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Verein aus dem Vogelsberg: Operation Tierschutz

Die „Streunerhilfe Bulgarien“ mit Sitz im hessischen Antrifttal will notleidenden Tieren zu einem würdigen Dasein verhelfen. Nun eröffnet der Verein ein Kastrationszentrum.
Bilder > Vereinsgründerin Martina Ruseva mit drei ihrer Schützlinge.
Antrifttal. 

Angefahrene oder angeschossene Hunde, vergiftete oder mit Säure übergossene Katzen: Als Gründerin des Vereins „Streunerhilfe Bulgarien“ weiß Martina Ruseva um die Not der vielen Hunde und Katzen in ihrem Heimatland. Wie in anderen Städten Südosteuropas führen auch im bulgarischen Plovdiv, der Heimatstadt Rusevas, viele Tiere ein elendes Leben auf der Straße. Denn Fürsprecher haben sie nur wenige. „Tiere werden dort als störende Objekte betrachtet, die es zu bekämpfen gilt“, erklärt die engagierte Frau, die auch Vorsitzende des Vereins mit Sitz im Vogelsbergkreis ist.

Den hungernden und oft kranken oder verletzten Vierbeinern zu helfen– das haben sich die rund 60 ehrenamtlichen Tierschützer der Streunerhilfe auf die Fahnen geschrieben: Die Hälfte der aktiven Mitglieder unterstützt den Verein von Deutschland aus, die andere Hälfte ist vor Ort in Plovdiv im Einsatz. Dort hat der Verein in den vergangenen Jahren eine Hunde-Auffangstation und ein Katzenheim aufgebaut. 35 Stunden investiert Martina Ruseva pro Woche ehrenamtlich von Deutschland für die Organisation des Tierschutzes: Sie erledigt die Buchhaltung, kümmert sich um die Spendenbetreuung, übersetzt und versucht, den Verein bekannt zu machen. „Das ist wie ein Vollzeitjob“. Am Wochenende ist bei ihr wieder ein Transport angekommen mit Tieren, die in Deutschland ein zu Hause gefunden haben.

Mit ihren Kollegen und freiwilligen Helfern kämpft Ruseva seit 2011 vor allem gegen die rasant steigende Zahl von Straßentieren. Zurzeit sind in den Heimen sowie auf Pflegestellen in Plovdiv rund 180 Hunde und Katzen untergebracht. Zwar vermittelt der Verein auch Tiere nach Deutschland. Aber auch Martina Ruseva gibt zu bedenken: Zur wirklichen Lösung des Streunerproblems trägt die Aufnahme eines Hundes oder einer Katze nicht bei.

Ursachen bekämpfen

Denn nachhaltige Hilfe bedeutet, die Ursachen zu bekämpfen. Die liegen vor allem in der unkontrollierten Vermehrung besonders der Katzen. „Hunde wurden in den letzten Jahren auch vom Staat kastriert“, sagt Ruseva. Gegen das Streunerproblem bei Katzen hätten die Behörden in Plovdiv so gut wie nichts getan. „Katzen sind unauffälliger und schwieriger einzufangen“, erklärt Ruseva. Die Tierschützer sind daher seit 2012 bemüht, mit Kastrationsaktionen die Flut von Katzenbabys zu verringern. „Fangen, medizinisch versorgen, kastrieren“, fasst Ruseva das Ziel in kurze Worte. „Nur so kann die Zahl der Straßentiere reduziert werden.“

Finanzhilfe

Doch die Tierkliniken, mit denen die Streunerhilfe bisher kooperierte, kastrieren höchstens zwei Tiere pro Tag – „viel zu wenig bei mehr als 10000 Straßenkatzen“, sagt Ruseva. Deshalb will der Verein nun ein Kastrationszentrum eröffnen – in einem Ärztezentrum in Plovdiv.

Dabei kooperiert der Verein mit der Welttierschutzgesellschaft, die den Aufbau des Zentrums finanziell möglich gemacht hat. Zwei Tierärzte hat der Verein bereits angestellt.

Aufklärung der Bevölkerung sei ebenfalls ein wichtiges Standbein. Denn in Bulgarien werde eine Kastration teilweise noch „als etwas Widernatürliches“ gesehen und darum abgelehnt. Auch die Armut von Tierhaltern spiele eine Rolle. „Wenn es dann Welpen gibt, landen die oft auf der Straße.“

Im Kastrationszentrum können Halter ihre Tiere künftig kostenlos untersuchen, registrieren und kastrieren lassen. „Insgesamt können wir 200 Tiere im Monat kastrieren“, berichtet die Vereinsvorsitzende. Am 4. Juni ist es soweit: Dann wird das Zentrum mit einem Tag der Offenen Tür eröffnet. Allerdings fehlt es noch an medizinischen Gerätschaften wie etwa einem Narkosegerät, OP-Besteck und einer Waage. Der Verein sammelt auch Sachspenden wie Transportboxen, Futter, Flohmittel oder Impfstoffe.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.streunerhilfe-bulgarien.de.

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