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Insolvenz: Es geht um die Wurst: Retter für Schlachthof gesucht

Kasseler Metzger bangen um die Zukunft ihrer „Ahlen Wurscht”. Denn dem defizitären Kasseler Schlachthof droht das Aus. Ein Großteil des dort produzierten Fleischs dient der Herstellung der nordhessischen Spezialität.
Die Kasseler "Ahle Wurscht" ist durch die Insolvenz des Schlachtshofs gefährdet. Foto: Uwe Anspach/dpa Foto: Uwe Anspach (dpa) Die Kasseler "Ahle Wurscht" ist durch die Insolvenz des Schlachtshofs gefährdet. Foto: Uwe Anspach/dpa
Kassel. 

Angesichts der Finanznot des Kasseler Schlachthofs fürchten nordhessische Metzger um ihre „Ahle Wurscht”. Macht der Betrieb zu, müssten Fleischer auf weiter entfernte Schlachthöfe ausweichen, sagte Dirk Nutschan, Obermeister der Fleischerinnung Kassel am Mittwoch. Die Zeit für die traditionelle Warmverarbeitung der Wurst werde dann knapp. Der Kasseler Schlachthof steht seit einem Monat unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Er beliefert rund 60 Betriebe in der Region. Eine Investorensuche blieb bisher erfolglos.

Das Fleisch der „Ahlen Wurscht” wird traditionell warm verarbeitet. Zwei Stunden haben die Metzger dafür Zeit. Ein Großteil des Fleischs kommt aus dem Kasseler Schlachthof, in dem knapp 500 Schweine pro Woche geschlachtet werden. Der Betrieb ist mit seinen 14 Mitarbeitern klein und gegenüber großen Schlachtereien kaum konkurrenzfähig. Doch für Metzger, die „Ahle Wurscht” produzieren, ist die räumliche Nähe wichtig. Nahe Alternativen gibt es laut Nutschan nicht: „Die kleinen Schlachthöfe sind auf dem Land überall zugemacht worden”, sagt er.

Rettung könnte ein Investor bringen, der bis Ende Februar gefunden werden muss. Zwei Interessenten gebe es noch, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Simon Braun. Die Zeit laufe ihm aber davon: „Entweder wir finden jemanden oder wir müssen den Betrieb schließen.” Das Problem sei ein Investitionsstau. Seit Jahren mache der Schlachthof Verluste. Daher sei in das 40 Jahre alte Gebäude nichts investiert worden. Allein die Kosten für dringende Reparaturarbeiten schätzt Braun auf eine Viertelmillion Euro.

Die Verarbeitung des warmen Fleischs und die Tradition der „Ahlen Wurscht” sieht der Insolvenzverwalter als Vorteil des Schlachthofs: „Es würde Sinn machen, sich auf dieses Segment zu konzentrieren”, sagt Braun. Oder man brauche ein ganz anderes Konzept.

Retten könnten den Schlachthof laut Braun auch die Gesellschafter. Doch ausgerechnet die beiden größten Anteilseigner, die Stadt und der Landkreis Kassel, mit zusammen 94 Prozent fallen heraus. Zwar sagt Stadtsprecher Claas Michaelis: „Uns ist daran gelegen, eine Lösung zu finden.” Doch ein finanzielles Engagement ist nicht zu erwarten. Durch eine alte Vertragsregelung haben Stadt und Kreis kein Stimmrecht und keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik. Daher stehe man nicht in der Verantwortung, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn. Er geht davon aus, dass es die „Ahle Wurscht” trotzdem weiter gibt - ob mit oder ohne Schlachthof.

(dpa)

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