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Austausch: Deutsches Azubi-System ist Exportschlager: Kooperationspartner in Hessen gesucht

Von Das duale Ausbildungssystem gehört zu den deutschen Exportschlagern. Auch die chinesisch-deutsche Fachhochschule in Tianjin setzt darauf und sucht einen Partner in Hessen. Die Delegationsreise von Thorsten Schäfer-Gümbel hat dort Hoffnungen geweckt.
Thorsten Schäfer-Gümbel blickt einem Auszubildenden über die Schulter, der an einer Drehbank der chinesisch-deutschen Fachhochschule in Tianjin im Rahmen eines dualen Ausbildungsprogramms arbeitet.
Tianjin. 

Mit der Schieblehre misst der chinesische Auszubildende den Durchmesser seines Werkstücks genau aus, bevor er es an der Drehbank bearbeitet. An diesem Mittag blickt ihm nicht etwa sein Chef kritisch über die Schulter, sondern ein Gast aus Deutschland. Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer Gümbel schaut sich mit seiner Delegation aus Deutschland an der deutsch-chinesischen Fachhochschule im nordchinesischen Tianjin um. Die Verantwortlichen der „Tianjin Sino-German University of Applied Sciences“ (TSGUAS) öffneten die Türen der Werkstätten sogar an einem Wochenendtag für die deutschen Gäste, denn sie hoffen auf Unterstützung.

Was Hessen von China lernen kann

Die TSGUAS ist das größte Kooperationsprojekt zwischen der chinesischen und der deutschen Regierung in der Berufsausbildung. Das Besondere an der Hochschule ist, dass sie das duale Ausbildungsmodell aus Deutschland übernommen hat und weiter vorantreiben möchte. Theoretisches Wissen und praktische Übungen werden gleichermaßen vermittelt.

Unternehmen wie Bosch und Siemens unterstützen das Ausbildungsprojekt, das ähnlich wie in Deutschland aus betrieblicher und schulischer Ausbildung besteht. Seit neuestem bietet die TSGUAS zudem Bachelor-Abschlüsse an und sucht für die Weiterentwicklung ihrer Programme eine Partnerhochschule in Deutschland.

Geringe Akzeptanz

Schäfer-Gümbel sagt zu, sich in Hessen um einen geeigneten Partner zu bemühen. Denkbar wären etwa die Fachhochschulen in Darmstadt, Gießen oder Frankfurt.

Zu den Ausbildungsschwerpunkten der Einrichtung in Tianjin gehören technische Qualifikationen in der Mechatronik oder Automatisierung.

700 Dozenten unterrichten auf dem modernen Campus mit Wohnheim 10 000 Studenten und 20 000 „Trainees“.

So erfolgreich wie das duale Ausbildungsmodell in Deutschland ist das System in China aber noch lange nicht. Das Problem: „Bei den Unternehmen gibt es noch wenig Verständnis für die Qualität der Abschlüsse“, berichtet Joachim Oermann, der als Dozent an der chinesischen Hochschule lehrt. Die Absolventen hätten daher oft damit zu kämpfen, dass sie nach der Ausbildung nicht ihren Abschlüssen entsprechend eingesetzt würden, sondern ein Mechatroniker eher als Autoverkäufer eingestellt werde.

„Der Weg zur Anerkennung der Abschlüsse in der chinesischen Wirtschaft wird ein langer sein“, meint auch Schäfer-Gümbel. Die technische Ausstattung sei kein Problem, die sei hochmodern. Es komme vor allem auf die Abstimmung der Ausbildungspläne auf die Bedürfnisse der Unternehmen an. „In Deutschland ist dafür ein Ausschuss aus Schulen und Unternehmen zuständig“, erklärt der stellvertretende SPD-Bundesvize. In China gebe es hierfür noch kein Modell.

Gute Jobaussichten

Es sei aber von offizieller Seite gewünscht, das Projekt weiter voranzutreiben, da in der alternden chinesischen Gesellschaft der Druck zu einer höheren Qualifizierung von Nachwuchskräften wachse.

Einen großen Vorteil hätten Absolventen der Hochschule in Tianjin schon jetzt: „Wer hier einen Abschluss erwirbt, genießt als Bewerber ein hohes Ansehen und hat gute Chancen, einen Job zu finden – wenn auch noch nicht immer auf der gewünschten Qualifikationsebene.

Von der gewünschten Kooperation mit einer Partnerfachhochschule in Hessen verspricht sich die TSGUAS auch Fortschritte in der Akzeptanz ihrer Abschlüsse bei internationalen Unternehmen.

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