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Kriminalität: Bundesweite Razzia gegen Schleuser

Eine Scheinehe als Eintrittskarte nach Europa. Auch diesen Weg nutzen Menschen aus anderen Ländern, um ins vermeintliche EU-Paradies zu kommen – und zahlen dafür an Schleuser viel Geld.
Symbolbild Foto: dpa Symbolbild
Frankfurt. 

Wegen Scheinehen ist die Polizei gestern in mehreren Bundesländern gegen Schleuser vorgegangen – unter anderem auch in Hessen. Nach Angaben der Bundespolizei wurden 27 Wohnungen und Geschäftsräume zudem in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg durchsucht. Der Schwerpunkt lag im sächsischen Eilenburg und in Hettstedt in Sachsen-Anhalt, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Hunderte Beamte waren im Einsatz. Weitere Durchsuchungen gab es in Frankfurt, Leipzig, Chemnitz, Wurzen, Stuttgart und Wuppertal. Laut Bundespolizei wurden zahlreiche Beweismittel beschlagnahmt, darunter Heiratsurkunden, SIM-Karten und Mobiltelefone. Zudem stellten die Beamten sechs Inder fest, die sich unerlaubt in Deutschland aufhielten. Die Hauptbeschuldigten sind zwei Inder im Alter von 40 und 47 Jahren und ein Mann aus Pakistan (25). Ihnen wird vorgeworfen, Landsleuten mit gefälschten Heiratsurkunden die Einreise und den Aufenthalt in der EU ermöglicht zu haben. Die gefälschten Urkunden sollen in Zypern ausgestellt worden sein. Zudem sollen die Tatverdächtigen weitere Scheinehen zwischen EU-Bürgern und Indern beziehungsweise Pakistanis in Dänemark organisiert haben.

Gefälschte Dokumente

„Darüber hinaus wurden fingierte Vermieterbestätigungen und Arbeitsverträge zur Vorlage bei den Meldebehörden eingesetzt. In der Folge wurde den Geschleusten auf Grundlage der falschen Dokumente eine EU-Aufenthaltskarte ausgestellt“, gab die Bundespolizeidirektion Pirna bekannt. Damit hätten die Personen dauerhaft in Deutschland verbleiben können. Für die Schleusungen wurden pro Person zwischen 15 000 Euro und 22 000 Euro verlangt.

Im Rahmen einer „Rundumversorgung“ habe man die Geschleusten nach der Einreise auch bei Behördengängen begleitet, hieß es weiter. Die fiktiven Ehepartner hätten ihren Lebensmittelpunkt zumeist im osteuropäischen Ausland gehabt. Insgesamt würden sich die Ermittlungen gegen 34 Personen richten. Die Anzahl der Verdachtsfälle befinde sich aktuell im zweistelligen Bereich. Man erwarte mit Fortgang der Ermittlungen aber weitere Fälle.

„Irreguläre Migration nach Deutschland findet auch und mit großem organisatorischen Aufwand durch die Vermittlung von Scheinehen statt“, erklärte Polizeioberrat Markus Pfau von der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung in Halle. Sie führt die Ermittlungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Leipzig: „Die Möglichkeiten der EU-Freizügigkeit werden ausgenutzt. Die Gewinnspanne für Schleuser ist dabei enorm.“ dpa

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