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Jutta W. Thomasius im Interview: Hier hilft Leberecht

Manche nennen sie „Mama Leberecht“. Jutta W. Thomasius ist tatsächlich das Gesicht der Leberecht-Stiftung. Die gemeinnützige Einrichtung hilft behinderten jungen Menschen. Seit 1949 werden alle Hilfsaktionen der Leberecht-Stiftung getragen von der Frankfurter Neuen Presse und ihren Regionalausgaben Taunus Zeitung, Höchster Kreisblatt und Nassauische Neue Presse. Die wichtigste Aktion der Stiftung ist die jährliche Sammlung auf der Frankfurter Freßgass’. Wie es dazu kam, schildert uns „Mama Leberecht“.
FNP-Urgestein Jutta W. Thomasius setzt sich für die  Leberecht-Stiftung ein. FNP-Urgestein Jutta W. Thomasius setzt sich für die Leberecht-Stiftung ein.
Rhein-Main. 

Wie begann es auf der Freßgass’?

THOMASIUS: Das war 1982. Die Leberecht-Aktion war längst in der Stadt etabliert, in der Öffentlichkeit aber wenig präsent. Meine Idee war es, die Aktion auf eine breite Basis zu stellen. Und so bauten wir ein winziges Zelt auf der Freßgass’ auf, ein Orgelspieler sorgte für weihnachtliche Musik.

Unser damaliger Verleger Werner Wirthle hat einen Riesen-Hefekranz Stück für Stück verkauft. Das Gebäck war von Bäckermeister Hans-Georg Müller gespendet worden. Müller hat seitdem kein einziges Mal gefehlt und war auch am Samstag wieder dabei.

Und wie ging’s dann weiter?

THOMASIUS: Die gelungene Freßgass’-Premiere brach schnell das Eis, die Sammlung wuchs rasant. Bereits beim zweiten Mal waren Prominente aus Politik und Gesellschaft dabei. Nicht zu vergessen die Fassenachter und die Theaterleute. Am vergangenen Samstag hat die Frankfurt Overall Jazz Gang ihr 25. Leberecht-Jubiläum gefeiert – ein besonderes Dankeschön dafür!

Wie lange sind Sie selbst schon dabei?

THOMASIUS: Das sind jetzt genau 60 Jahre. 1949 haben der damalige FNP-Lokalchef Richard Kirn und Redakteurin Madlen Lorei gemeinsam Weihnachtspäckchen für Flüchtlingskinder gepackt. Das war der Anfang. Ein Jahr später habe ich bereits mitgemacht. Da hieß die Aktion auch schon „Leberecht“ – so wie die beliebten Kolumnen von Richard Kirn unterzeichnet waren. Ich bin dankbar, dass von Anfang an alle Verleger und Chefredakteure unseres Hauses hinter der Leberecht-Stiftung standen.

Ist mal daran gedacht worden, den Stiftungsnamen zu ändern, wie das andere Hilfsaktionen getan haben?

THOMASIUS: Nein, nie! Zwar wurde das Logo im Laufe der Zeit mehrfach verändert, aber der Name selbst stand nie zur Debatte. Er hat auch so viel Inhalt und Aussagekraft, das geht nicht besser.

Welche Bedeutung spielt Leberecht in Ihrem Leben?

THOMASIUS: Wenn man die berühmten „Top Ten“ nimmt, dann ist Leberecht die klare Nummer 2. Über Platz 1 möchte ich nicht sprechen, das ist sehr privat.

Info

Jutta W. Thomasius: Ihr Leben

clearing

Was war das bewegendste Erlebnis für Sie im Laufe der 60 Jahre?

THOMASIUS: Das war in den 60er/70er Jahren, zurzeit des Contergan-Skandals. Damals habe ich erstmals Kinder ohne Arme und Beine gesehen, das ist nur schwer zu verkraften. Das Bild eines dreijährigen, blondgelockten Mädchens ohne Beine geht mir nie mehr aus dem Kopf.

Was freut Sie besonders bei den Sammlungen?

THOMASIUS: Ich bin immer wieder beeindruckt, was sich die Schulen für Behinderte so alles einfallen lassen, um auf der Freßgass’ präsent zu sein und Danke zu sagen.

Sind Sie mit dem Ergebnis der jüngsten Sammelaktion zufrieden?

THOMASIUS: Ich bin sehr zufrieden und glücklich. Und stolz auf die vielen Menschen, die auch diesmal wieder an unserer Seite standen. Traurig bin ich, weil immer mehr offensichtlich wohlhabende Menschen hochnäsig an unseren Sammlern vorbeigehen. Diesen Leuten fehlt das Gespür für Menschen in Not. Der Egoismus in unserer Gesellschaft nimmt erschreckend zu.

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