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Landesteam bei den Meisterschaften: Baywatch auf Hessisch: So macht Sarah Enders die Rettungsschwimmer fit

Von Sie sind immer braun gebrannt und laufen in Zeitlupe über den Strand – Rettungsschwimmer, das ist doch wie bei Baywatch? Sarah Enders ist ein Lifeguard, zuständig bei der DLRG Hessen für Meisterschaften im Rettungsschwimmen. Besuch bei einer ganz normalen Lebensretterin.
Sarah Enders mit Rettungspuppe beim Schwimmkurs am Beckenrand.
Friedrichsdorf. 

Der kleine Sden paddelt konzentriert durchs Wasser, „du schaffst das!“ motiviert Sarah Enders den Vierjährigen, und in der Tat: Der kleine Mann absolviert mit Bravour sein Seepferdchen. Zehn bis zwölf „Minis“ ziehen gerade Bahnen im Friedrichsdorfer Freibad, trainieren Kraul-Beinschlag oder Brustschwimmen. Sarah Enders, braun gebrannt und in der roten Kleidung der DLRG, lässt den Blick übers Wasser schweifen. „Man guckt ja doch immer ein bisschen, ob noch alle Köpfe über Wasser sind“, erzählt sie schmunzelnd von ihrem Urlaub, „das kann man nicht wirklich abschalten.“

Sarah Enders ist Rettungsschwimmerin bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), und das, erzählt sie, irgendwie schon ihr ganzes Leben lang. Die Eltern waren in der DLRG Baunatal, „ich bin am 23.5.1981 geboren und zum 1.6.1981 Mitglied geworden“, sagt sie. Es ist Familientradition, ihre eigenen Zwillinge wurden gleich mit der Geburt Mitglied in der DLRG, bei Enders Mann war es genauso. Die Lebensretter – sie sind eine große Familie.

Die Lifeguards – seit der Kultserie Baywatch weckt das Bilder von muskelbepackten Schrankmännern, sexy Blondinen in knappen Bikinis und jeder Menge Rettungs-Action. Rote Kleidung trägt Sarah Enders auch, braun gebrannt ist sie ebenfalls – ansonsten aber kommt die 36 Jahre alte Grundschullehrerin eher beherrscht-sachlich daher. „Der Schwimmsport und die Idee, jemandem zu helfen, das ist in unserer Gesellschaft nicht unbedingt verkehrt“, sagt sie. Tough ist vielleicht so ein Wort, das einem zu der 1,65 Meter kleinen Frau einfällt.

Sarah Enders’ Element ist das Wasser, von klein auf. Vom Drei-Meter-Turm springt sie, bevor sie schwimmen kann. „Ich bin dann eben unter Wasser zum Beckenrand gepaddelt“, erzählt sie. Mit Wettkämpfen beginnt sie, als sie acht Jahre alt ist, bis zum Alter von 23 Jahren nimmt sie regelmäßig an Meisterschaften teil. Nur dass es dabei nicht einfach um Brustschwimmen oder Freistil geht: „Wir haben 50 Meter Retten und müssen dabei eine orangene Schlepppuppe zuerst hochholen und dann abschleppen“, erklärt Enders.

Andere Disziplinen sind 50 Meter Flossenschwimmen oder Hindernisschwimmen, bei dem die Teilnehmer unter Hindernissen durchtauchen müssen. Im Jahr 2000 war Enders Vizemeisterin in Hessen im Mehrkampf. Fast unnötig zu erwähnen, dass sie sämtliche Schwimmabzeichen absolvierte – „bis auf das Goldene Rettungsschwimmabzeichen“, sagt sie lachend, „das braucht man gar nicht so richtig für die Lizenzen.“

50 Prozent Technik

Rettungsschwimmen – das ist eine ganz eigene Sportart mit eigenen Meisterschaften, sogar ein Teil der World Games sind die Lifesaver, wie sie internationale heißen. „50 Prozent sind eigentlich Technik“, sagt Enders. Seit 2010 betreut sie das hessische Team bei den Deutschen Meisterschaften im Rettungsschwimmen, seit 2011 ist sie die Beauftragte der DLRG Hessen im Rettungssport.

Wie viele Menschen sie so schon das Leben gerettet hat – Enders kann es gar nicht genau sagen. Als Jugendliche und während des Studiums arbeitete sie als Schwimmaufsicht im Schwimmbad in Baunatal, erlebte öfters Kinder, die im Wasser untergingen – weil die Schwimmflügel nicht richtig aufgepumpt waren oder Eltern ihre Kleinen „mal kurz“ am Beckenrand sitzen ließen. „Da konnte man dann direkt hinterhergreifen“, sagt Enders, ganz gelassen.

Seit 2005 ist sie Teil des Teams der DLRG Schulungsstätte Hessen Nord und Rettungsstation am Edersee, jedes zweite oder dritte Wochenende verbringt sie an dem großen Binnengewässer. „Wir haben nebenan direkt eine Segelschule, die „sichert“ schon die eine oder andere Kenterung“, sagt Enders. Dann geht es mit dem Rettungsboot raus auf den See.

Viele Einsätze verursachen ansonsten Erwachsene, die sich beim Schwimmen überschätzen. „Einmal quer über den See, das sind bei uns 850 Meter, es sieht aber nicht so weit aus“, sagt sie. Sie selbst schwimmt schon mal am Morgen einmal durch den Edersee, „aber immer mit Gurtretter“, betont sie – der leuchtend orange Rettungsgurt sorge auch dafür, dass die Köpfe der Schwimmer auf dem Wasser besser zu sehen sind.

Vor zehn Jahren zog Enders zu ihrem Mann nach Friedrichsdorf, zwei Schwimmkurse und drei Trainingsgruppen hält sie hier pro Woche – alles neben ihrem Fulltime-Job als Grundschullehrerin. „Es ist schon wichtig, dass man einen Partner hat, der die Begeisterung für das Engagement verstehen kann“, sagt sie. Gibt es Männer, die Probleme mit ihr als Frau haben? „Das war eigentlich nie ein Problem“, sagt Enders, „man hat schon Respekt uns gegenüber.“

Köpfe immer im Blick

Einmal, im Spanienurlaub, war es, als ihr Bruder sagte: „Oh, guck mal, ich glaube, da geht gerade jemand unter.“ Ein älterer Mann versank im Meer, Enders schwamm raus und holte ihn an den Strand zurück. „Ich habe dann die Wiederbelebung gemeinsam mit zwei anderen gestartet, bis die Sanitäter kamen“, sagt sie – der Mann dürfte ihr sein Leben verdanken. Wie gut, dass Sarah Enders immer die Köpfe im Wasser im Blick hat.

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