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Verdächtiger Schwalbacher Manfred S.: Der Serienmörder von nebenan

Von Manfred S. war äußerlich das, was man einen unbescholtenen Bürger nennt. Dass er fünf Prostituierte und vielleicht noch weitere Menschen getötet haben soll, können die Verwandten und Freunde nicht glauben.
Manfred S. könnte mit allen diesen Mordfällen zu tun haben. Die Soko nennt sich „Alaska“, weil dort einst ein Serientäter nach ähnlichem Muster vorgegangen war. Foto: Maik Reuß Manfred S. könnte mit allen diesen Mordfällen zu tun haben. Die Soko nennt sich „Alaska“, weil dort einst ein Serientäter nach ähnlichem Muster vorgegangen war.
Frankfurt. 

67 Jahre alt war Manfred S., als er im August 2014 starb. Dass der mutmaßliche Serienmörder bis zu seinem Tod und dem anschließenden Fund einer zerstückelten Frauenleiche in seiner Garage als ganz normaler Familienvater galt, bestätigte gestern auch Frank Herrmann, Ermittler der Frankfurter Polizei: Nach außen hin habe S. „ein ganz normales, angepasstes Leben“ geführt, sagte der Kriminalist.

Manfred S. habe außer seiner Frau, die etwa ein halbes Jahr vor ihm starb, auch eine Tochter gehabt. Er sei in die Gesellschaft integriert und musisch begabt gewesen. Über Jahrzehnte hinweg habe er mit einem Kompagnon eine Firma für Garten- und Landschaftsbau und für Haushaltsauflösungen und Entrümpelungen gehabt. Ein Alkoholproblem, das einige Jahre bestanden habe, sei nach einem Klinikaufenthalt schnell im Griff gewesen. Polizeilich habe es jedenfalls keine Vorerkenntnisse zu S. gegeben, sagte Herrmann. „Ohne den Fund in der angemieteten Garage wären wir wahrscheinlich nicht auf ihn gekommen.“

Dass der dem Anschein nach völlig unbescholtene Schwalbacher für mehrere sadistisch ausgeführte Tötungsdelikte verantwortlich sein soll, habe im Kreis der Familie und Bekannten niemand glauben können, berichtete Ermittler Herrmann weiter. Die acht Kriminalisten der Arbeitsgruppe (AG) Alaska, die das Landeskriminalamt (LKA) im Frankfurter Polizeipräsidium gegründet hat, gehen davon aus, „dass der Mann über viele Jahre hinweg ein perfektes Doppelleben geführt hat“.

Der Tatkreis des mutmaßlichen Serienmörders seien wohl Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet gewesen, teilten die Ermittler gestern mit. In die operative Fallanalyse – also die Suche nach weiteren ungeklärten Tötungsdelikten, die der mutmaßlichen Serie zuzuordnen sind – sei außer dem hessischen aber auch das bayerische LKA einbezogen worden.

 

Fünf „Hochrisiko-Opfer“

Die fünf Straßenprostituierten, die Manfred S. getötet haben soll, seien als solche „Hochrisiko-Opfer“ gewesen. Dass sich der mutmaßliche Serientäter auf sie quasi konzentrierte, könnte nach Angaben von Ermittler Herrmann auch mit deren „Verfügbarkeit“ auf dem Straßenstrich im Frankfurter Bahnhofsviertel zusammenhängen.

Der Mord an dem 13 Jahre alten Tristan Brübach falle erst einmal aus der Reihe, räumte Hermann ein. Wegen der großen Ähnlichkeiten bei der Tatbegehung, zu denen auch das Ausleben sexuell-sadistischer Phantasien zähle, sei der Fall aber in die Ermittlungen der AG Alaska einbezogen worden. Eine Parallele zwischen dem Fall Tristan aus dem Jahr 1998 und demjenigen der getöteten Prostituierten Gisela S. aus dem Jahr 1991 ist erstaunlich: In beiden Fällen stellte der Täter die Schuhe seines Opfers auf dessen Körper ab.

Serienmörder aus Schwalbach Schwalbach unter Schock

Es ist eine Wohngegend, wie es sie zu Tausenden in Deutschland gibt. Einfamilienhäuser reihen sich im Westen Schwalbachs aneinander. Manche Vorgärten sind hübsch gestaltet.

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Manfred S. Leichnam wurde exhumiert, die Ermittler konnten sechs von zehn Fingerabdrücken des Tatverdächtigen rekonstruieren. Mit dem blutigen Abdruck, der 1998 im Zusammenhang mit dem Fall Tristan gefunden wurde, ist keiner identisch. Dafür, dass S. Tristan getötet habe, gebe es „bislang keinen Beweis“, räumte Herrmann ein. Es sei aber „eine Spur, die interessant erscheint“.

Die Prostituierten Gudrun E. und Hatice E., die 1971 umgebracht wurden, arbeiteten nach Auskunft der Ermittler beide im Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum im Frankfurter Gutleutviertel. Manfred S.’ Ausbildungsstelle sei ganz in der Nähe gewesen. Ob er als Entrümpler im Seniorenheim tätig war und so mit den beiden späteren Opfern in Kontakt kam, müsse noch ermittelt werden.

„Für mich gilt immer noch die ...

Herr E. ist nicht gut zu sprechen auf den Medienrummel. Er ist auch nicht richtig gut zu sprechen auf die Polizei und das LKA. E. kannte Manfred S.

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Außer den fünf Prostituierten, die nach Einschätzung der AG Alaska sehr wahrscheinlich auf Manfred S.’ Konto gehen, prüfen die Ermittler noch einen Zusammenhang zu einer Reihe weiterer Fälle. Darunter sind auch die Morde an den Prostituierten Gabriel de H., Pia H. und Julia S., die mitunter ebenfalls schon viele Jahre zurückliegen. Diese Fälle weisen – wie auch der Fall Tristan – zumindest teilweise Ähnlichkeiten zu der mutmaßlichen Serie auf.

Bitte um Mithilfe

Das LKA bittet die Bevölkerung um Hilfe bei der Aufklärung der mutmaßlichen Serie. Die Ermittler wollen zum Beispiel wissen, wer Beobachtungen im Zusammenhang mit den Taten gemacht hat. Gefragt sind auch Menschen, die früher mit Manfred S. zu tun hatten oder ihn mit einem der späteren Opfer gesehen haben. Hinweise nimmt das LKA unter der Rufnummer (0611) 38383 oder per E-Mail an die Adresse alaska.hlka@polizei.hessen.de entgegen.

Peter Schmitt
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Niemals vergessen kann auch ein Journalist den Tag des Mordes an Tristan Brübach. Peter Schmitt arbeitete damals als Lokalredakteur für diese Zeitung, als er zur Berichterstattung an den Tatort kam.

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Bildern des möglichen Täters bei einer Pressekonferenz im hessischen Landeskriminalamt.
Gewaltpornos sichergestellt Serientäter war ein Sadist

Der mutmaßliche Serienmörder Manfred S. soll fünf Prostituierte und vielleicht auch den Schüler Tristan Brübach umgebracht haben. Die Taten verbindet, dass dabei sadistische Phantasien ausgelebt wurden.

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