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Powerfrau in einer Männerdomäne: Porträt: Wie sich Margit Dietz als Unternehmerin in der Baubranche durchsetzte

Von Sie ist Chefin eines Bauunternehmens mit zweistelligem Millionenumsatz, und sie ist die Landesvorsitzende des Verbands Deutscher Unternehmerinnen: Margit Dietz. Ein Besuch bei der Geschäftsfrau in Dreieich, die eigentlich etwas ganz anderes werden wollte.
Hat gut Lachen: Margit Dietz aus Dreieich ist Chefin über mehr als ein Dutzend Bagger, Radlader, Walzen, Asphaltfertiger und 160 Mitarbeiter. Foto: Kirschstein Hat gut Lachen: Margit Dietz aus Dreieich ist Chefin über mehr als ein Dutzend Bagger, Radlader, Walzen, Asphaltfertiger und 160 Mitarbeiter.
Dreieich. 

Sie haben die Startbahn West gebaut und die Frankfurter Zeil umgestaltet – fast 130 Jahre alt reicht die Historie der Firma Jean Bratengeier zurück. 1888 gründete der Pflasterermeister Jean Bratengeier seine Frankfurter Baufirma und machte sie zu einem der führenden Straßenbauunternehmen der Region. „Er war mein Urgroßvater, ich bin die vierte Generation“, sagt Margit Dietz, kaufmännische Geschäftsführerin der Firma – und dabei wollte sie eigentlich etwas ganz anderes werden.

„Volkswirtschaft – das war die Ausrichtung, die ich eigentlich einschlagen wollte“, sagt Dietz lachend. Nun sitzen wir in einem nüchternen Büro am Rande von Dreieich, nur das Bagger-Gemälde auf dem Fensterbrett deutet darauf hin, dass hier die Chefin über mehr als ein Dutzend Bagger, Radlader, Walzen, Asphaltfertiger und 160 Mitarbeiter wirkt. Die Baubranche – das ist Männerland.

„Die Rolle der Frau ist ja traditionell eine dienende und pflegende gewesen, damit kämpfen wir immer noch“, sagt Margit Dietz trocken. Die Führung des Unternehmens – in die Wiege gelegt wurde sie der 59-Jährigen nicht unbedingt. Dabei liegt es zumindest in der Familie: Urgroßvater Jean hatte fünf Söhne und einen Schwiegersohn, bis heute gehört die Firma einem weit verzweigten Erbenstamm. „Meine Familie war ein Teil davon, außer mir gibt es noch zehn Gesellschafter“, erzählt Dietz. Ihren Vater besuchte sie gelegentlich in der Firma, Bruder Gerhard Bratengeier ist heute der technische Geschäftsführer.

Frauen stark machen

Die Tochter Margit machte erst einmal etwas völlig anderes: Sie studierte Volkswirtschaft in Frankfurt, arbeitete danach in der Firmenkundenbetreuung bei der Dresdener Bank. Dann kamen drei Kinder – und Dietz hörte erst einmal auf zu arbeiten. „Ich wusste nicht so richtig, wie ich es koordinieren sollte“, erzählt sie. Die Kinderbetreuung war bei Weitem nicht so ausgebaut wie heute, „und ich hatte auch keine Vorbilder“, sagt sie.

Noch heute sei es schwierig, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. „Ich rate jungen Frauen, Stehvermögen mitzubringen und die finanzielle Seite zu sehen“, sagt Dietz: „Die Versorgungsehe funktioniert nicht mehr, ihr müsst wirtschaftlich unabhängig sein.“ Seit 2016 ist sie hessische Landesvorsitzende des Verbands deutscher Unternehmerinnen. Frauen zu fördern, zum Unternehmertum zu ermutigen, Frauen stark machen, das sind ihr wichtige Ziele.

„Wir Frauen sind mit dem Netzwerken noch nicht ganz so weit wie die Männer“, sagt Dietz, „Vitamin B wie Beziehung ist für uns einfach negativ besetzt.“ Männer nutzten ganz selbstverständlich ihre Verbindungen für ihre Belange, Frauen hätten „immer die Sorge, dass dann an unserer Qualifikation gezweifelt wird.“ Dabei sei „das Thema doch durch“, sagt sie entschieden: „Wir wissen doch, dass Frauen die besseren Abschlüsse haben.“ Gerade hat sie am Kommuniqué der „W20“-Frauen mitgewirkt, dem Frauen-Parallelgipfel zum G20, die Ziele hätten Eingang gefunden ins Abschlussstatement des Weltgipfels, sagt sie stolz. Frauen eine entschiedenere Stimme zu verschaffen, gehört zu werden – Margit Dietz ist die richtige dafür.

„Ich habe gerade mein Tagebuch wieder gefunden“, erzählt sie lachend, „mit 15 dachte ich schon: Ich brauche Gestaltungsspielraum.“ Globetrotterin habe sie damals werden wollen, habe immer schon „machen“ wollen. „Ich habe immer so gearbeitet, als wäre es mein Laden“, erinnert sie sich, selbst in der Großbank. Eine gute Haltung – für ein Familienunternehmen.

Alter Stallgeruch

Als der Jüngste im Kindergarten war, ging sie wieder arbeiten, erst im bekannten Weingut Kruger-Rumpf in Münster-Sarmsheim, später in der Möbelbranche. Dietz war für das Kaufmännische zuständig, fuhr auch mal mit auf Weinmessen. „Das war schon sehr spannend, man hat noch mal einen ganz anderen Eindruck ins Unternehmertum bekommen“, sagt sie heute.

Dann starb 2003 überraschend der kaufmännische Geschäftsführer der Bratengeier Bau GmbH, „und ich war die Einzige, die einen kaufmännischen Hintergrund hatte“, sagt Dietz: „Man hatte die Idee, ich könnte das mal machen.“ Dietz machte. Als die Muttergesellschaft in eine GmbH & Co. KG umfirmiert wurde, war sie in ihrem Element, führte die Verhandlungen mit den Banken und konnte mit ihrem alten „Stallgeruch“ punkten.

2009 übernahm sie die kaufmännische Leitung bei Bratengeier. „Man muss sich seine Position schon verdienen“, sagt sie über ihren Spitzenjob in der Männerbranche. Heute gehe sie über die Zeil und freue sich über die Sanierung mit den 250 Kilogramm schweren Fliesen in spezieller Verlegetechnik. Rollbahnen am Flughafen sanieren sie immer noch, viele Baustellen in Frankfurt tragen das Bratengeier-Label.

Und Margit Dietz spricht vom notwendigen Stolz auf herausragende Bauwerke, vom zu großen Perfektionismus vieler Frauen, und dass wir mehr Unternehmergeist brauchen. „Ich glaube, man ist letztlich nur glücklich, wenn man in seinem Leben auf dem Fahrersitz sitzt anstatt auf dem Beifahrersitz“, sagt sie dann noch, „ich muss doch Verantwortung für mich selbst übernehmen.“

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