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Wildwest: Autofahrer, Radler und Fußgänger im täglichen Kampf auf unseren Straßen

Von Radler werden von der Politik gefördert, sie sind ökologisch erwünscht, da ihre Fortbewegungsart umweltfreundlich ist. Aber immer mehr Fußgänger beschweren sich. „Wo bleiben die Fußgänger? Wir haben eine Fahrrad-Anarchie“, sagt etwa FNP-Leser Bernd Brücher. Wir haben die Interessen von Autofahrern, Passanten und Radlern gegenüberstellt.
Hart stoßen sich die Interessen von Passanten, Autos und Radlern im begrenzten Stadtraum. Foto: Rainer Rüffer Hart stoßen sich die Interessen von Passanten, Autos und Radlern im begrenzten Stadtraum.

Schweizer Straße, am Nachmittag: Ein Fahrradfahrer will auf die andere Straßenseite wechseln und kurvt halsbrecherisch direkt vor ein Auto, das scharf bremsen muss: „Sch...-Fahrradfahrer“, brüllt es aus dem offenen Wagenfenster über die ganze Straße.

Szenen wie diese spielen sich so oder ähnlich im Stadtverkehr täglich zu Dutzenden ab. Hemmungen fallen, Beschimpfungen nehmen zu. Manchmal scheint als sei der Wilde Westen zurückgekehrt, mit waghalsigen Cowboys hinter dem Steuer sowie auf dem Sattel und dem Fußvolk als Freiwild.

Autofahrer ignorieren Zebrastreifen, gefährden Radfahrer, und die wiederum nehmen keine Rücksicht auf Fußgänger und machen ihnen die Bürgersteige streitig. Sind Passanten also das letzte Glied in der Verkehrskette? „Ja, das sind sie“, sagt Bernd Irrgang, Vorsitzender des Bundes der Fußgänger. „Gerade ältere Leute trauen sich manchmal gar nicht mehr auf die Straße. Mehr Angst also vor Autos, die sie einschätzen können, haben sie vor Fahrradfahrern, die sich an gar keine Vorschriften mehr halten.“ Irrgang glaubt, dass das ökologisch gute Gewissen bei manchem Radler dafür sorgt, dass er die Verkehrsregeln ignoriert.
Susanne Neumann, Pressesprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), hält dagegen: „Schwarze Schafe gibt es unter all den Gruppen.“ Aber man könne wirklich nicht sagen, dass sich Radler besonders schlecht benähmen.

Dennoch: Um Fahrradfahrer zu mehr Vorsicht (und Haftpflicht) zu bewegen, fordert Irrgang Kennzeichen für Radler. Das hält Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling im Moment für unrealistisch. Eine Stadt könne das ja nicht im Alleingang entscheiden, so der SPD-Politiker. „Oder sollte man dann etwa Offenbacher Radler ohne Kennzeichen nicht hineinlassen?“ Ein Gesetzespflicht gehe also nicht ohne die Bundesebene. Und ein entsprechender Vorstoß sei zurzeit nicht absehbar, so Oesterling.

Er ist auch dagegen, im Verkehrsringen einer Seite den Schwarzen Peter zuzuschieben. Da der SPD-Politiker von Amts wegen die Interessen aller bedenken muss, sieht er den Konflikt fast philosophisch: „Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer begegnen sich nun mal in einem begrenzten Raum bei wachsender Bevölkerung. Das führt zu Konflikten.“ Wie sehr das zutrifft, kann man eben wunderbar an Einkaufsmeilen wie der Schweizer Straße studieren. Hier gibt es neben den drei Interessengruppen noch Trams, Bäume, die ja für die Luft wichtig sind, Lieferverkehr und Parkplätze für Leihräder. Auch über diese beschweren sich die Ladenbesitzer, weil sie wichtigen Parkraum nähmen, also Kunden kosteten.
Um die Situation zu entspannen, müssen intelligente stadtplanerische Konzepte her, weiß Oesterling.

Gibt es auch pragmatische Lösungen, die das Verhältnis zum Beispiel von Radfahrern und Fußgängern entkrampfen könnten? Wie wäre es zusätzlich zur von Radlern erhobenen Forderung nach mehr Radwegen mit einer Plicht, diese auch zu benutzen? Davon hält Susanne Neumann nichts, denn so würde man auch Kinder und Ältere vom Bürgersteig auf die gefährlichere Straße zwingen. Überhaupt warnt sie davor, die Interessen der Radler zwischen denen der Fußgänger und Autofahrer zu zerreiben.

Thomas Kramer, Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen, appelliert an die Vernunft und Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer. Für „nicht zielführend“ hält er Forderungen „nach einem absoluten Vorrang für einen Teil der Verkehrsteilnehmer, die keine Rücksicht auf die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse und Fähigkeiten nehmen. Ein Schelm, der dabei an Radfahrer denkt. Kramer hat aber noch zwei andere neue Gefahrenquellen ausgemacht, die den Verkehr in den letzten Jahren konfliktreicher haben werden lassen, aber von der Stadtplanung nur bedingt beeinflusst werden können: „Der immer größere Zeitdruck, unter dem viele stehen und vor allem das Smartphone als Ablenkung.“

Das stimmt. Verkehrsteilnehmer aller drei Kategorien gefährden sich und andere immer öfter durch Ablenkung mit dem Blick aufs Handy.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was die Autofahrerin sagt

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