Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir haben erst große Versprechungen gemacht und dann nur ein paar Pseudomaßnahmen ergriffen“, sagt der Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm. Auch in Flörsheim würden viele Anwohner gegen 5 Uhr morgens von den Flugzeugen geweckt, manchmal würde der letzte Flieger erst nach Mitternacht landen. „Das Nachtflugverbot wird laufend umgangen“, so Scheffler. Bestraft würden die Fluggesellschaften für ihre ständigen Verstöße nicht.

In Flörsheim haben sie zudem das Problem mit den Wirbelschleppen. Erst neulich sei eine Anwohnerin fast von einem herabfallenden Dachziegel erschlagen worden, erzählt Scheffler. Scheffler kennt viele Studien zu den gesundheitlichen Belastungen. Sie bestätigten Kreislaufbelastungen und ein erhöhtes Risiko von Herzinfarkten. Für ihn ist der Fluglärm vor allem eins: „Das ist Körperverletzung.“ Brunhilde Lehle ergeht es ähnlich. Auch sie sieht ihre Gesundheit gefährdet, und auch sie fühlt sich von der schwarz-grünen Landesregierung im Stich gelassen. „Es geht immer nur um Macht und Geld“, sagt sie. Wie Thomas Scheffler will sie weiter demonstrieren, gerade jetzt vor der Landtagswahl. Vielleicht, so sagt sie, wird sie selbst eine Eindämmung des Fluglärms nicht mehr erleben. Aber wenigstens ihre Enkel sollen einmal Ruhe vor den Fliegern haben.

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